Milliardendeal Russland pumpt erstmals Öl nach China

Die neue Energiepartnerschaft von China und Russland wird konkret: Der größte Ölproduzent der Welt beliefert die Volksrepublik nun erstmals per Pipeline. Für beide Länder hat das Milliardengeschäft enorme strategische Bedeutung.

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Peking - China und Russland bauen ihre wirtschaftlichen Beziehungen aus: Die Russen pumpen erstmals offiziell Öl über eine neue Pipeline in die Volksrepublik. Der größte Ölproduzent und der größte Energieverbraucher der Welt konkretisieren damit ihre Partnerschaft im Energiebereich. Russland liefert in den kommenden 20 Jahren jährlich 15 Millionen Tonnen Öl - und bekommt dafür chinesische Anleihen im Wert von 25 Milliarden Dollar.

Den Startschuss gab der Geschäftsführer der Pipeline, Yao Wei, in der chinesischen Grenzstadt Mohe. Die erste Pipeline zwischen Russland und China sei der "Beginn einer neuen Phase" in der Zusammenarbeit und werde die Energieversorgung der zweitgrößten Wirtschaftsnation verbessern, sagte Yao Wei nach Angaben der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Pipeline-Deal wurde im Sommer 2010 besiegelt und ist für beide Seiten von hoher strategischer Bedeutung: Russland will mit der neuen Pipeline seine Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern - und sich neue Absatzmöglichkeiten auf den rasant wachsenden asiatischen Märkten erschließen. Die Höhe der Lieferungen könnte in den kommenden Jahren noch wesentlich steigen. Denn die Pipeline biete die Möglichkeit, die doppelte Menge zu transportieren, sagen die Russen - wenn sie denn mit voller Kapazität liefe.

Moskau sendet mit dem China-Deal ein Signal an Europa, wo es politischen Widerstand gegen die Energielieferungen aus Russland gibt. Wir können auch anders, lautet die Botschaft.

Auch ein Gasabkommen steht kurz bevor

Für China ist die Pipeline ein wichtiger Teil der Strategie, die Ölversorgung für seine rasant wachsende Wirtschaft zu sichern und neue Lieferwege zu erschließen. Kooperationspartner sind PetroChina, Chinas größter Öl- und Gasproduzent, sowie der größte russische Ölkonzern Rosneft und der russische Pipeline-Betreiber Transneft.

Die Röhre "Branch of PetroChina" führt über 2400 Kilometer vom Gebiet Irkutsk am Baikalsee nach Daqing. Sie ist Teil der 4700 Kilometer langen russischen Pipeline zum Pazifik und soll bis 2014 fertiggestellt werden.

Zuvor lieferte Russland sein Erdöl an China mit der Eisenbahn. Die Pipeline ist wesentlich effizienter und günstiger. Bislang wurden per Bahn jährlich neun Millionen Tonnen Öl geliefert - der neue Deal sieht also etwa das 1,5-Fache vor.

Bei dem Abkommen im September verabredeten die beiden Staaten auch, die russischen Gaslieferungen auszubauen. Das entsprechende Abkommen soll Mitte des Jahres unterschrieben werden, Gazprom muss sich offenbar nur noch mit den Chinesen auf den Preis einigen.

Die Preisverhandlungen dauern allerdings schon sechs Jahre. Im Gegensatz zu Europa lässt sich China von Gazprom nicht die Preise diktieren. Während Europa 300 Dollar je 1000 Kubikmeter zahlt, boten die Chinesen zuletzt laut der russischen Zeitung "Kommersant" nur 150 Dollar.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die jährliche Menge an Öl verdreifache sich. Tatsächlich steigt sie aber nur von 9 auf 15 Millionen Tonnen pro Jahr. Nur wenn China die maximal mögliche Menge der Pipeline ordere, wäre dies eine Verdreifachung. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

cte/dpa

insgesamt 106 Beiträge
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Seifen 01.01.2011
1. Europa hängt sich immer weiter ab!
Der europäische Wirtschaftsraum verliert in der Weltwirtschaft immer weiter an Bedeutung. VW lässt jetzt schon Autos in China entwickeln. Die Meyerwerft lässt ihre Kreuzfahrtschiffe in Asien planen. Nur unsere Politiker tun immer noch so, als seien wir eine Weltmacht. Ein Exportweltmeister ist noch lange keine wirtschaftliche Macht auf dem Globus, die das Wohlergehen der Bevölkerung sichert.
mitbestimmender wähler 01.01.2011
2. Russland, Afrika und Australien wird uns Amerikadiener Wirtschaftlich zurückstufen
Aufgrund den Bedürfnisse Chinas Bevölkerung und Industrie Einer verkaufts, einer brauchts mehr nicht. Mit dem können Russland, Afrika und Australien mit ihren Völkern besser leben. Da ja im Orient die Kolonialmacht Amerika alle Ölvorkommen und Wirtschaftsstrassen kontrollieren will, von ihnen unterdrückte Völker im nachhinein Monopolistisch mit US Produkten überschwemmt. Bleibt ja nur der Nachbar im Norden übrig.
glad07 01.01.2011
3. War zu erwarten
Zitat von sysopDie neue Energiepartnerschaft von China und Russland wird konkret: Der größte Ölproduzent der Welt beliefert die Volksrepublik ab sofort mit dreimal so viel Öl wie bisher. Für beide Länder hat das Milliardengeschäft enorme strategische Bedeutung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,737328,00.html
War zu erwarten, der Westen macht ja alles dafür damit Russland sich einen anderen Handelspartner sucht... Immer wieder Russland bashing, auch heute "Silvesterfeier von Festnahmen überschattet", vorgestern: "Gazprom ist das größte Unternehmen Russlands - doch der deutsche Markt bleibt dem Energieriesen weitgehend verschlossen." etc...
stanis laus 01.01.2011
4. Partnerschaft
Das ist die Partnerschaft, vor der sich der Westen fürchten müsste. Stattdessen wird die russische Führung von US-Pudelmeuten-Politik und westlichen Medien angegeifert, weil die die Verbrechern der Ölschieber der Jelzin-Ära pflichtgemäß verfolgt und von der Justiz behandeln lässt. Die USA kann in Zukunft ihre Kanonenboot-Politik zur Sicherung der Rohstoffnachschubwege nicht mehr durchführen, da die durch die neuen Waffenentwicklungen obsolet geworden ist. "Der Westen" wird demnächst um Rohstofffe betteln gehen müssen. Die Zeit westlicher Arroganz ist vorbei!
Revisionist 01.01.2011
5. Prima
Merkels erste Erfolgsmeldung! Kontinuierlich gegen China UND Russland stänkern bringt erste Erfolge. Vielleicht schicken uns die Amis ein paar Tonnen Öl über den Teich, zu ihren Sonderkonditionen natürlich. Ansonsten hat sie ja unsere AKW-Laufzeiten verlängert - wenn das nicht nachhaltige Energiepolitik ist ...
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