Milliardenschwerer Kraftwerksbau: Seeschlacht um den Schwarzwaldspeicher

Von Ralph Diermann

Es ist ein gigantisches Vorhaben: Im Schwarzwald soll das größte Pumpspeicher-Kraftwerk Deutschlands entstehen. Der Investor feiert die künstlichen Seen als milliardenschweres Ökoprojekt. Doch es regt sich Widerstand, Bürger wittern eine versteckte Atomkraftförderung.

Erneuerbare Energien: Das Milliardenprojekt im Schwarzwald Fotos
Schluchseewerk AG

Freiburg - Für die Torwartlegende Toni Schumacher ist er nur der "Schlucksee". Hier, am idyllischen Schluchsee östlich von Freiburg, bereitete sich das deutsche Nationalteam 1982 auf die Weltmeisterschaft in Spanien vor. Dabei floss der Whisky angeblich in Strömen.

Für die Energiebranche ist der Schluchsee dagegen vor allem ein gigantischer Stromspeicher: Das künstliche Gewässer ist Teil einer Kette von Stauseen, die über riesige Rohre miteinander verbunden sind. Da sie auf unterschiedlichen Höhen liegen, können die Betreiber der Anlage nach Belieben Wasser durch die Turbinen schießen lassen und so Strom erzeugen.

Das machen die Unternehmen immer dann, wenn der Stromverbrauch gerade sehr hoch ist, und sie zusätzliche Kapazitäten brauchen. Ist der Energiebedarf gerade gering, pumpen sie das Wasser in die höher gelegenen Seen zurück. Ein lohnendes Geschäft: Überschüssiger Strom lässt sich beliebig lange für den Eigenbedarf speichern oder teuer verkaufen. Zugleich stabilisiert der Speicher die Stromnetze, da Schwankungen zwischen Energieangebot und -nachfrage ausgeglichen werden.

20 Pumpspeicher-Kraftwerke wie im Schwarzwald gibt es in Deutschland. Fast alle sind im Besitz der vier großen privaten Energieversorger: RWE Chart zeigen, E.on Chart zeigen, Vattenfall Chart zeigen und EnBW Chart zeigen. Die Konzerne verdienen viel Geld mit den Anlagen, die zum Teil schon seit Jahrzehnten abgeschrieben sind.

Doch nun soll der Klimaschutz Vorrang vor dem Profitgedanken bekommen. Denn je mehr Wind- und Solarenergie erzeugt wird, desto schwieriger ist es, die Erzeugung und den Verbrauch in Balance zu bringen. "Wind- und Solaranlagen richten sich nicht danach, wann Strom genutzt wird, sondern wann der Wind weht oder die Sonne scheint", sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur. Seine Schlussfolgerung: "Deutschland braucht Energiespeicher." Dabei seien Pumpspeicherwerke auf absehbare Zeit die flexibelste, effizienteste und wirtschaftlichste Lösung.

Allerdings haben die Anlagen einen großen Nachteil: Sie benötigen viel Platz, einen Wasserzulauf und ein Gefälle zwischen den Becken. In der dicht besiedelten Bundesrepublik ist es deshalb nahezu unmöglich, Standorte für neue Kraftwerke dieser Art zu finden.

Tief im Berg arbeiten die Turbinen

Der Hotzenwald im Südschwarzwald, eine dicht bewachsene Berglandschaft mit steilen Flanken Richtung Rhein, ist ein solcher Standort. Zumindest in den Augen der Schluchseewerk AG, die hier bis 2018 Deutschlands größtes Pumpspeicherwerk bauen will.

Die Pläne sind gigantisch: Das Wasser soll aus einem 40 Hektar großen Becken senkrecht durch einen 600-Meter-Schacht im Hang stürzen, an dessen Grund mehrere Turbinen tief im Berg Strom erzeugen. Über einen acht Kilometer langen Stollen würde das Wasser dann in den unteren, 60 Hektar großen See ablaufen. Insgesamt eine Milliarde Euro will das Unternehmen in die 1400-Megawatt-Anlage investieren. Sind die Wasserspeicher gefüllt, reicht die erzeugbare Leistung aus, um 1,5 Millionen Haushalte 13 Stunden mit Strom zu versorgen.

