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Milliardenspekulation: Kerviel erhebt schwere Vorwürfe gegen Bank

Der Börsenspekulant Jérôme Kerviel hat massive Vorwürfe gegen die französische Großbank Société Générale und die französische Justiz erhoben. "Man wollte offenbar die Bank und den Pariser Finanzplatz schützen", sagte er dem SPIEGEL im ersten Interview nach seiner Verurteilung.

Jérôme Kerviel: "Meine Chefs wussten, was da lief" Zur Großansicht
AFP

Jérôme Kerviel: "Meine Chefs wussten, was da lief"

Durch Fehlspekulationen in Milliardenhöhe trieb der Börsenhändler Jérôme Kerviel die Bank Société Générale fast in den Ruin - und war im Oktober zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und einer Schadensersatzzahlung von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden. Diese Summe entsprach dem Schaden, den Kerviel mit seinen Wetten auf die Entwicklung des Deutschen Aktienindex verursacht hatte.

Doch Kerviel will sich damit nicht abfinden, sieht eine Mitschuld bei der Bank und hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Er habe dem Gericht viele Beweise geliefert, "dass viele Händler ähnlich vorgingen wie ich und dass meine Chefs wussten, was da lief", sagte er dem SPIEGEL im ersten Interview nach seiner Verurteilung.

Seine Vorgesetzten hätten die Sicherheitssysteme an seinem Computer deaktiviert. Er habe innerhalb von zwei Jahren Wertpapiere in Höhe von 400 Milliarden Euro mit fiktiven Gegenparteien gehandelt. Die Kontrolleure der Bank hätten all das gesehen, aber nie etwas gesagt, so Kerviel im SPIEGEL.

Ausführlich schildert der Ex-Aktienhändler zwei Interventionen der deutschen Derivatebörse Eurex bei der Société Générale im Jahr 2007, die in Bezug auf Kerviel den Verdacht der Marktmanipulation äußerten. "Später sagte mir mein Chef, dass ich mir eine nichtssagende Antwort auf die Fragen der Deutschen ausdenken und auf keinen Fall meine Handelsstrategie offenlegen solle", beschreibt Kerviel die Reaktion.

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1. -
Kosmopolit08 14.11.2010
---Zitat--- Seine Vorgesetzten hätten die Sicherheitssysteme an seinem Computer deaktiviert. Er habe innerhalb von zwei Jahren Wertpapiere in Höhe von 400 Milliarden Euro mit fiktiven Gegenparteien gehandelt. Die Kontrolleure der Bank hätten all das gesehen, aber nie etwas gesagt, so Kerviel im SPIEGEL. ---Zitatende--- Tja da waren die Kontrolleure einfach etwas cleverer. Wenn es gut gelaufen wäre, hätte es eh keinen gestört. So hängt man die Kleinen und die Großen sind aus dem Schneider.
2. Anekdote
MentalWorks 14.11.2010
Zitat von sysopDer Börsenspekulant Jérôme Kerviel hat massive Vorwürfen gegen die französische Großbank Société Générale und die französische Justiz erhoben. "Man wollte offenbar die Bank und den Pariser Finanzplatz schützen", sagte er dem SPIEGEL im ersten Interview nach seiner Verurteilung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729008,00.html
Dazu fällt mir eine Anekdote ein die sich vor einiger Zeit zugetragen hat. Ein mir bekannter Programmierer konnte über die Finanzkrise und die Verluste der Banken nur noch lachen, da er selbst ein Sicherheitssystem für riskante Geschäfte bei Banken entwickelt hatte. Nachdem dieses Konzept bei diversen Banken eingeführt wurde so erzählte er, musste er schon nach relativ kurzer Zeit sämtliche Systeme wieder deaktivieren, da die Banker schon ganz genervt waren weil eben jenes Sicherheitsprogramm bei den Banken gar nicht mehr stillstand, sondern ständig Alarm gab!! Passend zur Story des Herrn Kerviel...
3. Ganz ähnlich ist das
specchio, 14.11.2010
Der Unterschied zum Drogenhandel ist der, dass sich die Regierungen bei den so genannten Drogenbaronen kein Geld leihen.
4. gewissenlose banker
altruist 14.11.2010
banker haben keine ethik und moral.am schlimmsten sind die investmentbanker,allen voran die der wallstreet und aus london city.sie sind nur dem kapitalistischen grundsatz-buisiness as usual- für ihre bank verpflichtet.wieviel kleinanleger sie dabei ruinieren und um ihre altersvorsorge bringen,ist ihnen egal,weil diese im big buisiness keine rolle spiele. diesen skrupelosen machenschaften muß vom gesetzgeber ein rahmen gesetzt werden.
5. grotesk
anyways 14.11.2010
die dreistigkeit mit der die clique um bankster und wirtschaftsbosse die öffentlichkeit zum narren hält ist moderner Faschismus. Es ist völlig ausgeschlossen, dass jemand deratige handelsumsätze an der Eurex auch nur 2 Tage durchführen kann: Unter den zig reports die täglich völlig automatisch erstellt werden, ist die mit abstand wichtigste die der handelsumsätze: uhrzeit, stückzahl, nominalvolumen, einstandspreis. DIE liste schaut sich jeder abteilungsleiter an, schon aus selbstschutz. Völlig absurd, 'justiz', dass ich nicht lache.
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