London - Ausgerechnet ein Wall-Street-Boss befeuert die Debatte über zu hohe Einkommen für Banker: Die Bezahlung in der Branche sei immer noch zu hoch, sagte Morgan-Stanley-Chef James Gorman der "Financial Times". Die Einkommen der Mitarbeiter stünden auf jeden Fall zur Debatte, sagte er.
Gorman hat bereits 2010 und 2011 - in den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit bei der US-Investmentbank - den Anteil der Gehälter an den Erträgen deutlich gesenkt. Die Angestellten hatten in den beiden Jahren jeweils nur noch rund 50 Prozent der Einnahmen erhalten. 2009 waren es noch 62 Prozent. Allerdings zogen 2010 und 2011 auch die Erträge an. Gorman will die Quote offenbar weiter zurückfahren und damit Fehler aus der Vergangenheit vermeiden. In der Branche sei es üblich gewesen, den Gehaltsanteil bei sinkenden Erträgen hochzufahren.
Bei steigenden Einnahmen sei der Anteil dagegen stabil geblieben, so dass die Gehälter unabhängig von der Branchenentwicklung nie gesunken und meistens gestiegen sind. "Es war ein klassisches Wall-Street-Argument, frei nach dem Motto 'Bei Kopf gewinne ich, bei Zahl verlierst du'", sagte Gorman.
Für sein Haus stellte Gorman weitere Kürzungen in Aussicht: Die Kosten stünden ungeachtet der jüngst verhängten Maßnahmen weiter auf dem Prüfstand. Die Investmentbank hatte erst in den vergangenen Monaten den Abbau von 4000 - oder sieben Prozent - der Stellen angekündigt. Ob weitere Arbeitsplätze zur Disposition stehen, ließ Gorman in dem Interview offen. Trotz der jüngsten Sparrunden gebe es weiterhin zu viele Investmentbanker, sagte der Wall-Street-Chef.
yes/dpa
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