Milliardeninvestor Katar: Macht und Moneten

Von Nils Metzger

Sie arbeitet im Verborgenen - und ist mächtiger als manche Regierung: die Investitionsbehörde von Katar. Der arabische Megafonds ist der Stolz des Emirats, mit seinen Milliarden stützt er ganze Volkswirtschaften. Auch in Europa sind die Staatsmanager aktiv, doch das ganz große Geld fließt andernorts.

Skyline von Doha: Oberste Maxime der Kataris ist die Vermeidung großer Risiken Zur Großansicht
REUTERS

Skyline von Doha: Oberste Maxime der Kataris ist die Vermeidung großer Risiken

Katar könnte als Planspielszenario für VWL-Studenten herhalten: Man nehme einen weltpolitisch unbedeutenden Staat in einem industriell weitgehend unerschlossenen Teil der Welt. Man gebe ihm 100 Milliarden Dollar und formuliere das Ziel, "zur führenden Volkswirtschaft der Region zu werden".

Seit der Gründung der Qatar Investment Authority (QIA) 2005 treibt der Golfstaat Katar die globale Verteilung seiner Devisen rasant voran. Ihr Gründer und Vorsitzender Scheich Hamad bin Jassim Al Thani - inzwischen auch auf den Posten des Premierministers aufgerückt - ist der wichtigste Ökonom des Staates. Über das weit verzweigte Familiennetz der Al Thani - zahlreiche Verwandte verwalten die Subfonds der QIA - kontrolliert Scheich Hamad bin Jassim die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft, die noch immer rund 85 Prozent des Exportgeschäfts und 70 Prozent des Staatshaushalts ausmachen.

Über diverse Fonds und Tochtergesellschaften kauft sich das Emirat bei Unternehmen weltweit ein. Die QIA vertraut dabei etablierten Größen am Markt und fiel bislang - im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, deren Burdsch Khalifa und "The Palm"-Inselwelt bereits weltbekannt sind - nicht durch das Scheitern hochspekulativer Prestigeprojekte auf.

Katar als Trikotsponsor beim FC Barcelona

Maxime der Kataris ist die Vermeidung großer Risiken, und so weckten Namen wie die Schweizer Bank Credit Suisse Chart zeigen und die deutschen Autobauer Porsche und Volkswagen Chart zeigen Begehrlichkeiten der Brennstoff-Milliardäre. Als die QIA Ende 2010 den von einer feindlichen Übernahme bedrohten Baukonzern Hochtief Chart zeigen stützte, trat sie erstmals in die deutsche Medienöffentlichkeit. Indem die Qatar Holding - eine 100-prozentige Tochter der QIA - nicht als ausländische Heuschrecke, sondern als "weißer Ritter" auf deutschen Wunsch hin einem Hochtief-Einstieg in Höhe von 9,1 Prozent zustimmte, wurde die Beteiligung in der deutschen Öffentlichkeit positiv aufgenommen.

Wie essenziell das öffentliche Image sein kann, musste der Dubaier Hafenbetreiber DP World 2006 schmerzhaft lernen, als sein Versuch, mehrere US-amerikanische Häfen zu übernehmen, am Widerstand der Bush-Regierung scheiterte: Monatelang hatten Kommentatoren in den Medien gefordert, derlei neuralgische Punkte für das Wohlergehen Amerikas nicht in arabische Hände zu legen.

Der spanische Baukonzern ACS könnte dennoch die Übernahmeschlacht gewinnen - Katar machte bislang keine Andeutungen, seinen Anteil an Hochtief von 9,1 auf über 25 Prozent aufzustocken, um die Sperrminorität zu erreichen und den Spaniern das Geschäft zu vermasseln. Auf einem anderen Terrain allerdings wird ACS-Vorstandschef Florentino Perez in den nächsten Monaten des Öfteren unangenehme Begegnungen mit den Kataris haben: Perez ist Präsident des derzeit zweitplatzierten Fußballclubs Real Madrid, Katar stieg im Dezember als Trikotsponsor beim Tabellenführer FC Barcelona ein - 170 Millionen Euro wird die von der QIA unabhängige, aber mit ihr eng abgestimmt agierende Qatar Foundation dafür bezahlen.

