Schuldenkrise Moody's stuft 26 italienische Banken herab

Die Märkte zittern vor dem Euro-Aus der Griechen - und vor dem Überschwappen der Krise auf Länder wie Italien: Jetzt hat die Ratingagentur Moody's gleich 26 italienische Banken herabgestuft - manche sogar um vier Stufen.

Zentrale der UniCredit Bank in Mailand: Herabstufung durch Ratingagentur
AP

Zentrale der UniCredit Bank in Mailand: Herabstufung durch Ratingagentur


Die Ratingagentur Moody's hat in einem Rundumschlag insgesamt 26 italienische Banken herabgestuft. Unter den Instituten sind auch Branchengrößen wie UniCredit und Intesa Sanpaolo. Der Ausblick für alle Betroffenen ist negativ, das heißt, es droht eine weitere Abstufung.

Moody's begründete den Schritt am späten Montag in erster Linie mit der schlechten wirtschaftlichen Verfassung von Italien. Das Land sei in die Rezession zurückgefallen, erklärte die Ratingagentur. Das staatliche Sparprogramm laste auf der Nachfrage. Gleichzeitig stiegen die problematischen Kredite und die Gewinne der Institute gingen zurück. Zudem sei es für die Banken schwieriger geworden, sich am Markt frisches Geld zu besorgen.

Während es für die genannten Großbanken nur um eine Bonitätsstufe herunter ging, mussten einige kleinere Häuser einen Absturz um bis zu vier Stufen verkraften. Je schlechter die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit einer Bank einstufen, desto schwerer kommt diese an neues Kapital heran und desto teurer wird die Aufnahme von frischem Geld.

In Italien versucht eine Expertenregierung unter Mario Monti, das Land wieder auf Kurs zu bringen. Das funktioniert jedoch nur mit einem Bankensystem, das den Unternehmen Kredite für Investitionen geben kann. Je schlechter die Ratingagenturen jedoch die Kreditwürdigkeit einer Bank einstufen, desto problematischer und teurer wird die Aufnahme von Kapital für die Institute.

Die Ratingagentur führte auf der Habenseite allerdings auch auf, dass die Europäische Zentralbank dem Finanzsektor ausreichend Geld zur Verfügung gestellt habe, um Bankenpleiten in naher Zukunft abzuwenden. Viele Banken hätten zudem ihre Kapitaldecken gestärkt, was sie weniger anfällig für die Auswirkungen der Krise mache.

Die Sorgen um den Euro haben sich am Montag auch auf die Finanzmärkte ausgewirkt und die Kurse an der Wall Street fallen lassen. So sank der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte nach vorläufigen Berechnungen um 125 Punkte oder ein Prozent auf 12.695 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,1 Prozent auf 1338 Zähler nach. Zwischenzeitlich war der S&P auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten gefallen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,1 Prozent auf 2902 Punkte. Zuvor schloss der Dax 1,9 Prozent tiefer mit 6451 Punkten.

Im Fokus der Börsen lag vor allem Griechenland - doch auch die Lage in den Krisen-Ländern Italien und Spanien drückt die Kurse. "Die gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland der Euro-Zone 'Lebewohl' sagt, macht die ganze Region mit Blick auf mögliche Ansteckungsgefahren zu einem Reich des Unbekannten", sagte Aktienstratege Peter Boockvar von Miller Tabak. Das zeige sich unter anderem daran, dass die Kosten für spanische Kreditausfallsversicherungen stiegen. Am Markt wird befürchtet, dass die Krise in Griechenland auf Spanien und eben auch auf Italien überschwappt.

tok/dpa

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