Milliarden-Tauschaktion Commerzbank stärkt hartes Kernkapital

Die Commerzbank erhöht ihr hartes Kernkapital und vergrätzt die Anleger. Der Tausch von nachrangigen Anleihen in Aktien brachte dem Geldhaus 776 Millionen Euro ein, verwässerte aber die Anteile bisheriger Aktionäre.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Auflagen der europäischen Bankenaufsicht
DPA

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Auflagen der europäischen Bankenaufsicht


Frankfurt - Die Commerzbank hat ihr Kapital zum Nachteil der Aktionäre gestärkt. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus erhöhte sein Grundkapital durch den Aufkauf eigener, komplexer Finanzinstrumente um 776 Millionen Euro. Dies entspreche einem Zuwachs von rund sieben Prozent. Das Konzernergebnis im ersten Halbjahr werde sich dadurch um voraussichtlich 87 Millionen Euro verbessern, bis Ende 2017 um insgesamt 484 Millionen Euro.

Die Commerzbank hatte das Geschäft bei der Vorstellung ihrer Geschäftszahlen für das Jahr 2011 angekündigt. Demnach kaufte das Institut die Finanzinstrumente über verschiedene Investoren auf. Es ist das dritte Geschäft der Commerzbank dieser Art innerhalb eines Jahres. Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte dem Institut auferlegt, sein Kapital bis zum 30. Juni um 5,3 Milliarden Euro aufzustocken. Mit dem neuen Geschäft ist dieser Kapitalbedarf nahezu gedeckt.

Die Commerzbank war in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise massiv in Bedrängnis geraten. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin übernahm daraufhin 25 Prozent plus eine Aktie. Dieser staatliche Anteil bleibe trotz des Finanzgeschäfts aufrechterhalten, teilte die Commerzbank mit.

Aktie rutscht ab

Investoren reagierten enttäuscht. Die Commerzbank-Aktie Chart zeigen zählte am Montag zu den größten Verlierern im Dax, mit einem Minus von zeitweise mehr als vier Prozent. Das Investoren-Interesse an dieser Aktie beschrieben Händler als "mäßig": Immerhin hatte das von der Commerzbank offerierte Ankaufsvolumen bei 3,16 Milliarden Euro gelegen.

"Es ist ja nicht die erste Kapitalmaßnahme der Commerzbank, von daher ist ein geringer werdendes Interesse von Investorenseite durchaus nachvollziehbar", sagte ein Analyst. "Der Preis von 1,91 Euro je Aktie ist nicht sonderlich attraktiv, das gibt ja fast keine Prämie zum Börsenkurs, und auch von der Dividendenrendite her lohnt sich das nicht. Man muss ja auch den Verwässerungseffekt bedenken", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Grundsätzlich sei das Rückkaufprogramm dennoch als Erfolg zu werten, schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler. Der Kapitalbedarf der Commerzbank sollte nun gedeckt werden können, und eine Zustimmung der EBA zu den Kapitalplänen der Commerzbank sei absehbar.

cte/AFP/Reuters



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