Doch zwischen Basel und Waldshut gibt es Protest gegen das Großprojekt. Den lokalen Widerstand bündelt eine Bürgerinitiative, die bereits 450 Mitglieder zählt. Die Gegner, darunter der mächtige Schwarzwaldverein, fürchten um das Landschaftsbild und die Trinkwasserqualität. Auch die Heilquellen im nahen Bad Säckingen sehen sie bedroht. Touristen könnten ausbleiben, wenn das Pumpspeicherwerk kommt, so die Befürchtung.

"Das ist ein massiver Eingriff in die Natur. Wir haben hier 44 Arten, die auf der Roten Liste bedrohter Tiere und Pflanzen stehen, und die durch den Bau gefährdet sind", sagt Jürgen Pritzel von der Bürgerinitiative. Andreas Schmidt, Projektleiter bei der Schluchseewerk AG sieht darin jedoch ein notwendiges Übel für mehr Klimaschutz: "Der Boom bei erneuerbaren Energien verlangt neben dem Netzausbau einen raschen Ausbau von Stromspeichern. Pumpspeicherwerke sind mittelfristig die einzige großtechnische Speichermöglichkeit für Strom."

"Die Energiekonzerne verramschen überflüssigen Strom"

Die Gegner des Projektes glauben diesem Argument nicht: "Das Pumpspeicherwerk läge tausend Kilometer von der Küste entfernt, wo die großen Windenergieanlagen entstehen. Da ist es mehr als logisch, dass es hier nicht um die Speicherung von Windenergie geht, sondern um Kernenergie. Wir haben in Baden-Württemberg ja einige Atomkraftwerke", sagt Pritzel.

In seinen Augen wollen die Eigentümer des Schluchseewerks, das zu 50 Prozent RWE und zu 37,5 Prozent EnBW gehört, die Anlage vor allem bauen, um ihre Kern- und Kohlekraftwerke profitabler zu machen: "Wenn die Nachfrage nach Strom niedrig ist, und zugleich viel Windstrom erzeugt wird, muss der Grundlaststrom aus dem Netz, weil der Windstrom per Gesetz Vorrang hat. Für die Konzerne ist es aber aufwendig, ihre Kraftwerke so zu regeln, dass sie kurzzeitig weniger Strom erzeugen. Deshalb verramschen sie den überflüssigen Strom lieber an der Börse oder bezahlen sogar dafür, dass ihn jemand abnimmt", meint Pritzel von der Bürgerinitiative. Mit dem neuen Pumpspeicherwerk könnten RWE und EnBW den Atom- oder Kohlestrom so lange zwischenspeichern, bis die Nachfrage wieder angezogen habe.

Schmidt von der Schluchseewerk AG weist diesen Vorwurf zurück: "Unser Projekt steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und nicht mit der Kernenergie. Je mehr Strom aus erneuerbaren Energien stammt, desto mehr Stromspeicher werden benötigt. Und umso mehr Strom aus Sonnen- und Windkraft wird im Pumpspeicherwerk gespeichert werden."

Die Anlage soll 100 Jahre laufen

Bürgerinitiativen-Sprecher Pritzel geht allerdings noch weiter. Er ist überzeugt, dass der Energiespeicher gar nicht gebraucht wird. Der Ertrag von Windenergieanlagen lasse sich immer besser prognostizieren, so dass Mittellastkraftwerke, etwa Gasturbinen, Flauten überbrücken können. Auch der Aufbau eines europäischen Netzes werde dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch in die Balance zu bringen. "Das Pumpspeicher-Kraftwerk ist energiewirtschaftlich nicht zwingend notwendig", meint er. "Deshalb sagen wir auch nicht: Baut es bitte woanders. Sondern wir sagen: Es ist überflüssig."

Doch das Projekt verhindern können werden die Bürger wohl kaum. Ob im Schwarzwald bald Atom-, Kohle- oder Ökostrom gespeichert werden wird, ist heute kaum vorherzusagen. Der Energiemarkt wandelt sich rasch. Wie der Strommix 2018, dem Jahr der geplanten Eröffnung der Anlage aussehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem davon, ob die Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern wird, ob Kohlekraftwerke dann noch wirtschaftlich sind und ob die erneuerbaren Energien weiterhin so schnell wachsen wie in den vergangenen Jahren.