Fünf Milliarden Euro für Griechenland

Zudem wurde am 14. März bekannt, dass die Qatar Holding 2,2 Milliarden Euro in den spanischen Energiekonzern Iberdrola Chart zeigen investieren will. Verlierer des Deals wäre Iberdrola-Großaktionär ACS, dessen Prozente am Unternehmen durch die neu ausgegebenen Anteile sinken würden. Der Stromlieferant hat angekündigt, mit katarischer Hilfe sein Lateinamerika-Geschäft in Fahrt zu bringen. Im Oktober 2010 war Katar mit 2,7 Milliarden Dollar bei Banco Santander Brasil eingestiegen.

Es scheint, als übermittle das Emirat eine subtile Botschaft in seinen Investitionen. Fünf Milliarden für die gebeutelte griechische Wirtschaft signalisieren: Katar ist ein zuverlässiger Freund der Europäer, auch, oder vor allem, wenn es dem Euro an den Kragen geht.

Und auch im Entertainment wollen die Kataris zeigen, dass sie nicht so verklemmt sind, wie manchmal behauptet wird, und dass sie gerne Filme von Quentin Tarantino und den Coen-Brüdern schauen. Im Dezember 2010 kaufte ein Subfonds der QIA gemeinsam mit den Weinstein-Brüdern die Filmproduktionsfirma Miramax für umgerechnet rund 500 Millionen Euro - der Disney-Konzern, dem Miramax bis dahin gehört hatte, wollte die Studios schon schließen. Auch Katie Holmes, die im aktuellen Horror-Remake "Don't be afraid of the dark" aus dem Hause Miramax auftritt, spielt also nun für die Kataris.

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1. Katar? - Fußball-WM 2022 ... DOHA ... Al Jazeera
hoppla_h 20.03.2011
Zitat von sysopSie arbeitet im Verborgenen - und*ist*mächtiger als manche Regierung: die Investitionsbehörde*von Katar. ... http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,751487,00.html auf Seite 2: Und sollte am Masterplan der QIA bis 2022 etwas schief gehen, hat das Emirat ja noch immer al-Dschasira in der Hinterhand: Die Medienmacht in Doha macht auch außerhalb der arabischen Welt Marktanteile gut - mit ihrem englischen Dienst. Das Prinzip der Berichterstattung ist das Gleiche: frei und kritisch - mit Ausnahme der Themen, die Katar betreffen. Ob diese interne Regel auch für Projekte der QIA gilt, ist noch nicht bekannt. Fest steht: An der Qatar Media Corporation, die al-Dschasira betreibt, ist die Fondsgesellschaft nicht beteiligt.
Die Wüsten-WM in Katar ist Irrsinn! - Aber 'irgendwie' muss der Fond ja die Ölmilliarden anlegen. UND: Al Jazeera ist momentan der beste Newssender der Welt.
2. Milliardeninvestor Katar: Macht und Moneten
ein_deutscher 20.03.2011
Macht endlich Schluss mit unseren doppelmoralischen pseudodemokratischen Regierungen. Wird ein Regime zum Wasserträger des Westes, dann darf es ruhig seine Landsleute abmurksen. Reisst ein Wüstennero seinen Mund zuweit auf, dann wird er schnell kaltgestellt. Unter dem Vorwand humanitärer Einsätze werden der Welt die neuesten Waffensysteme vorgeführt. Sollte es einem Diktator gelingen sich Nukes zu besorgen, oder über genügend Reichtum zu verfügen, dann wird sein Land ähnlich wie Pakistan oder Katar in die internationale Waffenbrüderschaft aufgenommen Die westlichen Regierungen verhalten sich immer öfter wie ein Millitärregime, das Volk hat nichts mehr zu sagen.
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