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Milliarden in Angstkasse: Draghi gerät wegen Euro-Flut unter Druck

Die Europäische Zentralbank überschüttet die Kreditinstitute mit billigem Geld. Doch statt Kredite zu vergeben, bunkern die Banken die Rekordsumme von 820 Milliarden Euro bei der EZB. Kritiker nehmen die Strategie von Notenbankchef Mario Draghi ins Visier.

EZB-Chef Mario Draghi: Fragen nach der richtigen Strategie Zur Großansicht
dapd

EZB-Chef Mario Draghi: Fragen nach der richtigen Strategie

Frankfurt am Main - Wir haben die Krise im Griff - diese Botschaft verkündeten die EU-Politiker auf ihrem Gipfel vergangene Woche. Doch aktuelle Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, dass es auf den Märkten noch längst keine Entspannung gibt.

Denn die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB sind über das Wochenende auf den Rekordwert von 820,82 Milliarden Euro geklettert. Noch am Freitag lag der Wert bei 777 Milliarden Euro. Diese kurzfristigen Einlagen gelten als eine Art Angstindikator der Finanzbranche. Je stärker sich die Banken gegenseitig misstrauen, desto mehr nutzen sie die EZB als eine Art Tresor und legen dort tageweise überschüssiges Geld an. Bei der Notenbank gilt es als sicher, die Institute müssen aber einen Mini-Zins von 0,25 Prozent in Kauf nehmen.

Zwar steigen die Bankeinlagen bei der EZB über das Wochenende oftmals stärker als im Verlauf der Woche, allerdings geben die Zahlen dennoch Grund zur Sorge. Erst am Mittwoch hatte die EZB den Banken knapp 530 Milliarden Euro über drei Jahre hinweg zum Niedrigzins von einem Prozent zur Verfügung gestellt.

Der Plan der EZB sieht vor, dass die Banken das Geld für Kredite an Unternehmen verwenden, damit der Finanzkreislauf wieder in Schwung kommt. Doch die Angstkasse zeigt, dass die Institute einen großen Teil des Geldes stattdessen bei der EZB bunkern.

Weidmann warnt vor trügerischer Ruhe

Dass seine Strategie nicht aufgeht, bringt Notenbankchef Mario Draghi unter Druck. Er verteidigte sich bisher damit, dass die EZB durch ihre Geldschwemme bisher immerhin eine Kreditklemme und den Einbruch der Aktienmärkte verhindern konnte.

Am Donnerstag entscheidet die EZB über den Leitzins, dann wird sich Draghi auch kritischen Fragen zu den Geldspritzen stellen müssen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte sich bereits skeptisch über den jüngsten Milliardenkredit. Die Konditionen seien "sehr generös" geraten, sagte er dem SPIEGEL. "Das Programm vermittelt kurzfristig Ruhe, aber es ist eine Ruhe, die trügerisch sein könnte", sagte Weidmann. Insgesamt bekamen die Banken von der EZB bereits gut eine Billion Euro für drei Jahre geliehen.

Besorgt zeigte sich Weidmann vor allem mit Blick auf die Sicherheiten, die die Banken bei der EZB für Kredite mittlerweile hinterlegen dürfen. "Die Notenbanken des Euro-Systems nehmen substantielle Risiken in ihre Bilanz, die im Grenzbereich ihres Mandats liegen", sagte er. Die Qualitätsmaßstäbe für die Sicherheiten müssten schnellstmöglich wieder verschärft werden.

Der französische Zentralbankchef Christian Noyer dagegen warnte vor einer vorschnellen Änderung der Konditionen. "Wir können das tun, wenn die Krise einmal vorbei ist", sagte er dem SPIEGEL.

