Frankfurt am Main - Wir haben die Krise im Griff - diese Botschaft verkündeten die EU-Politiker auf ihrem Gipfel vergangene Woche. Doch aktuelle Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, dass es auf den Märkten noch längst keine Entspannung gibt.
Denn die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB sind über das Wochenende auf den Rekordwert von 820,82 Milliarden Euro geklettert. Noch am Freitag lag der Wert bei 777 Milliarden Euro. Diese kurzfristigen Einlagen gelten als eine Art Angstindikator der Finanzbranche. Je stärker sich die Banken gegenseitig misstrauen, desto mehr nutzen sie die EZB als eine Art Tresor und legen dort tageweise überschüssiges Geld an. Bei der Notenbank gilt es als sicher, die Institute müssen aber einen Mini-Zins von 0,25 Prozent in Kauf nehmen.
Zwar steigen die Bankeinlagen bei der EZB über das Wochenende oftmals stärker als im Verlauf der Woche, allerdings geben die Zahlen dennoch Grund zur Sorge. Erst am Mittwoch hatte die EZB den Banken knapp 530 Milliarden Euro über drei Jahre hinweg zum Niedrigzins von einem Prozent zur Verfügung gestellt.
Der Plan der EZB sieht vor, dass die Banken das Geld für Kredite an Unternehmen verwenden, damit der Finanzkreislauf wieder in Schwung kommt. Doch die Angstkasse zeigt, dass die Institute einen großen Teil des Geldes stattdessen bei der EZB bunkern.
Weidmann warnt vor trügerischer Ruhe
Dass seine Strategie nicht aufgeht, bringt Notenbankchef Mario Draghi unter Druck. Er verteidigte sich bisher damit, dass die EZB durch ihre Geldschwemme bisher immerhin eine Kreditklemme und den Einbruch der Aktienmärkte verhindern konnte.
Am Donnerstag entscheidet die EZB über den Leitzins, dann wird sich Draghi auch kritischen Fragen zu den Geldspritzen stellen müssen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte sich bereits skeptisch über den jüngsten Milliardenkredit. Die Konditionen seien "sehr generös" geraten, sagte er dem SPIEGEL. "Das Programm vermittelt kurzfristig Ruhe, aber es ist eine Ruhe, die trügerisch sein könnte", sagte Weidmann. Insgesamt bekamen die Banken von der EZB bereits gut eine Billion Euro für drei Jahre geliehen.
Besorgt zeigte sich Weidmann vor allem mit Blick auf die Sicherheiten, die die Banken bei der EZB für Kredite mittlerweile hinterlegen dürfen. "Die Notenbanken des Euro-Systems nehmen substantielle Risiken in ihre Bilanz, die im Grenzbereich ihres Mandats liegen", sagte er. Die Qualitätsmaßstäbe für die Sicherheiten müssten schnellstmöglich wieder verschärft werden.
Der französische Zentralbankchef Christian Noyer dagegen warnte vor einer vorschnellen Änderung der Konditionen. "Wir können das tun, wenn die Krise einmal vorbei ist", sagte er dem SPIEGEL.
mmq/Reuters/dpa
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