Militär-Airbus: Bundesregierung verkündet Einigung im Streit über A400M

Seit Monaten ringen EADS und die sieben Käuferstaaten darum, wer die milliardenschweren Mehrkosten für den A400M trägt. Nun ist der Streit laut Bundesregierung beigelegt - die Länder beteiligen sich mit 3,5 Milliarden Euro.

Airbus A400M beim Jungfernflug: Mehrkosten von 11,2 Milliarden Euro Zur Großansicht
AFP

Airbus A400M beim Jungfernflug: Mehrkosten von 11,2 Milliarden Euro

Berlin - Die Finanzierung des Airbus-Militärtransporters A400M steht: Die sieben Käuferstaaten und die Airbus-Mutter EADS haben sich darauf geeinigt, wie sie die Mehrkosten unter sich aufteilen, teilte am Freitag ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit.

EADS und die sieben Bestellernationen ringen seit Monaten um die Aufteilung der Mehrkosten von 5,2 Milliarden Euro. Der Militärtransporter A400M ist derzeit das teuerste Rüstungsprojekt in Europa. Airbus hatte sich 2003 verpflichtet, 180 Maschinen zu einem Festpreis von 20 Milliarden Euro auszuliefern. Deutschland hatte 60 Maschinen bestellt.

Die Länder sind laut EADS nun bereit, zwei Milliarden Euro mehr für die Flugzeuge zu bezahlen. Weitere 1,5 Milliarden Euro entfallen auf Exportkredite. Die Staaten werden dafür an künftigen A400M-Verkaufserlösen beteiligt. Die Einigung sieht vor, dass die ersten Maschinen für Deutschland 2014 ausgeliefert werden sollen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die spanische Verteidigungsministerin Carme Chacón verkündet, dass sich die Verhandlungspartner geeinigt hätten. Die nun getroffene Vereinbarung soll am Montag in Paris unterzeichnet werden. Voraussetzung für ihr Inkrafttreten ist, dass die zuständigen Regierungen und Parlamente zustimmen.

EADS kündigte an, dass es wegen der A400M-Belastungen Verluste im abgelaufenen Geschäftsjahr beim operativen Gewinn und beim Konzernüberschuss gebe. Für 2009 muss das Unternehmen für das Projekt Rückstellungen von 1,8 Milliarden Euro bilden - zusätzlich zu den bereits erfolgten Rückstellungen von 2,4 Milliarden Euro. Am Dienstag stellt der Konzern seine Jahresbilanz vor.

cte/dpa-AFX/Reuters/apn

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Airbus: Jungfernflug des A400M

Problemfälle bei Airbus
Airbus A380
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Die Auslieferung des größten Passagierflugzeugs der Welt, des Airbus A380 , musste wiederholt verschoben werden. Das erste Serienflugzeug wurde erst im vierten Quartal 2007 an den ersten Kunden - Singapore Airlines - geliefert und damit fast ein Jahr später als zuletzt geplant. Ursprünglich sollte der erste A380 schon 2005 nach Singapur geliefert werden. Ursache der Verzögerungen waren Schwierigkeiten mit der komplizierten Verkabelung. Wegen der Produktionsprobleme rechnet der Airbus- Mutterkonzern EADS zwischen 2006 und 2010 mit Gewinneinbußen in Höhe von mehreren Milliarden Euro.
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Die zweistrahlige Maschine A350 soll dem erfolgreichen 787 "Dreamliner" des US-Erzrivalen Boeing Paroli bieten. Doch hat Airbus das Konzept für den A350 in den vergangenen Jahren schon mehrfach geändert. Ursprünglich sollten nur die seit 1993 gebauten A330-Jets modernisiert werden. Als das bei Kunden nicht ankam, präsentierte Airbus Ende 2004 ein neues Konzept. Doch auch dieses gefiel vielen Kunden nicht - die Kabine war ihnen zu schmal. Im Juli 2006 kündigte Airbus deshalb an, ein völlig neues Flugzeug namens A350 XWB zu entwickeln. Eigentlich soll es ab 2012 erhältlich sein - doch EADS will nun prüfen, ob es noch genügend Ressourcen für die Entwicklung gibt.
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Der Militär-Airbus A400M wurde vor allem den Bedürfnissen der Nato angepasst. Doch schon der frühere Airbus-Chef Christian Streiff räumte Probleme beim Zeitplan für den großräumigen Truppen- und Fahrzeugtransporter ein. Die Maschine sollte eigentlich 2008 ihren ersten Testflug absolvieren, erste Auslieferungen waren für Ende 2009 angepeilt. Die milliardenschwere Entwicklung des Militär-Airbus, der die Transall- und die Hercules-Flugzeuge ablösen soll, gilt als größtes Rüstungsprogramm in Europa. Experten befürchten aber, dass es angesichts der Probleme beim A380 und dem A350 und wegen des Arbeitsaufwands beim A400M an Ingenieurkapazitäten mangeln könnte.