Mögliche Übernahme Chinesischer Web-Gigant will Krisenkonzern Yahoo retten

In Europa und den USA kennt ihn fast niemand - doch in China gilt Jack Ma als einer der mächtigsten Internet-Unternehmer. Jetzt könnte der erfolgreiche Gründer der Handelsplattform Alibaba vor dem nächsten Coup stehen: Er will den Dauerkrisen-Konzern Yahoo übernehmen. 

Web-Seiten von Yahoo und Alibaba: Die Unternehmen sind bereits verbandelt
DPA

Web-Seiten von Yahoo und Alibaba: Die Unternehmen sind bereits verbandelt


New York - Es ist ein nicht enden wollender Niedergang, den der einstige Internet-Gigant Yahoo erlebt. Und die wichtigsten Fragen, die über die Zukunft des darbenden Unternehmens entscheiden, sind noch immer nicht beantwortet: Wer wird Nachfolger der gefeuerten Konzernchefin Carol Bartz? Und soll Yahoo weiter selbst die Trendwende versuchen oder doch bei einer anderen Firma Unterschlupf finden?

Immerhin deutet sich nun eine mögliche Beantwortung der zweiten Frage an. Die größte chinesische Handelsplattform Alibaba würde Yahoo gern kaufen. "Wir sind sehr interessiert", sagte Alibaba-Gründer Jack Ma laut übereinstimmenden US-Medienberichten bei einem Auftritt an der Elite-Uni Stanford. Alibaba sei an Yahoo "als Ganzem" interessiert, betonte Ma. Es sei aber ein kompliziertes Unterfangen mit vielen Beteiligten, schränkte er ein.

Der frühere Englischlehrer könnte mit Hilfe von Yahoo seine Firma auf dem wichtigsten Internetmarkt der Welt expandieren lassen. Alibaba sei wahrscheinlich eines der sehr wenigen Unternehmen, die Yahoo gut verstehen, sagte Ma.

Zugleich bestätigte er, dass es auch andere Anwärter gebe: "Alle seriösen Kaufinteressenten haben mit uns gesprochen." Nach bisherigen Informationen sollen unter anderem Investoren wie Silver Lake Partners und Andreessen Horowitz, aber auch der Software-Riese Microsoft und der Internetkonkurrent AOL Interesse bekundet haben haben.

Yahoo hält 40 Prozent an Alibaba. Die Beteiligung gehört zu dem Wertvollsten, das der Internet-Pionier zu bieten hat: Der Wert des Anteils wird auf bis zu 13 Milliarden Dollar geschätzt. Yahoo insgesamt war an der Börse zuletzt weniger als 17 Milliarden Dollar wert.

Alibaba deutlich mehr wert als Yahoo

Das Unternehmen sucht nach einem neuen Konzernchef, nachdem Anfang September Carol Bartz gefeuert wurde. Ihr wurde vorgeworfen, in zweieinhalb Jahren an der Spitze keine Trendwende geschafft zu haben. Bartz selbst machte die eher unschönen Begleitumstände ihres Rauswurfs publik.

Yahoo war in den neunziger Jahren eines der wichtigsten Internetunternehmen. Auf dem Höhepunkt des Booms war die Aktie mehr als 125 Dollar wert. Inzwischen hat die Firma zunehmend Probleme, ihre Werbeeinnahmen gegen erfolgreichere Konkurrenten wie Google oder Facebook zu verteidigen. An der Nasdaq schlossen die Papiere am Freitag bei einem Kurs von 13,17 Dollar.

Das Verhältnis zwischen Yahoo und Alibaba war zuletzt gespannt. Streit gab es vor allem, als Ma den Zahlungsdienstleister Alipay in eine separate Firma unter seiner Kontrolle auslagerte - laut Yahoo ohne Vorwarnung. Ma erklärte den Schritt mit neuen Vorschriften, nach denen Bezahldienste ausschließlich in der Hand chinesischer Eigentümer liegen dürften. Nach Verhandlungen wurde ein finanzieller Ausgleich vereinbart, die Stimmung bleibt jedoch schwierig. Ma bot bereits mehrfach an, die Yahoo-Beteiligung zurückzukaufen. Ex-Yahoo-Chefin Bartz hatte das jedoch abgewiesen.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" hat der Yahoo-Verwaltungsrat immer noch nicht entschieden, ob das Unternehmen verkauft werden soll oder allein weitermacht. Derzeit würden Personaldienstleister mit der Suche nach einem neuen Chef beauftragt. Es gehe entweder um jemanden, der Yahoo verkaufen oder eine Sanierung schaffen könnte, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Zuletzt gab es Berichte, wonach eine Gruppe internationaler Investoren bis zu 1,6 Milliarden Dollar in Alibaba investieren will. Die Alibaba-Gruppe werde dabei insgesamt mit 32 Milliarden Dollar bewertet.

böl/dpa/Reuters



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