Milliarden-Programm Obama startet Strom-Revolution

Mit aller Kraft treibt US-Präsident Obama die Energiewende voran: In Amerika startet ein milliardenschweres Konjunkturprogramm zur Modernisierung der Stromnetze. Das Infrastrukturprojekt ist Voraussetzung für eine flächendeckende Nutzung von Ökostrom - und soll Tausende Jobs schaffen.

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US-Präsident Obama: Milliarden für die Energiewende
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US-Präsident Obama: Milliarden für die Energiewende


Hamburg - Amerikas Energiesektor steht vor gewaltigen Umwälzungen: Mit einem 3,4 Milliarden Dollar schweren Öko-Fonds will die Regierung Voraussetzungen für die flächendeckende Nutzung von Ökostrom schaffen. Zusammen mit den Investitionen aus der Privatwirtschaft werden nach Angaben des US-Energieministeriums in der nahen Zukunft mehr als acht Milliarden Euro in die Entwicklung schlauer Stromnetze, sogenannter Smart Grids, gesteckt.

Jetzt wird der Fonds ausgezahlt - und die US-Regierung gibt Details über die Gewinner bekannt. Hundert Smart-Grid-Projekte erhalten laut US-Energieministerium Gelder aus dem staatlichen Fonds, 25 große und 75 mittlere Konzepte bekommen Finanzspritzen zwischen 400.000 Dollar und zwei Millionen Dollar. Das Geld soll in den nächsten 60 Tagen ankommen, die Projekte werden in den kommenden 12 bis 18 Monaten umgesetzt.

Unter den Gewinnern, die die Regierung aus rund 400 Bewerbern ausgewählt hat, finden sich Energieunternehmen, Hersteller von Infrastrukturkomponenten und Kommunen in 49 amerikanischen Bundesstaaten. 200 Millionen Dollar erhält etwa der kommunale Versorger Constellation Energy's Baltimore Gas and Electric, um insgesamt 1,1 Millionen Verbraucher mit schlauen Stromzählern auszustatten.

Insgesamt finanziert der Staatsfonds den Bau und die Auslieferung von 18 Millionen intelligenten Stromzählern, mit deren Hilfe Verbraucher und Unternehmen ihren Energieverbrauch in Echtzeit ablesen können. Die flächendeckende Nutzung solcher Geräte gilt als Grundvoraussetzung für die verstärkte Einbindung von alternativen Energiequellen in die Stromversorgung. Dazu sollen mit Hilfe des Regierungsfonds 200.000 moderne Transformatoren in die Stromnetze eingebunden werden, die auf Beschädigungen der Stromnetze schneller reagieren und so die Gefahr von Blackouts deutlich senken. Präsident Barack Obama will am Dienstag weitere Details zur Umsetzung des Fonds bei einer Rede in Florida bekanntgeben.

Obama hofft auf Hunderttausende neue Jobs

Der Bau moderner Energienetze ist das wohl größte Infrastrukturprojekt aller Zeiten. Gigantische Windparks auf dem Meer und riesige Solarfelder sollen künftig weltweit den Großteil des Stroms produzieren. Verbraucher und Firmen sollen durch Mini-Kraftwerke im eigenen Keller oder durch Solarpanels auf dem Dach selbst Energie produzieren. Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke sollen miteinander kommunizieren - und immer dann waschen, trocknen oder kühlen, wenn Strom am günstigsten ist (siehe Fotostrecke links).

Das Geschäftsfeld gilt unter Experten als einer der großen Mega-Märkte der kommenden Jahrzehnte. Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2030 weltweit mit Investitionen von mehreren Billionen Dollar in Energieerzeugung, Verbrauchsmanagement und die Modernisierung der Stromnetze. Die Umwälzungen, die diese Projekte in Gang setzen, sind gewaltig: Strom- und IT-Märkte bewegen sich aufeinander zu, die Autoindustrie wird mittelfristig folgen. Eine neue Superbranche mit erweiterten Konkurrenzverhältnissen und potentiellen Partnerschaften entsteht - entsprechend haben sich Hunderte von Unternehmen für das Stimulus-Paket der US-Regierung beworben.

Obama selbst erhofft sich von den Investitionen in die schlauen Stromnetze zwei entscheidende Vorteile. Erstens sieht er darin einen Ausweg aus der amerikanischen Jobmisere. Die Arbeitslosigkeit ist in den USA stark gestiegen. Studien zufolge könnten durch den Umbau der zentralen Infrastruktur mittelfristig Hunderttausende neue Jobs entstehen (siehe auch PDF links).

Zudem lassen sich durch die Modernisierung der Uralt-Netze Milliarden an Kosten sparen. Der Energie-Informationsdienst Clean Tech Group hat berechnet, dass in den USA bis zu 40 Prozent der erzeugten Energie beim Transport verloren geht - gleichzeitig dürfte der Stromverbrauch nach Schätzungen der amerikanischen Regierung bis 2030 um 40 Prozent steigen. "Unsere aktuellen Stromnetze sind abbruchreif", sagte Carol Browner, Obamas oberste Energieberaterin, am Dienstag in einer Telefonkonferenz zu Journalisten.

