Landwirtschaft Existenznot von Milchbauern führt zu illegaler Tötung von Bullenkälbern

Der Preiskampf am Milchmarkt erzeugt unschöne Kollateralschäden: Jungbullen, deren Aufzucht nicht rentabel ist, werden vernachlässigt, bis sie sterben - oder gleich getötet.

Bullenkalb: Kaum mehr rentabel
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Bullenkalb: Kaum mehr rentabel


Ähnlich wie männliche Eintagsküken, die geschreddert oder vergast werden, sind auch Bullenkälber von Milchkühen kaum mehr rentabel aufzuziehen und werden oft getötet – obwohl das nach dem Tierschutzgesetz strafbar ist. Grund ist nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL der Preis für Bullenkälber, der vergangenes Jahr auf unter 50 Euro pro Kalb gesunken war. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 18/2015
8. Mai 1945: Wie die Deutschen das Kriegsende erlebten

Tierschützer und Schlachter berichteten dem Magazin, dass Bullenkälber oftmals gleich nach der Geburt getötet werden oder wegen Vernachlässigung krank werden und sterben, weil sich die Bauern die zusätzlichen Kosten für die Aufzucht nicht leisten können. Durch den Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015 ist der Milchpreis unter 30 Cent pro Liter gefallen. "Die Schwächlichen werden selektiert, manchmal noch lebendig auf den Misthaufen geschmissen oder sogar in Gruben verscharrt", sagt Melanie Vogelei von der Tierschutzorganisation White Paw.

Besonders in großen Betrieben mit Hunderten von Tieren sei der direkte Bezug zu den Rindern verloren gegangen. Albert Sundrum, Professor für Tiergesundheit an der Universität Kassel, sagte dem Magazin: "Viele Landwirte sehen sich nur bedingt in der Lage, Geld für die Gesunderhaltung in die teilweise unverkäuflichen Kälber zu stecken, weil sie selbst am Existenzminimum wirtschaften. Sie sind Opfer eines Systems, in dem der Wirtschaftlichkeit Vorrang vor der Tiergesundheit eingeräumt wird."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
vhaehnel 25.04.2015
1. Der Verbraucher könnte
seine Marktmacht einsetzen und keine Billigmilch kaufen. Bio-Milch ist nach wie vor ein Alibi-Produkt im Sortiment. Wir kaufen ausschließlich Biomilch, mit diesem Bedarf sind wir die Ausnahme. Für einen Gebinde (12 x 1 Liter) , muessen wir nach wie vor die Verkäufer bemühen, diese "große Menge" im Lager zu holen.
augennichttrauer 25.04.2015
2. Was wenn..?
Durch das Abschaffen des christlichen Glaubens (Der sich in den letzten Jahrhunderten durch Machtinteressen zu einer Farce entwickelte) zugunsten des Humanismus, der es endlich erlaubt, die Welt nur mit Blick auf die Gegenwart und den darin zu erwirtschafteten Gewinn zu behandeln, ist es Möglich geworden keinen Respekt mehr vor Kreatur und Mitmensch zu haben. Wäre jeder sich bewusst, dass er Rechenschaft für sein tun ablegen müsste, wie würde die Welt aussehen? So aber fahren wir weiter auf dem Narrenschiff und wundern uns über die immer grausamer werdenden Auswüchse einer Kultur, die kein Maß und kein Mitgefühl mehr kennt. Da das Geld die Wichtigste Instanz für Leben und Politik geworden ist, bin ich gespannt, wann die ersten Menschen bewusst wegen Wertlosigkeit oder weil wirtschaftlich gesehen "überflüssig" von den dann durch künstliche Intelligenz aufgerüsteten Polizeirobotern ausgemustert werden. Matrix, Elysium, Age of Ultron etc. sind gar nicht so unrealistische Zukunftsvisionen. Und wir dann mittendrin statt nur dabei...
benno1958 25.04.2015
3. so einen Unsinn
habe ich in der letzten Zeit in SPON nicht gelesen. Warum soll ein Bauer 50 € auf den Misthaufen werfen oder verscharren.Das glaubt doch nur Frau Vogelei (heisst die wirklich so?). Das sich die Uni Kassel in den letzten Jahren mit mehr oder weniger unterirdisch zu bewertenden Publikationen hervortut, bleibt auch unerwähnt. Also nochmals vielen Dank für diesen sorgfältig recherchierten Beitrag.
otto_iii 25.04.2015
4. 567
Zitat von benno1958habe ich in der letzten Zeit in SPON nicht gelesen. Warum soll ein Bauer 50 € auf den Misthaufen werfen oder verscharren.Das glaubt doch nur Frau Vogelei (heisst die wirklich so?). Das sich die Uni Kassel in den letzten Jahren mit mehr oder weniger unterirdisch zu bewertenden Publikationen hervortut, bleibt auch unerwähnt. Also nochmals vielen Dank für diesen sorgfältig recherchierten Beitrag.
Weil der Aufand für Futter, Tierarzt, Schlachter und Bürokratie (Registrierung, Ohrmarke) höher ist als 50€?? Ich kenne die genauen Zahlen auch nicht, könnte mir aber vorstellen, dass alleine die Verwaltungsgebühren für die vorgeschriebenen Amtshandlungen so hoch sind, dass man ein Tier lieber schnell verschwinden lässt, bevor die Behörden seine Existenz bemerken.
Pandora0611 25.04.2015
5. Illegale Tötung von Jungbullen
---Zitat--- Ähnlich wie männliche Eintagsküken, die geschreddert oder vergast werden, sind auch Bullenkälber von Milchkühen kaum mehr rentabel aufzuziehen und werden oft getötet – obwohl das nach dem Tierschutzgesetz strafbar ist. ---Zitatende--- Es geht nur noch um Gewinnmaximierung. Da sind männliche Kücken und Bullen ein Verlustgeschäft. Also werden sie "entsorgt". Auch wenn das illegal ist.
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