"MS Deutschland" Bewährungsstrafen für Reederei-Erbinnen Deilmann

Sie hatten gegenüber dem Insolvenzverwalter Vermögenswerte verschwiegen. Dafür sind die Erbinnen der "MS-Deutschland"-Reederei Deilmann jetzt zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

"MS Deutschland" in Hamburg (Archiv)
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"MS Deutschland" in Hamburg (Archiv)


Die Erbinnen der Reederei Deilmann kommen um eine Gefängnisstrafe herum. Das Landgericht Lübeck verurteilte die Schwestern Gisa und Hedda wegen Bankrotts unter Einbeziehung eines Urteils in anderer Sache zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Die Schwestern hatten angesichts der drohenden Pleite der Reederei ihre Wohnhäuser über Treuhandverträge an ihre Mutter und ihre Ehemänner übertragen, das aber verschwiegen. Für diesen Tatbestand des Bankrotts sieht das Gesetz bis zu fünf Jahre Gefängnis vor. Vom Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung sprachen die Richter die Schwestern nun frei. Auch die ebenfalls angeklagte Mutter und ein Notar wurden freigesprochen.

Die Schwestern hatten die Reederei, die vor allem durch das frühere ZDF-Traumschiff "Deutschland" bekannt geworden war, nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters 2003 geerbt. 2010 mussten sie Insolvenz anmelden.

Gericht folgt der Anklage

Das Gericht musste sich erneut mit dem Steuerprozess befassen, weil der Bundesgerichtshof im März 2017 ein Urteil des Landgerichts Lübeck gekippt hatte. Darin waren die Schwestern wegen versuchter Steuerhinterziehung und Bankrott zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Mit dem Urteil folgte das Gericht nun dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und sechs Monaten gefordert. Für die Mutter und den Notar beantragten sie Freisprüche.

"Eine versuchte Erbschaftsteuerhinterziehung haben wir den Angeklagten nicht nachweisen können", sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer, Kay Schröder, zur Begründung. Deshalb seien sie von diesem Vorwurf freizusprechen gewesen.

Unstrittig sei dagegen, dass Gisa und Hedda Deilmann gegenüber dem Insolvenzverwalter Vermögenswerte verschwiegen hätten, um sie dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen, sagte der Richter.

"Rückwirkend betrachtet wäre es wohl besser gewesen, die Erbschaft nicht anzunehmen oder zumindest einen Testamentsvollstrecker einzusetzen", sagte der Vorsitzende zu den sichtlich erleichterten Erbinnen.

brt/dpa-afxp

insgesamt 3 Beiträge
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schocolongne 22.02.2018
1. ist das Gericht Befangen?
Klingt doch komisch wenn das Gericht sagt: "Eine versuchte Erbschaftssteuerhinterziehung haben wir den Angeklagten nicht nachweisen können", denn der Nachweis wäre doch eigentlich die Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen und nicht der Richter. Sigmund Freud hätte seine Freude an solchen unseligen Bürokraten.
MisterD 22.02.2018
2. Viel mehr würde mich interessieren...
was mit den Häusern, also quasi der Beute des Raubzuges, passiert??? Bleiben diese im Besitz der Familie? Oder werden sie nun genutzt, um den geprellten Gläubigern zumindest noch einen kleinen Teil ihres Geldes zu ersetzen?
Hamberliner 22.02.2018
3. seltsame Semantik
Da haben Juristen mal wieder Probleme mit der Semantik der deutschen Sprache. Bankrott oder Pleite ist immer noch der umgangssprachliche Ausdruck für den Konkurs oder die Insolvenz auch ohne den in §283 StGB definierten Betrug.
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