Allerdings sind das kurzfristige Probleme, wenn man bedenkt, dass die Anlage im Südschwarzwald darauf ausgelegt ist, noch in hundert Jahren Strom zu speichern. Und der wird im Jahr 2118 sicher nicht aus Kohlekraftwerken kommen. Und wohl auch nicht aus Kernreaktoren.

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insgesamt 158 Beiträge
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1. ..na klar
flower power 05.08.2010
Zitat von sysopEs ist ein gigantisches Vorhaben: Im Schwarzwald soll das größte Pumpspeicher-Kraftwerk Deutschlands entstehen. Der Investor feiert die künstlichen Seen als milliardenschweres Ökoprojekt. Doch es regt sich Widerstand, Bürger wittern eine versteckte Atomkraftförderung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,707662,00.html
so lässt sich Strom indirekt speichern. Strom, der dann zu gegebener Nachfrage über die Turbinen generiert werden kann. Doch gerade diese Landschaft muss erhalten bleiben. Es gibt mittlerweile nicht viele Rückzugsgebiete zur Natur mehr. Und gerade der Südschwarzwald ist eine wunderschöne erholsame Gegend die nun vor weiteren Einschnitten verschont werden sollte. Mit dem Schluchsee hat man schon ein Pumpenkraftwerk, das einen gewissen Bedarf abdeckt. Man kann nicht alle Gebiete für die Interessen der Energie-Riesen und deren egoistischen Manager opfern. Schon gar nicht um hier den AKW´s einen Vorteil zu verschaffen den sie der Natur abgewinnen. Nein Danke.
2. Bürger wittern eine versteckte Atomkraftförderung
raimondo 05.08.2010
Wie kann man so einen Unsinn schreiben, bzw. veröffentlichen. KKW's laufen als Grundlastwerke. Der hochsbventionierte Wind (oft genug an Standorten wo kein Wind weht)und die Fotovoltaik, kosten jeden Stromabnehmer im Moment monatlich 7 Euro. Laut Medien soll das nächstes Jahr bei 14 Euro liegen. Sie veröffentlichen die Problematik der noch nicht kostengünstig speicherbaren El. Energie schon, geschieht aber leider nicht breit genug. Letzte Woche war hier in der Residenz des Rechts, auch wieder so ein Geschwafel von Strom speichern in Auto-Batterien und bei Bedarf wieder ins Netz zurückgeben, in der Tagespresse. Ich denke die Medien kommen ihrer Aufgabe die Menschen, hier detailiert und auch nachhaltig aufzuklären nicht nach.
3. Speicherproblem
karsten112 05.08.2010
In D gibt es ein Speicherproblem für überschüssigen Strom. Daher brauchen wir solche Pumpspeicherkraftwerke. Die Menschen dort kann man genau so umsiedeln wie man es für die Braunkohletagebaue gemacht hat. Auch ein paar geschützte Tiere die nun plötzlich dort gefunden werden, werden die Sache nicht verhindern. Auch die ausrede mit der Kernkraft wird nicht ziehen, weil KKW´s Grundlastkraftwerke sind. Als diesen Sommer Bayern erstmals soviel Sonnenstrom erzaeugt hat um sichj selbst zu versorgen ist auch dem letzten klar geworden das man D sehrwohl mit Ökostrom versorgen kann, wenn man will. Man muß ihn nur speichern können. Wenn ich dort im Schwarzwald wohnen würde, würde ich schon mal nach einem neuen Ort schauen an dem sich auch gut leben lässt. Die Stromlobby wird bekommen was sie will...
4. Strom - ja bitte! Infrastruktur - nein danke?
tancarino 05.08.2010
