Milliardeninvestitionen Deutsche Autobauer schwelgen im China-Rausch

Günstige Produktion, Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent - für deutsche Autobauer wird der China-Boom zur Goldgrube. Jetzt starten die Konzerne eine neue Offensive: Porsche will seinen Geländewagen Cajun womöglich in der Volksrepublik produzieren, Daimler investiert Milliarden in den Zukunftsmarkt.

Autoshow in Peking: Rekordabsätze im Reich der Mitte
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Autoshow in Peking: Rekordabsätze im Reich der Mitte


Stuttgart/Shanghai - Der Boom ist gewaltig, ebenso die Investitionen. Neben den USA wird für deutsche Autobauer vor allem ein Absatzmarkt strategisch immer relevanter: China. Nach Angaben des Branchenverbands CAAM wurden in China 2010 18,1 Millionen Fahrzeuge verkauft, 32,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Entsprechend setzen Konzerne wie Porsche Chart zeigen und Daimler Chart zeigen zur großen China-Offensive an.

Porsche erwägt, mehr Fahrzeuge in dem Land zu produzieren. "Wir werden noch in diesem Jahr darüber reden, ob wir in Asien oder Nordamerika eine Montage beginnen", sagte Unternehmenschef Matthias Müller dem Magazin "Focus". Der geplante kleine Geländewagen Cajun könnte in China am selben Standort gebaut werden wie der technisch ähnliche Audi Q5.

Müller erwartet durch die Auslandsproduktion keinen Imageverlust. "Hauptsache, es steht 'Engineered by Porsche' darauf", sagte der Manager. Porsche produziert seine Sport- und Geländewagen bisher in Stuttgart und Leipzig, durch die Integration in den VW-Konzern ergeben sich jedoch neue Möglichkeiten.

Auch für Daimler wird China immer wichtiger. Der Autokonzern rechnet in diesem Jahr mit einem starken Wachstum in diesem Markt. Das China-Engagement zahlt sich für Daimler immer mehr aus. Seit 25 Jahren ist der Konzern in China tätig, 2010 war bisher das erfolgreichste Jahr. Der Konzern konnte seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln, auf 147.670 verkaufte Fahrzeuge.

Daimler investiert Milliarden in China

Obwohl die chinesische Regierung das in der globalen Finanzkrise aufgelegte milliardenschwere Konjunkturprogramm ausklingen lässt und die überhitzte Wirtschaft abkühlen muss, rechnen die Stuttgarter in diesem Jahr mit einem unverändert kräftigen, zweistelligen Wachstum. So böten die noch vergleichsweise unterentwickelten Regionen im chinesischen Westen ein Riesenpotential, sagte Daimler-Vorstand Ulrich Walker.

Zudem wachse der Markt für Luxusfahrzeuge stärker als der übrige Automobilmarkt. Vor wenigen Jahren noch hätten die chinesischen Verbraucher Mercedes nahezu ausschließlich mit der luxuriösen S-Klasse identifiziert. Inzwischen würden verstärkt auch jüngere Kunden angelockt, sagte Klaus Maier, China-Chef von Mercedes-Benz. Allein im Oktober 2010 habe man 1000 Smarts in China verkauft.

Bis 2015 will Mercedes 300.000 Fahrzeuge in China absetzen, 200.000 davon sollen in der Volksrepublik gefertigt werden. Dafür investiert der Konzern in den nächsten drei Jahren drei Milliarden Euro in China. Erstmals in der Firmengeschichte baut Mercedes Motoren außerhalb von Deutschland. Das sichere auch Arbeitsplätze im Stammland, sagte Walker. Die in China montierten Fahrzeuge bestünden allerdings noch immer zu 50 Prozent aus Teilen "made in Germany".

Auch die Entwicklung eines Elektrofahrzeugs sei im Zeitplan, betonten die Manager. Dafür hat Mercedes ein Joint Venture mit dem Batterie- und Fahrzeugfabrikanten Build Your Dreams gegründet. Im August haben deutsche und chinesische Ingenieure im südchinesischen Shenzhen mit der Produktion begonnen.

2013 soll das erste gemeinsam gebaute Elektroauto auf den chinesischen Markt kommen. Chinas Regierung strebt an, dass bis 2015 fünf Prozent aller Autos auf chinesischen Straßen mit grüner Technologie fahren sollen.

ssu/dpa



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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
zulthak 16.01.2011
1. .
Ich glaube wenn Porsche nicht zu VW gehören würde, wäre die Option "Produktion in China" vom Tisch bevor sie auch nur ein Manager gedacht hat.
baschy 16.01.2011
2. Globalisierung juchheee....
Und wenn der Absatzmarkt wieder einbricht, weil Know-How gestohlen, die Menschenrechte verletzt (ach verzeihung, die existierung in der Kalkulation ja gar nicht), oder Montage-/ Produktionswerke enteignet werden, dann schreinen alle wieder wie ungerecht es auf der Welt zugeht. Dann steht der deutsche Steuerzahler wieder an vorderster Front mit seinem Sparschwein und holt die Flitzpiepen aus dem Dreck. So oder so ähnlich schaut zeichnet sie stets auf´s neue das Bild ab.
Jay's, 16.01.2011
3. in China hergestellt
Zitat von sysopGünstige Produktion, Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent - für deutsche Autobauer wird der China-Boom zur Goldgrube. Jetzt starten die Konzerne eine neue Offensive: Porsche will seinen Geländewagen Cajun womöglich in der Volksrepublik produzieren, Daimler investiert*Milliarden in den Zukunftsmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739778,00.html
Die Investitionen gehen nach China. Der Deutsche profitiert davon nicht bis auf die Aktienbesitzer. Ist auch billiger zu produzieren als in Deutschland.
Tiuri 16.01.2011
4. ...
Alles im joint venture und mit Technologietransfer, natürlich. Aber welcher BWLer kann schon den Wert der eigenen Forschung und der eigenen Technologie einschätzen. Wenn das so weiter geht, gebe ich den deutschen Autobauern noch 10-15 Jahre, bevor sie aus Überteuerung zumachen müssen.
founder 16.01.2011
5. Gut für deutsche Aktionäre schlecht für deutsche Arbeiter
Zitat von sysopGünstige Produktion, Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent - für deutsche Autobauer wird der China-Boom zur Goldgrube. Jetzt starten die Konzerne eine neue Offensive: Porsche will seinen Geländewagen Cajun womöglich in der Volksrepublik produzieren, Daimler investiert*Milliarden in den Zukunftsmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739778,00.html
Einst hat man die Textilindustrie ausgelagert. Zu arbeitsintensiv für die hohen Lohnkosten in Deutschland. Es sind die dümmsten Arbeitspätze. Im März 2010 war man entsetzt, Mercedes und BYD Kooperation, Forschungszentrum für elektrische Mobilität in China. Zu wenig Fachwissenschaftler in Deutschland. Es sind die intelligentesten Arbeitsplätze. Sarrazin titelt falsch "Deutschland schafft sich ab" Falsche Zeitform, "schaffte sich ab" "hat sich abgeschafft", wäre korrekt. Es wird Zeit unsere Fehler zu erkennen, wie es dazu kam, daß Deutschland selbst den Morgenthauplan verwirklicht. Wir brauchen tiefgreifende Reformen um da wieder heraus zu kommen (http://politik.pege.org/2010-china/key-note.htm) Ratet mal wie oft ich schon von deutschen Parteien oder Wirtschaftsverbänden eingeladen wurde diesen Vortrag zu halten? Zu den Vortrag wurde ich bisher nur von der chinesischen Regierung eingeladen.
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