Experten halten die nun gestarteten Projekte ebenfalls für dringend notwendig. "Unsere Energie-Infrastruktur ist ein gewaltiger Kabelsalat", spottete Michael Kanellos, Chefredakteur des renommierten Rechercheportals "Greentech Media", bereits im Februar im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Es ist ein Wunder, dass wir es damit überhaupt ins Industriezeitalter geschafft haben."

140 Millionen Euro Fördermittel für Smart Grids in Deutschland

Nicht nur in Amerika ist der Boom der schlauen Stromnetze groß. Auch in Ländern wie China wird intensiv an den technischen Bausteinen dafür gearbeitet. Und in Deutschland gehen derzeit unter dem Label E-Energy zahlreiche staatliche geförderte Zukunftsprojekte zum Thema Smart Grid in die heiße Phase. Tausende Haushalte und Hunderte Unternehmen werden bis 2011 in Feldversuche eingebunden.

Für die Entwicklung der Technologie und die Tests haben Wirtschafts- und Umweltministerium gemeinsam mit IT-Konzernen wie Siemens Chart zeigen, SAP Chart zeigen oder IBM Chart zeigen und Stromriesen wie EnBW Chart zeigen, RWE Chart zeigen oder Vattenfall rund 140 Millionen Euro mobilisiert. 60 Millionen stellt der Staat zur Verfügung; den Rest bringen die großen Industriepartner zusammen mit Stadtwerken und kleineren, innovativen Technologiepartnern auf.

Forum - Verlieren die Energieriesen die Kontrolle?
insgesamt 458 Beiträge
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Seite 1
querdenker13 30.09.2009
1. Die werden nicht weniger verdienen!!!
Zitat von sysopEE-Autos, intelligente Waschmaschinen, Kleinkraftwerke im Keller: Deutschland steht vor einer Energierevolution. Die Kräfteverhältnisse zwischen Verbrauchern und Versorgern verschieben sich dabei grundlegend. verlieren die Konzerne die Kontrolle? Oder werden sie ihre Macht zementieren?
Die großem 4 werden immer Mittel und Wege finden der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Rainer Daeschler, 30.09.2009
2.
Zitat von sysopEE-Autos, intelligente Waschmaschinen, Kleinkraftwerke im Keller: Deutschland steht vor einer Energierevolution. Die Kräfteverhältnisse zwischen Verbrauchern und Versorgern verschieben sich dabei grundlegend. verlieren die Konzerne die Kontrolle? Oder werden sie ihre Macht zementieren?
So lange sie Mittel und Wege finden politische Entscheidungsträger zu verwöhnen, wird ihnen die Kontrolle nicht entgleiten. Man muss sie nur in Beiräten einbinden und kann sie so mit verhältnismäßig geringen Beträgen, wie 3100,- € im Jahr, gewogen halten. Erwartet man mehr von den Begünstigten, offeriert man Aufsichtsratssitze in Töchtern, das ist nicht so auffällig wie bei der Konzernmutter selber, oder auch berufliche Perspektiven.
Hartmut Dresia, 01.10.2009
3.
Zitat von querdenker13Die großem 4 werden immer Mittel und Wege finden der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Grundsätzlich gehören Energieversorgungsunternehmen in öffentliche Hände. Hier sind die Kommunen besonders gefordert, da zum Beispiel über Gewinne der Energieversorger der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden kann. Gerdae jetzt, da dem Arbeitsmarkt das Wasser bis zum Hals steht (http://www.plantor.de/2009/dem-arbeitsmarkt-steht-das-wasser-bis-zum-hals/), wären EVU in öffentlicher Hand auch sehr geeignet, um wirkungsvolle arbeitsmarktpolitische Impulse zu unterstützen.
AndyH 01.10.2009
4.
Zitat von Hartmut DresiaGrundsätzlich gehören Energieversorgungsunternehmen in öffentliche Hände. Hier sind die Kommunen besonders gefordert, da zum Beispiel über Gewinne der Energieversorger der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden kann. Gerdae jetzt, da dem Arbeitsmarkt das Wasser bis zum Hals steht (http://www.plantor.de/2009/dem-arbeitsmarkt-steht-das-wasser-bis-zum-hals/), wären EVU in öffentlicher Hand auch sehr geeignet, um wirkungsvolle arbeitsmarktpolitische Impulse zu unterstützen.
Das hatten wir schon. Soll man zurückverstatlichen?
Rainer Daeschler, 01.10.2009
5.
Zitat von AndyHDas hatten wir schon. Soll man zurückverstatlichen?
Dafür spricht einiges, doch in der Praxis nicht in allen Fällen machbar. Schließlich wurden auch ausländische Staastunternehmen eingeladen, sich in Deutschland dumm und dämlich zu verdienen. Frankreich mit 45,01% an der EnBW Schweden mit 100% an Vattenfall Das gibt einen internationalen Scherbenhaufen, wenn man versucht ihnen diese Pfründe wieder zu entreißen.
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