Moody's, S&P Roland Berger kritisiert Verflechtung von Rating-Riesen

Die weltgrößten Rating-Agenturen sind weniger unabhängig voneinander als bislang gedacht. Dies offenbart nach Informationen des manager magazin eine Roland-Berger-Studie. Demnach werden Moody's und S&P von denselben Großaktionären kontrolliert.

New Yorker Börse: Roland Berger wirbt für eine europäische Konkurrenz-Agentur
AFP

New Yorker Börse: Roland Berger wirbt für eine europäische Konkurrenz-Agentur


Hamburg - Rating-Agenturen sollen möglichst unabhängig urteilen, doch das klappt nicht immer: Wie das manager magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet, gibt es auffällige Gemeinsamkeiten in der Eignerstruktur der US-Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P).

Einer vertraulichen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge werden Moody's und McGraw-Hill, der Mutterkonzern von S&P, von denselben Aktionären kontrolliert.

Es handelt sich um rund ein Dutzend großer US-Fondsfirmen und Finanzkonzerne, darunter global agierende Vermögensverwalter wie The Capital Group, Blackrock, State Street Chart zeigen und Fidelity, aber auch Geldhäuser wie Morgan Stanley Chart zeigen und die Bank of New York.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass diese Großaktionäre rund 38 Prozent der McGraw-Hill-Aktien und knapp 49 Prozent der Moody's-Anteile halten.

Für die Unternehmensberater steht damit fest: Die gemeinsame Eigentümerstruktur setzt dem Wettbewerb der beiden führenden Rating-Agenturen enge Grenzen. Hintergrund: Die beiden Häuser teilen laut manager magazin rund 80 Prozent des Markts unter sich auf und erzielen dabei regelmäßig Umsatzrenditen von 40 Prozent. Die Rating-Agenturen verfügen über enormen Einfluss an den Finanzmärkten. Erst vor eineinhalb Wochen hatte S&P die USA herabgestuft und damit ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Roland Berger plant eigene Rating-Agentur

Der Urheber der Studie dürfte allerdings nicht ganz uneigennützig handeln. Roland Berger sucht seit mehr als einem Jahr nach Partnern für einen europäischen Rating-Konkurrenten. Gemeinsam mit der hessischen Landesregierung, der Deutschen Börse Chart zeigen und der Finanzplatz-Initiative Frankfurt wirbt Berger bei europäischen Regulierern, Regierungen und Aufsichtsbehörden sowie in der Finanzbranche für das Projekt.

Rund 300 Millionen Euro könnte der Aufbau einer europäischen Rating-Agentur laut "Capital" kosten. Das Startkapital für die unabhängige Stiftung könnte von europäischen Firmen der Finanzbranche kommen. "Bis Ende 2011 werden wir ein Konsortium von bis zu 25 Teilnehmern gebildet haben, die je zehn Millionen Euro investieren", zitierte das Magazin Markus Krall, einen Partner von Roland Berger.

Nach Informationen des manager magazin liegt den Beamten von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier die RB-Studie bereits vor. Barnier arbeitet derzeit an einem Verordnungsentwurf für Rating-Agenturen in Europa. Ob die darin enthaltenen Indizien für die Aufnahme eines Wettbewerbsverfahrens ausreichen, werde in Brüssel derzeit noch diskutiert.

dis

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.