Milliarden-Investition RWE plant Atommeiler in den Niederlanden

Unbeirrt hält RWE an der Atomkraft fest. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen plant das Unternehmen den Bau eines neuen AKW in den Niederlanden - knapp 200 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Der Meiler könnte Strom in die Bundesrepublik exportieren. Baukosten: rund fünf Milliarden Euro.

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AKW-Gelände Borssele: Beteiligung von RWE mit 30 Prozent
REUTERS

AKW-Gelände Borssele: Beteiligung von RWE mit 30 Prozent


Hamburg - Während die Bundesregierung noch am Masterplan für einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomenergie feilt, setzt RWE-Chef Jürgen Großmann den nuklearen Expansionskurs seines Konzerns unbeeindruckt fort. RWE hat sich mit dem niederländischen Energieversorger Delta über einen Einstieg beim Kernkraftwerk Borssele in der Provinz Seeland geeinigt.

RWE soll 30 Prozent an dem Kernkraftwerk erhalten. Kostenpunkt: rund 600 Millionen Euro. Den an Borssele beteiligten niederländischen Versorger Essent hatte RWE bereits vor zwei Jahren zu 100 Prozent übernommen. Ursprünglich hatte Großmann sogar einen 50-prozentigen Anteil an dem Atomkraftwerk angestrebt. Dies war allerdings auf erbitterten Widerstand in den Niederlanden gestoßen.

Die Minderheitsbeteiligung hat für Großmanns Zukunftspläne dennoch hohen Wert. Denn trotz des Reaktorunglücks in Fukushima will die niederländische Regierung an den beschlossenen Ausbauplänen in der Atomenergie festhalten. Dazu gehört nicht nur die Verlängerung der Laufzeit des Altmeilers Borssele bis zum Jahr 2034.

Nach derzeitiger Überlegung soll an dem Standort schon im kommenden Jahr mit dem Bau eines weiteren Atomkraftwerkes begonnen werden, an dem sich RWE dann ebenfalls beteiligen wird. Angedacht ist ein Meiler in einer Größenordnung von 1000 bis 1600 Megawatt. Baukosten: bis zu fünf Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das größte deutsche Atomkraftwerk, Isar 2, hat eine Bruttoleistung von 1485 Megawatt.

Das Kraftwerk Borssele steht 180 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. An dem Standort soll auch der geplante neue Meiler entstehen. Laut Planung könnte der Meiler Strom nach Deutschland liefern. Erst am Montag hatte Großmann bei einer öffentlichen Veranstaltung in Düsseldorf betont, dass sein Konzern an der Atomkraft festhalten wolle - und dass er die Ausstiegspläne der Bundesregierung für falsch halte.

Neben den Niederlanden planen auch andere europäische Länder neue Kernkraftwerke. Konkret gebaut werden derzeit Meiler in Finnland, Frankreich, Bulgarien, der Slowakei und der Ukraine (siehe Karte links). Auch Großbritannien hat einen Ausbau der Kernkraft angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, das geplante Atomkraftwerk in den Niederlanden werde in der Nähe der deutschen Grenze gebaut. Das ist nicht richtig. Der Standort Borssele befindet sich an der Nordsee, knapp 200 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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Viva24 17.05.2011
1. Wir machen einfach ein Gesetz
dass wir keinen Strom von neu gebauten Atommeilern kaufen, dann ist RWE pleite und wir können als Steuerzahler den Laden übernehmen und endlcih faire Strompreise anbieten. Hätten wir schon lange vor Fukushima machen sollen. Wir Bürger können Gesetzte machen!
Die_Sonne 17.05.2011
2. Murks
Zitat von sysopUnbeirrt hält der Energieriese RWE an der Atomkraft fest. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen plant das Unternehmen den Bau eines neuen AKW in*den Niederlanden*- kurz hinter der deutschen Grenze. Der Meiler*könnte Strom in die Bundesrepublik exportieren. Baukosten: rund fünf Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762973,00.html
Daran sieht man, das die naive Panik gg. atomkraft in Deutschland nur Murks ist. Wir sind weiter umzingelt von AKWs und es wäre sinnvoller die AKWs neu zu designen und für den Fall einer Kernschmelze vorzubauen. Angst und Furcht sind nie gute Ratgeber. Was bringt uns der Ausstieg wenns dann in Holland knallt. Alles super naiv und offenbart eine Schwäche der Demokratie!
Olaf 17.05.2011
3. Deutschland heute = Schilda 2.0
Zitat von sysopUnbeirrt hält der Energieriese RWE an der Atomkraft fest. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen plant das Unternehmen den Bau eines neuen AKW in*den Niederlanden*- kurz hinter der deutschen Grenze. Der Meiler*könnte Strom in die Bundesrepublik exportieren. Baukosten: rund fünf Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762973,00.html
Klar, irgendwo muss der billige Strom je herkommen und der Strom aus den Windmühlen ist ja nun mal teuer, unzuverlässig und muss noch durch Speicher und Überlandleitungen weiter "veredelt" werden, bevor er brauchbar ist. Also nur weiter: Ein Land, welches für die Qualität seine Ingenieure weltweit den besten Ruf genießt, hört bei technischen Entscheidungen auf Soziologen, Theaterwissenschaftler und Juristen. Am Besten noch mit kommunistischem Hintergrund, denn das steigert die Qualifikation enorm.
Hennes 17.05.2011
4. Mit Verlaub
"Das Kraftwerk Borssele steht nur wenige 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt." (spon) Viel weiter weg kann man in den Niederlanden kaum bauen. Einfach mal auf die Karte schauen.
karsten112 17.05.2011
5. .
Zitat von sysopUnbeirrt hält der Energieriese RWE an der Atomkraft fest. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen plant das Unternehmen den Bau eines neuen AKW in*den Niederlanden*- kurz hinter der deutschen Grenze. Der Meiler*könnte Strom in die Bundesrepublik exportieren. Baukosten: rund fünf Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762973,00.html
In 100 Jahren ist Holland überflutet und wo lassen die dann den ganzen Atommüll? Wahrscheinlich planen die schon ein Endlager in Winterberg...
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