Studie Nur wenige Betriebe entlassen wegen Mindestlohns

Auf die Einführung des Mindestlohns haben nur wenige Betriebe mit Entlassungen reagiert. Stattdessen hielten sich die Unternehmen einer Studie zufolge bei Neueinstellungen zurück und erhöhten die Preise.


Die Einführung des Mindestlohns hat nur in seltenen Fällen zu Entlassungen geführt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach gaben nur 4,7 Prozent der befragten Betriebe an, sich wegen des Mindestlohns von Mitarbeitern getrennt zu haben. 2,4 Prozent der Firmen hätten entsprechende Pläne.

Wenn das Personal reduziert wurde, geschah dies laut der Studie vor allem durch eine Zurückhaltung bei Neueinstellungen. 10,4 Prozent der Firmen erklärten, sie hätten sich hier zurückgehalten, 5,3 Prozent würden dies in Zukunft tun.

Das IAB geht "von bis zu 60.000 Beschäftigungsverhältnissen aus, die es zusätzlich geben könnte, wenn der Mindestlohn nicht eingeführt worden wäre". Allerdings sei auch im vergangenen Jahr, dem ersten mit der Mindestlohnvorgabe, die Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland weiter gestiegen. Somit seien "negative Beschäftigungswirkungen" des Mindestlohns "moderat" geblieben.

Zum Teil reagierten die Betriebe mit Preiserhöhungen auf die neue Vorschrift. Rund 18 Prozent gaben demnach an, dass sie ihre Waren oder Dienstleistungen teurer gemacht hätten.

Ebenso viele erklärten, aufgrund des Mindestlohns sei es zu Arbeitszeitreduzierungen oder einer Arbeitsverdichtung gekommen. Sechs Prozent fuhren Investitionen herunter oder verschoben sie. Ein Prozent gab an, es sei wegen des Mindestlohns menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt worden. Ebenfalls ein Prozent der Firmen machte demnach von Ausnahmen vom Mindestlohn Gebrauch, wie sie etwa bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen gelten.

Das Institut, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, befragte im vergangenen Herbst mehr als 16.000 Unternehmen. Gut 20 Prozent gaben an, direkt oder indirekt von der Einführung des Mindestlohn betroffen zu sein, und wurden zu den Folgen befragt.

asa/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
crazy_swayze 17.08.2016
1.
Na da haben die Mindestlohn-Gegner wohl einfach nur den Teufel an die Wand gemalt, als sie von über 1 Mio. verlorengehenden Arbeitsplätzen sprachen. Dies bitte bei zukünftigen Diskussionen berücksichtigen.
smartphone 17.08.2016
2. Entlassen auf anderer Ebene
Diese Mindestlohnjobs "braucht" man ...deswegen haben die auch eine gewisse Lobby . Keine Lobby hingegen haben IT - udn Ingenieursbewerber---die nimmt man nur als "Praktikant" udn wenn ein Normalangestellter excellente Arbeit liefert ,war und ist das schon immer DER Grund , dise zu feuern ---natürlich wird dafür "gesorgt" , daß ßder nirgendd mehr nen Job findet.... Das ist seit xx Jahren die echte Innovationsfähigkeit hierzulande. Ich las mal einen coolen Spruch " Its easier to get Hartz4 than a job as engnieer.... " Soviel zum Thema Lohn und Fachkräftemangel( die FKM natürlich ) .
hockeyversteher 17.08.2016
3. Würde uns nicht versprochen....
.... das es gar keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gibt? Danach klingt dies aber nicht. Was in der Aufszellung noch fehlt, viele Betriebe haben darüber nachgedacht, welche Zusatzleistungen dem Mindestlohn zuzuschlagen sind. Somit ergibt sich für viele Arbeitnehmer erst einmal ein Nullsummenspiel und eine Lohnerhöhungs-Pause. Tolle Leistung von SPD und Frau Nahles. Ein Gesetz ohne positiven Effekt, viel Bürokratie (Für den Mindestlohnnachweis), der Möglichkeit des Staats noch genauer in die Bücher der Unternehmen zu schauen. Außer den sich auf die Schultern klopfenden Moralaposteln hat also effektiv so gut wie niemand etwas von diesem Gesetz.
eiskoenig 17.08.2016
4. 60.000 Arbeitsplätze nicht entstanden...
Ich frage mich als Unternehmet, was das für Arbeitsplätze gewesen wären? Wieder welche für Menschen, die nur staatlich subventioniert überleben hätten können - Maximierung des Gewinns und eventuelles Dumping gegen den Wettbewerb auf Kosten der Allgemeinheit. Von daher kann man auf DIESE 60.000 Arbeitsplätze gern verzichten
Patrik74 17.08.2016
5. Untergang des Abendlandes ersatzlos gestrichen
Man kann den Artikel auch kürzer fassen: 1. Auf über 90% der Betriebe hat der Mindestlohn keine negativen Auswirkungen 2. Die Zahl der Beschäftigten steigt trotzdem (zwangsläufig auch zu besseren Konditionen als vor der Einführung) 3. Auf die hypothetischen 60.000 Jobs (sic: prekäre Arbeitsverhältnisse), die sonst entstanden sein KÖNNTEN, kann man getrost verzichten. Es ist interessant, dass sich der Anteil der Unternehmen, die sich in irgendeiner Weise vom Mindestlohn betroffen sehen, überwiegend im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegt - bei genauerer Betrachtung würde man vermutlich sogar feststellen, dass sich sämtliche Aussagen auf die immer wieder gleichen Unternehmen konzentriert, nämlich jene, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf Dumpinglöhnen basiert. Die prognostizierten Massenentlassungen und einsetzende Hyperinflation werden also - o Zeichen, o Wunder - nicht stattfinden. Vielleicht mal ein Denkanstoß für die Gläubigen der vorherrschenden Wirtschaftsdoktrin - wieso hat das orthodoxe Denkmodell mal wieder versagt? Könnte es vielleicht nicht richtig sein? Und wenn ja, wieso wird es dann immer noch propagiert? Cui bono?
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