Überangebot Milchpreis für Bauern fällt teils unter 20 Cent

Die Milchpreise erreichen ein neues Rekordtief. Erste Bauern bekommen laut einem Zeitungsbericht nur noch 20 Cent pro Liter - halb so viel, wie sie zum Überleben brauchen.

Kühe in Melkanlage
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Kühe in Melkanlage


Der Milchpreis für Bauern ist nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" innerhalb weniger Wochen um 30 Prozent abgestürzt. Preisverhandlungen zwischen Molkereien und Landwirten hätten in manchen Regionen Auszahlungspreise von 19 oder 18 Cent ergeben. Um kostendeckend wirtschaften zu können, bräuchten die rund 75.000 Milchbauern in Deutschland aber einen Erzeugerpreis von etwa 40 Cent pro Liter.

Hintergrund für den Preissturz ist ein massives Überangebot in ganz Europa. Als Hauptgründe für das Preistief gelten die schwache Nachfrage aus China, das russische Lebensmittelembargo, die steigende Produktion in Ländern wie Neuseeland und Amerika sowie das Auslaufen der Milchquote in der EU vor gut einem Jahr.

Die Bundesregierung will Deutschlands Milchbauern rasch unterstützen. Aus dem Agrarministerium hieß es zuletzt, dass Hilfszahlungen von 60 bis 100 Millionen Euro möglich seien. Details sollen Ende des Monats bei einem sogenannten Milchgipfel diskutiert werden, an dem Politiker, Molkereien und Bauernvertreter teilnehmen werden.

Bereits Anfang des Jahres hatten Tausende Betriebe staatliche Finanzhilfen aus einem Notprogramm von EU und Bundesregierung beantragt. Die Bauern können jeweils bis zu 10.000 Euro erhalten. Die meisten bisher gestellten Anträge stammten laut "Passauer Neuer Presse" aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Auch in den Supermärkten sind die Milchpreise zuletzt stark gesunken. Anfang Mai hatten Marktführer Aldi und sein kleinerer Rivale Norma einen Liter frische Vollmilch für 46 Cent angeboten. Auch Butter, Schlagsahne, Kondensmilch, Kräuterquark und Joghurt sind zurzeit sehr günstig.

Seit dem Auslaufen der Milchquote kämpfen die Milchbauern mit sinkenden Preisen. Viele Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Erst vor wenigen Wochen hatten Bauern vielerorts gegen die Niedrigpreise im Handel demonstriert. Die Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern haben bereits dazu aufgerufen, weniger Milch zu produzieren.

ssu



insgesamt 305 Beiträge
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Seite 1
roughneckgermany 17.05.2016
1.
Keine Finanzhilfen für Großbetriebe! Außerdem haben die Milchbauern das zum Großteil selbst mitverschuldet. Bereits beim Auslaufen der Milchquote und dem ersten großen Preisverfall wurde die Produktion noch mehr erhöht.
roughneckgermany 17.05.2016
2.
Da ja immer gesagt wird: "Der Markt regelt sich selbst", sollte man das laufen lassen und der Markt wird das von alleine regeln. Unterstützung nur von Kleinbauern und keineswegs von Großbetrieben.
Nofretete 17.05.2016
3. schlechte Milch
Es gibt einfach zu viel schlechte Milch. Das sind die folgen einer undurchdachten Massenproduktion. Die Schuld trägt die EU/Brüssel mit einer schlechten Politik.
Hammelinda 17.05.2016
4.
man produziert also mehr als nachgefragt wird, jammert dann, dass der preis fällt, und fordert im selben atemzug die politik zum handeln auf? was soll die politik denn machen? eine abnahmegarantie zum festpreis wie in der DDR einführen??? ich versteh nicht warum um die milch so ein theater gemacht wird. es ist ein ganz normaler vorgang in einer marktwirtschaft. auch in einer sozialen! muss halt jemand pleite gehen.
Xantos73 17.05.2016
5. Arme Bauern,
aber ist das nicht Marktwirtschaft? Ehr nicht, es recht sich die Globalisierung. Vorbei die Zeit wo man seine Milch von regionalen Bauernhöfen bezogen hat. Und bei der wußte man was drin ist. Und wenn mal was nicht gestimmt hatte war der Bauer Mode. Heute? Alles derart anonymisiert. Man man man, ich bin erst 43 und höre mich selber sagen - früher war alles besser. Wann hört dieser Globalisierungswahn nur auf? Ich als Konsument hab mich entschieden nur noch regional zu kaufen und gern auch zum doppelten Preis.
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