Milchhöfe im Check: Guter Bauer, böser Bauer
Auf Biohöfen gibt es noch die heile Bauernhof-Welt
Junge Kätzchen toben gegenüber dem Kuhstall über den Hof der Borchardts. Gleich daneben das Hühnergehege, wo Hennen im Sand scharren. Und links neben dem Laufstall, in dem die Jungtiere stehen, trotten die Pferde Attila, Flori und Sandro im Paddock umher. In der Ecke des Auslaufs steht Esel Paul. Er hat keine Lust auf Streicheleinheiten.
Klingt nach Bilderbuch-Bauernhof, oder?
Wer dagegen das Grundstück von Biobauer Woltmann betritt, ist zunächst einmal überrascht. Hier ist nichts mit kreativem Chaos, wild durcheinander laufenden Tieren oder Streichelzoo. Der Hof ist straff organisiert. Es gibt den riesigen Stall für die Milchkühe, die moderne Melkanlage und gegenüber vom Wohnhaus die Kälberzucht.
Das Grundstück wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Fabrikgelände. Maschinen und Gebäude sind auf dem neuesten Stand, erst 2010 hat Woltmann seinen Betrieb komplett modernisiert. Stolz zeigt er die Schaltzentrale seiner Melkanlage: "Das ist eine drehzahlgesteuerte Vakuumpumpe. Die regelt genau, wie viel Strom und Wasser die Anlage gerade benötigt - und gibt auch nur genau diese Menge frei."
Die beiden Höfe zeigen: Bio bedeutet nicht automatisch Idylle. Und eine große Herde macht einen Betrieb nicht zur Agrarfabrik. Biolandwirt Woltmann hält 110 Milchkühe - nur zehn weniger als Borchardt. Mit 200 Hektar bewirtschaftet der Biobauer sogar doppelt so viel Fläche wie sein konventionell wirtschaftender Kollege. Biolandwirte benötigen grundsätzlich mehr Fläche pro Tier, da sie keinen Kunstdünger verwenden dürfen und die Ernte meist geringer ausfällt.
Melken wie am Fließband ist Standard
Unter Expansionsdruck stehen beide Höfe. Die Herden haben sie in den vergangenen Jahren aufgestockt. Und in Sachen Effizienz ist Woltmann sogar Vorreiter.
Er melkt seine Kühe in einem sogenannten Swing-Over-Melkstand. Der Bauer arbeitet von einem tiefer liegenden Gang in der Mitte aus, so dass die Euter auf Armhöhe sind. Links und rechts von ihm stehen jeweils 20 Tiere. An einer Deckenschiene in der Mitte hängen die Melkzeuge. So heißen die Pumpen, die der Bauer an die Euter anschließt. Sind die Kühe auf der rechten Seite fertig, schwingt Woltmann mit dem Melkzeug zu den gegenüberstehenden Tieren. Während er melkt, wird auf der anderen Seite bereits eine neue Gruppe hereingetrieben. So muss der Melker nicht auf neue Tiere warten. Fließbandabfertigung statt Öko-Idylle.
Beim konventionellen Bauern Borchardt wird diese Swing-Over-Technik erst demnächst in seinen fast fast 30 Jahre alten Melkstand eingebaut. Dort können derzeit 16 Tiere gleichzeitig gemolken werden.
Insgesamt hat er rund 240 Rinder zu versorgen, und alle haben Nummern statt Namen. Nur die weiblichen Kälber werden selbst großgezogen, männliche Kälbchen hingegen im Alter von 14 Tagen an einen Bullenmäster verkauft. Auch Biobauer Woltmann behält nur weibliche Kälbchen. Auf beiden Höfen werden die Neugeborenen spätestens 24 Stunden nach der Geburt von der Mutter getrennt. Das empfinden Besucher oft als brutal, die Landwirte begründen es jedoch damit, dass sie die Tiere so besser versorgen können. Denn bei den Hochleistungskühen funktioniert das Trinken der Kälber direkt bei der Mutter meist nicht.
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- Dienstag, 31.01.2012 – 09:25 Uhr
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| Die wichtigsten Fakten zu den Höfen | ||
| Konventioneller Hof Borchardt | Bio-Hof Woltmann | |
| Zahl der Tiere | 120 Milchkühe plus 120 Nachwuchsrinder | 110 Milchkühe plus XX Nachwuchsrinder |
| Fläche | 55 Hektar Grünland und 55 Hektar Ackerland | 130 Hektar Grünland und 70 Hektar Ackerland |
| Milchmenge, die die Betriebe abliefern dürfen (Milchquote) | Eine Million Kilogramm | |
| Milchpreis, den die Molkerei zuletzt zahlte | 37 Cent/Kilogramm | 43 Cent/Kilogramm |
| Kosten, die für die Produktion von einem Liter Milch anfallen | 27 Cent | 35 Cent |
| Alter der Kühe beim ersten Kalb | 26 bis 27 Monate | 36 Monate |
| Zeitraum zwischen den Kalbungen | 400 Tage | 365 Tage |
| Durchschnittliche Lebensmilchleistung der Kühe | 36.000 Liter | 30.000 bis 40.000 Liter |
| Lebensjahre, die eine Kuh im Schnitt auf dem Hof verbringt | sechs Jahre | sieben bis acht Jahre |
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