Möglicher Einstieg bei E.on Koalitionspolitiker öffnen Gazprom die Tür

Russlands mächtigster Konzern Gazprom hat ein Auge auf den deutschen Energieriesen E.on geworfen - und Politiker in Berlin applaudieren: Durch den Atomausstieg dürfte der Gasbedarf in der Bundesrepublik stark wachsen, da seien gute Beziehungen zum wichtigsten Lieferanten ratsam.

Gazprom-Chef Miller, Russlands Ministerpräsident Putin: Lukrativer deutscher Markt
AP

Gazprom-Chef Miller, Russlands Ministerpräsident Putin: Lukrativer deutscher Markt


Berlin - E.on will einige seiner Konzernsparten abstoßen, und Gazprom-Chef Alexej Miller ist an Teilen des deutschen Energieriesen E.on interessiert. Vor allem E.ons Gashandelstochter Ruhrgas sei interessant, hatte Gazprom-Chef Alexej Miller in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Schließlich würde er durch sie ein Stück weit die Kontrolle über Deutschlands Verteilnetz gewinnen.

Aus dem Umfeld von E.on ist zu hören, Verhandlungen mit Gazprom würden bisher nicht geführt. Deutsche Politiker begrüßen dennoch das Interesse der Russen: "Ohne Atomkraft ist Deutschland künftig an Gaslieferungen aus Russland noch mehr interessiert als früher", sagte Martin Lindner, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, dem "Handelsblatt".

Ein Einstieg von Gazprom bei E.on oder dessen Gastochter Ruhrgas würde die wichtige deutsch-russische Kooperation stabilisieren und der gesamten deutschen Wirtschaft bezahlbare Energiepreise sichern. "Die Grenzen einer Übernahme durch Gazprom werden allerdings dort sein, wo der größte deutsche Energieversorger seine Selbstständigkeit verlieren könnte", sagte Lindner einschränkend.

"Für die deutsche Wirtschaft könnte sich das lohnen"

"Ablehnende Reflexe gegen einen Einstieg von Gazprom bei E.on sind unsinnig", sagte auch der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer dem "Handelsblatt". Gazprom betreibe seit Jahren mit BASF erfolgreich das Joint Venture Wingas.

"Sollte Gazprom in den Energiesektor größer einsteigen, könnte sich das auch für die deutsche Wirtschaft lohnen", sagte Pfeiffer. "Mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Kernkraft kann und wird Gas eine viel größere Rolle zur Sicherung einer stabilen Versorgungssicherheit für die deutsche Wirtschaft haben."

Im Bundeswirtschaftsministerium ist man vorsichtiger. "Sollten sich die Absichten von Gazprom konkretisieren, würden das Bundeskartellamt und das Ministerium die wettbewerbsrechtliche Seite sehr genau prüfen", hieß es im Haus von Minister Philipp Rösler (FDP).

ssu/Reuters



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flower power 07.06.2011
1. na klar
Zitat von sysopRusslands mächtigster Konzern Gazprom hat ein Auge auf den deutschen Energieriesen E.on geworfen - und Politiker in Berlin applaudieren: Durch den Atomausstieg dürfte der Gasbedarf in der Bundesrepublik stark*wachsen, da seien gute Beziehungen zum wichtigsten Lieferanten ratsam. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,767021,00.html
und angela wird dann Deutschland-Beauftragte, lösst Brumm-Brumm-Gerd ab. So ist Demokratie nach Gutsherrenart. Kein schöber Land.......
bielefelder73 07.06.2011
2. Abhängigkeit vom Ausland
Ich halte einen zu überstürzten Atomausstieg, wie er jetzt durchgeprügelt wird, für einen schweren Fehler. Deutschland wird so noch abhängiger von Pseudo-Demokratien wie Russland und auch die CO2 Klimaziele werden mit einem zwangsweisen Ausbau der fossilen Energieversorgung nicht zu erreichen sein. Die Rechnung wird für uns alle bitter sein... nicht nur beim Strompreis!
Steuersklave 07.06.2011
3. Du hast die Haare schön
Zitat von sysopRusslands mächtigster Konzern Gazprom hat ein Auge auf den deutschen Energieriesen E.on geworfen - und Politiker in Berlin applaudieren: Durch den Atomausstieg dürfte der Gasbedarf in der Bundesrepublik stark*wachsen, da seien gute Beziehungen zum wichtigsten Lieferanten ratsam. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,767021,00.html
... und geliefert wird das Gas über die North Stream Pipeline. Für den Geniestreich darf sich Gas Gerd eine Cohiba extra anzünden.
mayer60 07.06.2011
4. Keine guten Nachrichten!
Wenn Gazprom einsteigt wird es schwieriger werden in der Zukunft das Gasnetz als Speicher und Energieleiter von Nord nach Süd zu nutzen. In BaWü hat man ja die EnBW v.a. deshalb gekauft, damit soetwas gerade nicht passiert. Kann man zwar regulieren, aber ob das dann in der Praxis auch wirksam gemacht wird, steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Auf jeden Fall kann die Koalition hier den nächsten großen Schaden anrichten, wenn sie nicht aufpaßt!
genugistgenug 07.06.2011
5. Kanzler (noch) a.D.
Zitat von flower powerund angela wird dann Deutschland-Beauftragte, lösst Brumm-Brumm-Gerd ab. So ist Demokratie nach Gutsherrenart. Kein schöber Land.......
Kanzler (noch) a.D. Schröder ist zurück - jetzt lässt er dogar die Korruptio äh ReGIERungskoalition hüpfen. Wenn es um Kohle geht fallen alle Schranken. klaro, als Murksel sich über die Kanzlerschaft freute hat er ihr ein Bild von seinem neuen Arbeitsplatz geschickt - 'Absperrventil Gas Deutschland' - mit Widmung 'brav bleiben. sonst....'.
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