Einspruch Paprika-Patent erregt internationalen Protest

Ein Schweizer Konzern hat sich exklusive Rechte an einer Paprikasorte gesichert. Ein Zusammenschluss von Agrar- und Umweltgruppen legt jetzt Einspruch gegen das entsprechende Patent ein. Ihre Sorge: Die Grundlagen der Ernährung könnten in die Abhängigkeit weniger Konzerne geraten.

Paprika (Symbolbild): Entscheidung über Patent erst nach Brokkoli und Tomate
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Paprika (Symbolbild): Entscheidung über Patent erst nach Brokkoli und Tomate


Hamburg/München - Ein internationales Bündnis von Bauern, Züchtern und Umweltschützern protestiert gegen ein umstrittenes Patent. Es sichert dem Schweizer Konzern Syngenta seit Mai 2013 exklusive Rechte auf gegen weiße Fliegen resistente Paprika zu. Jetzt haben sich zahlreiche Organisationen zusammengeschlossen, um Widerspruch gegen das Patent mit der Chiffre EP2140023 beim Europäischen Patentamt (EPA) in München einzulegen.

Das Patent sei für viele europäische Länder gültig und bedeute, dass die Pflanzen nicht mehr frei zur Zucht verwendet werden dürfen, argumentiert das Bündnis "Keine Patente auf Saatgut!". Die Grundlagen der Ernährung könnten so in die Abhängigkeit weniger internationaler Konzerne geraten. An dem Einspruch beteiligen sich 32 Bauern-, Züchter-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen aus 26 Ländern.

Zwei Präzedenzfälle für einen gezüchteten besonderen Brokkoli und eine Schrumpeltomate mit niedrigem Wassergehalt liegen noch bei der obersten EPA-Instanz, der sogenannten Großen Beschwerdekammer. Deshalb sei im Oktober 2013 ein Stopp für alle Verfahren angeordnet worden, deren Ausgang von dieser Entscheidung direkt abhänge, sagte der stellvertretende EPA-Sprecher Rainer Osterwalder. Über den Einspruch gegen das Paprikapatent werde erst nach der Entscheidung in Sachen Brokkoli und Tomate befunden.

In Deutschland ist die Patentierung von Tieren und Pflanzen aus konventioneller Züchtung mittlerweile verboten. Die im Juni vergangenen Jahres beschlossene Gesetzesänderung ist für das EPA aber nicht bindend. Zuletzt hatte eine Tochterfirma des US-Agrarkonzerns Monsanto ein Patent auf Brokkoli-Pflanzen erhalten, die einfacher zu ernten seien.

bos/dpa/AFP



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insgesamt 7 Beiträge
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franko_potente 03.02.2014
1.
Zitat von sysopDPADie Vergabe exklusiver Rechte an einer Paprikasorte trifft auf viel Gegenwehr. Ein Zusammenschluss von Agrar- und Umweltgruppen hat Einspruch gegen das entsprechende Patent eingelegt. Ihre Sorge: Die Grundlagen der Ernährung könnten in die Abhängigkeit weniger Konzerne geraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/muenchen-paprika-patent-beim-europaeischen-patentamt-epa-erregt-protest-a-950862.html
und all das wäre unmöglich, wenn wir das Freihandelsabkommen unterzeichnen. Die US Konzerne würden die Eurozone dann einfach auf Schadenersatz verklgen
bluebill 03.02.2014
2. Die Ernährung
liegt doch sowieso in den Händen einiger Großkonzerne, zumindest was den Handel angeht. Der diktiert alle -teils völlig irrationalen- EU-Normen und macht den Erzeugern die absurdesten Vorgaben. Da es kaum noch unabhängige "Tante Emma"-Läden gibt, sondern nur noch Kettenfilialen, findet der Verbraucher fast nur noch genormte, auf Optik gezüchtete Ware vor. Alles schön ebenmäßig und leuchtend bunt und gut haltbar, aber ziemlich geschmackfrei. Letzteres wird in Kauf genommen, der Kunde bemerkt es ja erst, wenn er die Ware schon gekauft hat - damit hat sie ihren Zweck erfüllt. Alternativen gibt es eh kaum. Und nicht jeder kann nach Feierabend noch schnell zum Biobauern.
jber 03.02.2014
3. Unterzeichnet das Freihandelsabkommen
und dann darf uns Monsanto endlich auf den entgangenen Gewinn verklagen. Wir müssen uns endlich gegen diese amerikanischen Heuschrecken wehren.
micha.w 03.02.2014
4. TTIP wehrt euch solange es noch geht!
Vorboten des hinter unserem Rücken "verhandelten" Freihandelsabkommens mit den USA. Bravo, verkauft uns Bürger nur, es wird der Tag kommen an dem wir uns mit aller Gewalt wehren. Bitte an alle: Unterzeichnet zumindest, wenigstens Online Petitionen gegen diesen Wahnsinn.
gog-magog 04.02.2014
5.
Zitat von franko_potenteund all das wäre unmöglich, wenn wir das Freihandelsabkommen unterzeichnen. Die US Konzerne würden die Eurozone dann einfach auf Schadenersatz verklgen
Ein Abkommen, dass die Gier von Privatunternehmen über die Legislative als einzig mögliche demokratische Instanz stellt, ist sittenwidrig, weil es gegen die Verfassung verstößt. Daher DARF es niemals unterzeichnet werden. Der Unterzeichner wäre persönlich schadensersatzpflichtig und zwar gegenüber dem Steuerbürger. Wer auch nur erwägt, ein solches Abkommen zu unterzeichnen, im dem die demokratischen Instanzen eines Landes geschädigt werden, verwirkt jegliches Recht, den Bürger Europas überhaupt zu vertreten. Ohne Mitwirkung des Volkes ist ein solches Abkommen niemals wirksam in Kraft zu setzen. Demokratie heißt nicht, dass die Volksvertreter gegen den Willen des Volkes handeln dürfen, um sich selbst die Taschen zu füllen.
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