Rom - Europa hat seine lang anhaltende Krise noch nicht überwunden, das zeigt die Reaktion der Finanzmärkte auf den angekündigten Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti. Am ersten Börsentag nach der Ankündigung fielen die Kurse italienischer Aktien und selbst die deutsche Kursrallye der vergangenen Wochen schwächte sich ab. Der Euro zeigte sich allerdings gänzlich unbeeindruckt.
In Italien selbst gerieten die heimischen Staatsanleihen unter Druck: Die Rendite zehnjähriger Titel legte um etwa 0,3 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent zu. Das ist deutlich mehr als Anfang Dezember, als die Rendite auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen war. Der Risikoaufschlag zu den als sehr sicher geltenden deutschen Schuldtiteln stieg im zehnjährigen Laufzeitbereich auf mehr als 3,5 Prozentpunkte. Gleichzeitig legten zehn Jahre laufende spanische Staatsanleihen zu - auf bis zu 5,6 Prozent.
Die europäischen Aktienmärkte reagierten nervös auf die politische Ungewissheit in Italien - die Indizes lagen fast überall im Minus. So fiel der italienische Leitindex FTSE MIB um zwischenzeitlich 3,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. Der Euro kostete rund 1,29 Dollar und damit mehr als am Freitag.
Börsenanalysten äußerten allerdings die Erwartung, dass der Anstieg der Zinsen nur vorübergehend sein wird. "Ich bin nicht sonderlich besorgt, wird doch die Parlamentswahl um einen Monat vorgezogen", sagte ein Mailänder Investmentbanker. "Die Reaktion der Märkte ist überzogen", sagte der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, auf N-TV. "Das ist ein Sturm im Wasserglas."
Ungeachtet der Rücktrittsankündigung Montis will das Land sich in dieser Woche wie geplant am Kapitalmarkt mit frischem Geld versorgen. Die angestrebten Anleiheauktionen sollen wie vorgesehen stattfinden, sagte eine Person aus dem Umfeld des Finanzministeriums. Die Regierung in Rom will am Mittwoch Schuldtitel mit einjähriger Laufzeit über insgesamt 6,5 Milliarden Euro begeben. Für Donnerstag ist eine Emission von Drei-Jahres-Papieren geplant.
nck/dpa/Reuters
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