Italien Krisenbank Monte dei Paschi streicht jede fünfte Stelle

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi wird 5500 seiner rund 25.600 Stellen streichen und fast jede dritte Filiale schließen. So will das Institut bis 2021 wieder einen Gewinn erwirtschaften.

Eingang der Bank Monte dei Paschi di Siena
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Eingang der Bank Monte dei Paschi di Siena


Nach einem staatlichen Rettungsprogramm will sich die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) sanieren. In den kommenden vier Jahren sollen 5500 Jobs wegfallen, teilte das Unternehmen mit. Derzeit hat die drittgrößte italienische Bank noch rund 25.500 Mitarbeiter. Auch sollen 600 von 2000 Filialen geschlossen werden. Bis zum Jahr 2021 will MPS dann wieder einen Nettogewinn von mehr als 1,2 Milliarden Euro erzielen.

Vorstandschef Marco Morelli sagte bei der Vorstellung des Umbauplans: "Das ist ein konservativer Plan. Wir streben nicht nach unrealistischen Zielen." Die älteste Bank der Welt setzt in Zukunft stärker auf Privatkunden und kleine Mittelständler, das Großkunden-Geschäft soll verkleinert werden. Eine Fusion mit einer anderen Bank komme nicht infrage, sagte Morelli. "Es gibt keinen Plan B."

Die EU-Kommission hatte erst am Dienstag Staatshilfen von bis zu 5,4 Milliarden Euro genehmigt. Aktionäre und die Gläubiger nachrangiger Anleihen tragen 4,3 Milliarden Euro bei. Insgesamt wird die Kapitalbasis der Bank damit um mehr als acht Milliarden Euro gestärkt. Gleichzeitig wird Monte dei Paschi faule Kredite in Höhe von 26 Milliarden Euro an den staatlichen Banken-Rettungsfonds Atlante los, muss dabei aber fast vier Milliarden Euro abschreiben.

Bereits 2016 hatte die Bank aus der Toskana mit einem Verlust von 3,2 Milliarden Euro abgeschlossen. "Was wir in den vergangenen neun Monaten erlebt haben, sucht seinesgleichen. Das war wie auf einer Intensivstation, in die alle fünf Minuten ein neuer Notfall hereinkam", sagte Morelli. Der Stellenabbau werde bis 2021 rund 1,15 Milliarden Euro kosten.

Durch die Kapitalspritze und die Auslagerung fauler Kredite soll Monte dei Paschi Ende 2021 auf eine wettbewerbsfähige harte Kernkapitalquote von 14,7 Prozent kommen. Ende 2016 war sie bis auf 8,2 Prozent geschrumpft, Kunden zogen massenhaft Geld ab. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) fordern schon von 2018 an einen Kapitalpuffer von elf Prozent.

Der Bankensektor in Italien leidet unter einem Berg von Krediten, die nicht mehr bedient oder getilgt werden können. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse.) Monte dei Paschi galt als größtes Sorgenkind. Ende Juni wurden zwei kleine Banken abgewickelt, ihre lebensfähigen Teile gehen an die Großbank Intesa Sanpaolo.

nck/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Schweineschnitzel0815 05.07.2017
1.
Und schon wieder trägt der Steuerzahler die Last. Faule Kredite in Höhe von 26 Milliarden Euro darf das italienische Volk übernehmen. "Der Bankensektor in Italien leidet unter einem Berg von Krediten, die nicht mehr bedient oder getilgt werden können." Welche Bank darf die nächste sein? Aber nach Umfragen befürworten wohl 100% des "europäischen Staatsvolks" diese Entscheidung.
spaceagency 05.07.2017
2. Nichts im Vergleich
zu den deutschen Bankhilfen. Zur Erinnerung Deutschland butterte 340 Milliarden in sein marodes System. Resultat? 174 Milliarden faule Kredite bei den Landesbanken, die Commerzbank zum dritten Mal teilverstaatlicht und die DeBa das gefährlichste Institut der Welt nach IWF und kleiner als die Unicredit....da sind wohl 28 Milliarden eher kein Problem
at.engel 05.07.2017
3.
Und dann kommt Standard & Poor's, und stuft Italien prompt von BBB- auf, was weiß ich nicht herab. Und die Folge ist, dass der Staat dann seine Kredite zu höheren Zinsen aufnehmen muss... natürlich bei privaten Banken. Hat irgendwie System - praktisch eine Art Gelddruckmaschine: Der Staat übernimmt faule - private - Kredite und zahlt dann selbst aber mehr Zinsen - an private Banken. Keine Ahnung, wer auf diese Idee gekommen ist, aber der verdient eigentlich irgendeinen Preis...
spaceagency 05.07.2017
4. 5500 Entlassungen
das sind zwar viele leider. Die DeBa und CoBa entlassen gemeinsam 18.000 Mitarbeiter. Es relativiert sich also auch hier
m.m.s. 05.07.2017
5. 26 Milliarden
Eine ganz kleine, unwichtige, nebensächliche und unerhebliche Frage: wer zahlt die 26 Milliarden?
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