Mitsubishi Materials Japanischer Konzern bittet US-Zwangsarbeiter um Vergebung

70 Jahre nach Kriegsende hat sich Mitsubishi Materials für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus US-Gefangenenlagern entschuldigt. Zum ersten Mal ringt sich damit ein japanischer Konzern zu öffentlicher Reue durch.

Mitsubishi-Manager Kimura: Erste öffentliche Entschuldigung für Zwangsarbeit
AP/dpa

Mitsubishi-Manager Kimura: Erste öffentliche Entschuldigung für Zwangsarbeit


"Ich bin gekommen, um unsere reumütigste Entschuldigung auszusprechen dafür, dass Sie während des Zweiten Weltkriegs zu harter Arbeit gezwungen wurden, als Sie in von Mitsubishi betriebenen Minen arbeiteten." Die Ansprache des Managers Hikaru Kimura ist die erste öffentliche Entschuldigung eines japanischen Großunternehmens für die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkriegs.

Kimura, Manager des Rohstoffkonzerns Mitsubishi Materials hielt die Ansprache bei einem Treffen mit früheren US-Zwangsarbeitern in Los Angeles. "Als Nachfolgeunternehmen von Mitsubishi Mining können wir nicht anders, als eine tiefe ethische Verantwortung für diese Tragödie der Vergangenheit zu empfinden", sagte Kimura bei der Zeremonie im Museum für Toleranz des Simon Wiesenthal Center.

Mitsubishi Materials ist das erste japanische Unternehmen, das sich für die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen entschuldigte. Die Regierung in Tokio hatte sich vor fünf Jahren zu einer offiziellen Entschuldigung durchgerungen. Mitsubishi Mining hatte laut Kimura fast 900 Kriegsgefangene in vier japanischen Bergwerken schuften lassen, in anderen japanischen Firmen wurden Tausende weitere US-Gefangene zur Arbeit gezwungen.

Einer der Überlebenden, der 94-jährige James Murphy, nahm Kimuras "ehrliche, demütige" Entschuldigung ausdrücklich an. "70 Jahre nach dem Kriegsende wurden die Kriegsgefangenen um etwas sehr Einfaches gebeten, sie wurden um Entschuldigung gebeten", sagte Murphy. "Dies ist ein glorreicher Tag, 70 Jahre lang haben wir uns das gewünscht." Er hoffe, dass andere japanische Unternehmen dem Vorbild von Mitsubishi Materials nun folgten.

nck/AFP/Reuters

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insgesamt 37 Beiträge
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derfoerderator 20.07.2015
1. endlich
Es gibt doch Menschlichkeit auf Erden. Endlich was anderes außer Krise. Gerne mehr davon :)
paulpuma 20.07.2015
2. Schön,
wie sich Japan verhält. Vielleicht ermutigt das auch die andere Seite, sich für ihre Untaten zu entschuldigen.
GSYBE 20.07.2015
3. Haben
Haben sich die USA auch für Ihren 2maligen Massenmord an der japanischen Zivilbevölkerung entschuldigt? Ehrlich gemeinte Frage, habe nichts geschichtlich Relevantes hierzu gefunden.
merkur08 20.07.2015
4. Das duerfte die Absatzchancen
von Mitsubishi in den USA stark erhoehen. Die anderen werden nachziehen muessen. Jetzt waere es auch mal Zeit China und ausdruecklich (beide) Korea um Entschuldigung zu bitten..... Das wuerde gewaltig zur Entspannung dort beitragen.
Atheist_Crusader 20.07.2015
5.
Zitat von GSYBEHaben sich die USA auch für Ihren 2maligen Massenmord an der japanischen Zivilbevölkerung entschuldigt? Ehrlich gemeinte Frage, habe nichts geschichtlich Relevantes hierzu gefunden.
Das war Krieg. Und nebenbei waren diese Abwürfe ein Glücksfall für die Menschheit. Eine amerikanische Invasion hätte auf beiden Seiten noch wesentlich mehr Opfer gekostet. Die Japaner standen kurz vor einer Hungersnot und waren schon dabei, Kinder für Selbstmordangriffe mit Handgranten und Bambusspeeren zu bewaffnen. Und die Amis hatten präventiv eine halbe Million Purple Hearts prägen lassen, die bis heute noch nicht aufgebraucht sind. Vor allem aber gaben die ersten beiden Atomwaffeneinsätze der Welt die Möglichkeit die verheerenden Wirkungen dieser Waffen zu erleben und zu begreifen. Und das bevor noch Jemand anders Zugriff darauf hatte, und irgendein verantwortungsloser Politiker oder Militär in Korea oder Vietnam damit atomaren Schlagabtausch spielen konnte, während die Öffentlichkeit es noch für "irgendeine besonders große Bombe" hielt. Diese Abwürfe haben die Angst vor Atomwaffen begründet, die letztendlich dafür gesorgt hat, dass der Kalte Krieg nicht heiß wurde. Nichtsdestotrotz tragisch für jeden der deswegen starb oder verletzt wurde, aber gesamtgeschichtlich ein Glücksfall.
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