Es ist schon eine Krux mit dem Strom, nicht wahr? Er soll uns rund um die Uhr in stabiler Qualität zur Verfügung stehen. Geht es jedoch um Infrastruktur ganz gleich welcher Art, regt sich Widerstand. Man könnte es als schizophren bezeichnen. Die "träge Masse" der Bevölkerung (siehe Diskussion um die geringe Bereitschaft zum Anbieterwechsel) schafft es noch nicht einmal, ihre alten Glühlampen (bzw. Raumheizungen) gegen Fluoreszenz-, LED- oder wenigstens Halogenleuchten auszutauschen, Glotze und sonstige Unterhaltungselektronik mit Schalter-Steckdosenleisten vom Netz zu trennen und die Ladegeräte von Handy und elektrischer Zahnbürste vom Netz zu nehmen. Vielleicht sollten die Schizophrenen einmal einen Blick nach Hyderabad oder Bagdad werfen, um zu verstehen, was eine instabilie Versorgung mit Elektrizität bedeutet. Würden unsere Tiefkühl-Hähnchenschnitzel auftauen, gäbe es ein Riesengezeter. Strom aus Wasserkraft ist immer gut. Je mehr desto besser. Stromverbrauch schwankt extrem im Tagesverlauf. Um die Spitzen abzudecken, laufen Gasturbinenkraftwerke an, und das ist ganz sicher nicht klimaneutral zu haben. Was spricht dagegen, überschüssigen Strom nächtens für das Hochpumpen von Speicherwasser zu verwenden, damit uns morgens, wenn Hans und Lieselotte den Toaster anwerfen, nicht der Saft ausgeht? Die Träumer meinen immer noch, es gäbe den puren Luxus zum Nulltarif. Solche Haltungen sind sehr bequem, so lange man nicht in der Verantwortung steht. Um nur nicht mißverstanden zu werden: jawohl, ich bin sehr für die Entmachtung der Monopolisten. Die einzige zukunftsfähige Lösung kann in der Dezentralisierung der Stromversorgung liegen, in kleinen Blockheizkraftwerken, die man beispielsweise mit Biogas aus ebenfalls dezentralen Anlagen betreiben könnte, wenigstens zum größtmöglichen Teil. Ganz offensichtlich haben aber die vier Großen eine so gute Lobby, daß unsere Politiker nicht im Traum daran denken, eine nachhaltige Energieversorgung einzuleiten. Ebenso offensichtlich wählen Hans und Liselotte stets die Politnasen, die ihnen ständig "mehr Netto vom Brutto" versprechen. Eine nachhaltige Energieversorgung ist jedoch zum Nulltarif nicht zu haben, und so lange Energie billig sein muß, werden wir weiter Kohle, Gas und Öl verheizen. Was juckt es uns, wenn es für unsere Enkel teuer wird? Hauptsache, uns geht's heute gut, nicht wahr? Billige Energie wäre ein fatales Signal. Nur sich ständig verteuernde Energie übt den nötigen Druck aus zur Verbesserung der Effizienz und zum sparsamen Umgang. Wenn teuer, dann aber nicht in Form von steigenden Profiten der "Großen Vier", sondern zugunsten der Energiewende.
5. guter Wirkungsgrad
keerborstel 05.08.2010
So ein Pumpspeicherwerk als Energiespeicher ist doch im Prinzip eine saubere Sache.Von Außen sieht und hört man auch nicht viel davon. Wenn man es für Besucher innen im Berg nett gestaltet, wäre es sogar noch eine Touristenattraktion. Einen Zusammenhang mit Atomkraftwerken kann ich nicht erkennen.
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Pumpspeicher-Kraftwerke

Agentur für Erneuerbare Energien
Batterien, Spulen, Schwungräder, Druckluftspeicher - es gibt viele Möglichkeiten, Strom zu speichern, um die Erzeugung und den Verbrauch ins Gleichgewicht zu bringen.

Pumpspeicher-Kraftwerke haben einen niedrigeren Wirkungsgrad als andere Technologien. Das heißt: Sie können nur einen vergleichsweise geringen Prozentsatz der eingesetzten Energie wieder in das Netz zurückgeben.

Dennoch gibt es bislang keine Alternative zu den Pumpspeicher-Kraftwerken: Alle anderen Technologien sind entweder viel zu teuer, noch nicht ausgereift oder können nur kleine Mengen an Energie speichern.



Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
DDP
Die Strompreise steigen, vielen Bürgern drohen saftige Mehrkosten. Da hilft nur eines: den Verbrauch senken - und zwar schnell. Überprüfen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Test, ob Sie das Zeug zum Energiesparer haben!