Milliardenauftrag Südkorea baut Atomkraftwerk in der Wüste

Südkorea gewinnt einen Megaauftrag in der Golfregion: Ein Konsortium um die Korea Electric Power Corporation baut den Vereinigten Arabischen Emiraten für 20 Milliarden Dollar ihr erstes Atomkraftwerk. Die Asiaten stechen mit ihrem Angebot den US-Riesen General Electric aus.


Fotostrecke

3  Bilder
Milliardenauftrag: Südkorea baut Wüsten-AKW
Abu Dhabi - Ein südkoreanisches Konsortium wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Atomkraftwerk bauen. Dies wurde am Sonntag beim Besuch des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak in den Emiraten vereinbart, berichtete die amtliche emiratische Nachrichtenagentur WAM.

Die Vereinigten Arabischen Emirate betrauen demnach ein von der Korea Electric Power Corporation (KEPCO) angeführtes Konsortium mit dem Bau von vier Reaktoren, die jeweils eine Leistung von 1400 Megawatt haben. Wert des Auftrages: 20 Milliarden Dollar. Die Südkoreaner haben zudem gute Chancen auf Anschlussaufträge im Wert von weiteren 20 Milliarden Dollar.

Das asiatische Konsortium hat sich damit bei einer der größten Energieausschreibungen in der Geschichte der Golfregion durchgesetzt. KEPCO stach bei der Bewerbung unter anderem den amerikanische Konzern General Electric und den französischen Nuklear-Riesen Areva aus. "Dieses Geschäft ist das größte Mega-Projekt in der koreanischen Geschichte", teilte das Büro des südkoreanischen Staatspräsidenten Lee Myung-bak am Sonntag mit.

Der Auftrag wurde von der erst kürzlich gegründeten staatlichen Emirates Nuclear Energy Corporation (ENEC) erteilt. Die Entscheidung für den südkoreanischen Anbieter begründete ENEC-Generaldirektor Chaldun al-Mubarak mit den Worten: "Wir waren von der erstklassigen Sicherheitsphilosophie beeindruckt."

Südkoreas Angebot soll deutlich günstiger gewesen sein

Insidern zufolge gibt es allerdings noch einen anderen Grund dafür, dass das asiatische Konsortium sich mit seinem Projekt durchsetzte: In Industriekreisen wird kolportiert, das südkoreanische Angebot sei rund 16 Milliarden Dollar billiger gewesen als das der französischen Konkurrenz.

Der erste Reaktor soll 2017 ans Netz gehen, weitere sollen bis 2020 folgen. Der Golfstaat begründet seine Hinwendung zur Atomenergie mit dem steigenden Elektrizitätsbedarf, der durch Gas und Öl nicht mehr zu decken sei. Die Emirate erwarten, dass sich ihr Energiebedarf bis 2020 mehr als verdoppeln wird. Er wird Schätzungen zufolge von derzeit etwa 15.000 Megawatt pro Jahr bis 2020 auf etwa 40.000 steigen. Die Emirate sind der drittgrößte Ölexporteur der Welt, importieren aber schon jetzt Erdgas, mit dem sie Stromkraftwerke betreiben.

Fotostrecke

9  Bilder
Baustellen in Dubai: Bedrohte Architekturvisionen
Die Finanzierung des gewaltigen Kernkraftprojekts halten Experten für realistisch. Die Investition sei etwa durch Staatsanleihen zu stemmen. Die Probleme im hoch verschuldeten Emirat Dubai (siehe Fotostrecke oben) gefährdeten den Deal nicht. "Der Dubai-Sturm wird sich bis dahin gelegt haben", sagt etwa der Chefvolkswirt der Banque Saudi Fransi-Credit Agricole, John Sfakianakis. Das Emirat hat insgesamt Schulden in Höhe von 80 Milliarden Dollar angehäuft - bekommt aber von benachbarten Wüstenreichen Notkredite gewährt.

Das für den Kraftwerksbetrieb nötige angereicherte Uran wollen die Emirate auf dem internationalen Markt erwerben. Ein entsprechendes Abkommen mit den USA haben sie bereits im Mai getroffen. Ein Missbrauch des Spaltmaterials für die Produktion von Atomwaffen soll durch das Abkommen ausgeschlossen werden.

ssu/APD/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.