mmq/Reuters/dpa

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1. Der Ehrenwerte Mario Draghi weiß, was er tut!
wibo2 05.03.2012
Zitat von sysopdapdDie Europäische Zentralbank überschüttet die Kreditinstitute mit billigem Geld. Doch statt Kredite zu vergeben, bunkern die Banken die Rekordsumme von 820 Milliarden Euro bei der EZB. Kritiker nehmen die Strategie von Notenbankchef Mario Draghi ins Visier. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819313,00.html
Die Kritiker sollen lieber schweigen! Die Banken bereiten sich auf weitere Abschreibungen oder gar auf einen Bank Run vor. Was soll an dieser Strategie falsch sein? Wer will in einem deflationären Umfeld noch Kredite, um zu investieren? Wenn Banken zögern, den Mittelstand mit Krediten zu versorgen, dann kann das auch damit zu tun haben, nicht gutes Geld schlechtem Geld hinterherzuwerfen! Dumm Banker haben genug Geld veruntreut, wenn sie jetzt vorsichtiger geworden sind, dann ist das verständlich.
2. italienische Banken...
anderton 05.03.2012
Zitat von sysopdapdDie Europäische Zentralbank überschüttet die Kreditinstitute mit billigem Geld. Doch statt Kredite zu vergeben, bunkern die Banken die Rekordsumme von 820 Milliarden Euro bei der EZB. Kritiker nehmen die Strategie von Notenbankchef Mario Draghi ins Visier. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819313,00.html
Laut meinen Infos haben die italienischen Banken knapp ein virtel (246 Mrd., 130 Mrd. jetzt und 116 Mrd. im Dezember) der Gesamtsumme in Anspruch genommen. Noch fragen?
3. Wie ist das
idealist100 05.03.2012
Zitat von andertonLaut meinen Infos haben die italienischen Banken knapp ein virtel (246 Mrd., 130 Mrd. jetzt und 116 Mrd. im Dezember) der Gesamtsumme in Anspruch genommen. Noch fragen?
Wie ist das noch einmal. Das Fass mit immer mehr Schwarzpulver füttern bis es in den kritischen Bereich kommt und mit einem riesigen Knall explodiert.
4. Und ewig grüßt das Murmeltier...
petermalysia 05.03.2012
Zitat von sysopdapdDie Europäische Zentralbank überschüttet die Kreditinstitute mit billigem Geld. Doch statt Kredite zu vergeben, bunkern die Banken die Rekordsumme von 820 Milliarden Euro bei der EZB. Kritiker nehmen die Strategie von Notenbankchef Mario Draghi ins Visier. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819313,00.html
.. diese alte Leier das diese Regelung der Regierung erlaubt phlegmatisch und starr handelnde Banken darüber entscheiden läßt welches UN oder UN Gründer Geld bekommt ist nicht nur lächerlich sondern auch blamabel für die Unfähigkeit der Regierung wirtschaftsinitiativen zu starten und auch das sie nicht in der Lage ist die Gefahr von Bankenmacht zu erkennen gescheige denn zu kontrollieren. Logisch ist doch, da steckt doch viel zu viel Arbeit drin sich mit einzelnen UN zu befassen dann doch lieber das Geld in internationalen Anlagegeschäften zu stecken bzw. verpulvern. Wenn da kein Zwang für die Banken ist wird sich da nie was ändern. Richtig lächerlich wird es wenn wenn die Banken über die öffentlichen Zuschüsse und Hilfen entscheiden sollen. Da soll dann ein Banker darüber entscheiden ob ein UN oder UN Gründer billiges Geld von Landes-, Bundes- und Euo Töpfen bekommt oder doch lieber das teuere Geld von seiner Hausbank. Gute Nacht Mittelständische- und Kleinunternehmer.
5. Unverständlich
noexpert 05.03.2012
Zitat von sysopdapdDie Europäische Zentralbank überschüttet die Kreditinstitute mit billigem Geld. Doch statt Kredite zu vergeben, bunkern die Banken die Rekordsumme von 820 Milliarden Euro bei der EZB. Kritiker nehmen die Strategie von Notenbankchef Mario Draghi ins Visier. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819313,00.html
Wie lange noch wird dies fatale Konstruktion des Euros von den Völkern Europas geduldet ? Dass die Banken praktisch unbegrenzten Zugang zum Gratis Geld haben, die Regierungen aber (nicht nur die PIIGS, auch die Musterschüler in Sachen Budgetmanagement) Wucherzinsen an eben diese Banken (die sie vom Bankrottt durch Steuergelder immer wieder retten müssen) zahlen, um ihre Finanzierungsbedürfnisse zu befriedigen ? Warum sollen die Staaten für dringend notwendige, zukunftsorientierte Investitionen (erneuerbare Energien, Europaweite Infrastrukuren und Netzwerke, Bildung für die jüngere Generationen, usw.) sich bei den Bankiers (die ja gar kein eigenes Geld zu Verfügung stellen !) versklaven ? Und warum ist es so einfach für die neoliberale Orthodoxie (nicht nur Regierung, s.a. Steinbrück's Kommentare gegenüber Hollande's Vorschläge) in Deutschland, jeden der versucht diese Sache zu thematisieren für verrückt zu erklären ?
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.
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