Bundesweit Jeder sechste Haushalt zahlt mehr als 40 Prozent für Miete

Die Belastung durch hohe Mieten ist nicht nur in Städten ein Problem. Auch in der Provinz ist die Belastung groß. Etwa jeder sechste Haushalt muss mehr als 40 Prozent seines verfügbaren Einkommens dafür hinblättern.

Wohnsiedlung in Dortmund
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Wohnsiedlung in Dortmund


Fast vier von zehn Mieter-Haushalten in Deutschland müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Etwa jeder sechste Haushalt zahlt sogar mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die 30-Prozent-Marke gilt als kritisch, da insbesondere Familien mit kleinerem Einkommen sonst nicht genug Geld für den Alltag bleibt.

Das Bundesbauministerium beruft sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014. Demnach müssen 37,4 Prozent der Hauptmieter-Haushalte mehr als 30 Prozent für Miete ausgeben, 17 Prozent der Haushalte mehr als 40 Prozent. Kürzlich hatte eine Studie der Berliner Humboldt-Universität für 77 deutsche Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern ein ähnliches Ergebnis geliefert - die Angaben des Bauministeriums beziehen sich dagegen auf ganz Deutschland.

"Zu viele Haushalte müssen viel zu viel Miete zahlen", kommentierte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) die Zahlen. Da der Markt allein dieses Problem nicht lösen werde, brauche es deutlich mehr sozialen Wohnungsbau, für den nicht wie bisher vorgesehen ab 2020 allein die Länder zuständig sein dürften. "Die Zahlen zeigen auch, dass wir eine Mietpreisbremse brauchen, die wirklich funktioniert", sagte Hendricks. Das Instrument, das den Mietanstieg in Regionen mit Wohnungsknappheit bremsen soll, müsse verbessert werden.

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Die Mietpreisbremse gilt in vielen Gegenden jedoch als gescheitert, da die Mietpreise wegen Ausnahmeregelungen und juristischer Schlupflöcher weiter steigen. Eine Nachschärfung etwa mit strengeren Transparenzregeln hatte die SPD nicht gegen die Union durchsetzen können. Das Berliner Landgericht hatte im Zusammenhang mit einem Urteil in einem Mietstreit diese Woche darauf hingewiesen, dass die Richter die Mietpreisbremse für verfassungswidrig halten. Die Kammer betonte aber, dass darüber nur das Bundesverfassungsgericht entscheiden könne.

Kurz vor der Bundestagswahl am kommenden Sonntag sind Wohnungsmangel und Mieten auch Themen im Wahlkampf. Alle Parteien fordern mehr Wohnungsbau, haben dafür aber unterschiedliche Konzepte - von Freibeträgen bei der Grunderwerbssteuer, die unter anderem Union und FDP wollen, bis zu einer Deckelung der Mieten, die die Linke im Programm hat.

mik/dpa-AFX



insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
jula75 22.09.2017
1. widersprüchliche Angaben
Die Angaben in der Überschrift und im Artikel sind widersprüchlich. Was denn nun: Zahlen 2/5 oder 1/6 aller Haushalte mehr als 40% vom Einkommen an Miete? Das ist doch ein ziemlicher Unterschied.
neuss66 22.09.2017
2. Mehr als was????
"Vier von zehn Haushalten zahlen mehr als 40 als Prozent für Miete" Oder: Vier von zehn Journalisten haben etwas Probleme mit dem Satzbau!
no__comment 22.09.2017
3. "Vier von zehn Haushalten zahlen mehr als 40 als Prozent für Miete"
"Vier von zehn Haushalten zahlen mehr als 40 als Prozent für Miete" Laut Text zahlen sie "nur" mehr als 30 Prozent. Und das zweite "als" ist auch überflüssig.
fatherted98 22.09.2017
4. Ist so gewollt...
....Immobilienfirmen sprechen sogar davon das bis zu 60% in die Miete und Nebenkosten fließen sollten....die Verschärfung des Wohnungsmarktes wird mit dem Familiennachzug nach den Wahlen noch zunehmen....dann muss Wohnraum für 400.000 bis 800.000 Menschen her....bei uns im Block werden schon auf Reserve Wohnungen frei gehalten (skandalöserweise schon über 1 Jahr - staatl. Wohnbauges.).
andreas_so 22.09.2017
5. Überschrift ist falsch
"Vier von zehn Haushalten zahlen mehr als 40 als Prozent für Miete" ist nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch inhaltlich inkorrekt. Im ersten Satz des Artikels heißt es, dass "fast vier von zehn Mieter-Haushalten in Deutschland [...] mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben [müssen]" und im weiteren Verlauf "17 Prozent der Haushalte mehr als 40 Prozent". Die Artikel-Überschrift sollte also entsprechend korrigiert werden.
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