Multimilliarden-Deal: Novartis übernimmt Mehrheit an Augenheilspezialisten

Novartis steigt groß ins Augenheil-Geschäft ein. Der Schweizer Pharmariese hat seinen Aktienanteil am Branchenspezialisten Alcon auf 77 Prozent aufgestockt. Kosten des Großeinkaufs: mehr als 28 Milliarden Dollar.

Novartis-Zentrale in Basel: Stellenstreichungen nicht zu befürchten Zur Großansicht
AFP

Novartis-Zentrale in Basel: Stellenstreichungen nicht zu befürchten

Basel - Der Pharmakonzern Novartis übernimmt von Nestlé gut 52 Prozent an dem Augenheilmittelhersteller Alcon. Novartis kommt nun auf einen Anteil von 77 Prozent an dem Branchenspezialisten. 28,1 Milliarden Dollar lässt sich Novartis die Übernahme des Aktienpakets kosten. Der Übernahmepreis entspricht 180 Dollar pro Alcon-Aktie, wie Novartis am Montag mitteilte.

Finanziert werden soll die Mega-Transaktion aus liquiden Mitteln und Krediten bis zu 16 Milliarden Dollar. Zudem will Novartis 107 Millionen eigene Aktien einsetzen und dazu noch 98 Millionen neue Titel im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgeben.

Für Novartis ist es eine Investition in die Zukunft. In den kommenden Monaten läuft der Patentschutz für einige Medikamente aus, die einen zentralen Anteil am Umsatz lieferten. Nun soll das Geschäft mit nicht-verschreibungspflichtigen Gesundheitsprodukten Ersatz liefern. Und der Augenheilkunde-Spezialist Alcon passt den Schweizern dabei gut ins Konzept.

"Die Übernahme von Alcon wird unser Gesundheitsportfolio und unsere Position in der Augenheilkunde strategisch verstärken", sagte Vorstandschef Daniel Vasella.

Novartis will bald auch den Rest von Alcon übernehmen. Für die dann noch ausstehenden 23 Prozent des Aktienkapitals bietet Novartis 2,8 eigene Aktien, was den Konzern nochmals rund 11,2 Milliarden Dollar kosten wird. Mit 153 Dollar je Aktie liegt das Angebot allerdings unterhalb der 180 Dollar, die Novartis je Aktie an Nestlé zahlt. Analysten rechnen allerdings damit, dass Novartis das Angebot noch aufstocken wird.

Börse reagiert gelassen

Die Börse reagierten gelassen auf Nachricht. Der Nestlé-Kurs stieg um rund 0,7 Prozent, während sich Novartis-Titel kaum bewegten. Analysten zufolge gab es in den vergangenen Wochen Hinweise auf eine schnellstmögliche Abwicklung der Alcon-Übernahme. Überraschend sei allerdings, dass Novartis und nicht Nestlé als treibende Kraft hinter der Firmentransaktion stecke.

Es sei nicht auszuschließen, dass Novartis seine Offerte an die verbleibenden Publikumsaktionäre von Alcon noch nachträglich werde nachbessern müssen. In Bezug auf Nestlé wird die Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms im Gegenwert von zehn Milliarden Franken als enttäuschend beurteilt.

Synergieeffekte im Umfang von 300 Millionen Dollar

Novartis hatte Nestlé im April 2008 das erste Alcon-Viertel für gut zehn Milliarden Dollar abgekauft und sich die Option auf die jetzige Mehrheitsübernahme gesichert. Die vollständige Übernahme wird den Konzern insgesamt knapp 50 Milliarden Dollar kosten. Das Synergie-Potential durch den Kauf bezifferte Novartis mittelfristig auf 300 Millionen Dollar.

Novartis will Alcon mit seinem eigenen Augenheilkundegeschäft zusammenlegen. Die neue Sparte soll auf einen Proforma-Umsatz von rund 8,5 Milliarden Dollar kommen. Vasella zeigte sich zuversichtlich, dass die restlichen Alcon-Aktionäre die Offerte annehmen werden. Größeren Bedarf für Stellenstreichungen sieht er nach dem Schulterschluss nicht. Neue Stellen dürften wegfallende kompensieren.

Nestlé wiederum will nach dem Verkauf seines Alcon-Anteils ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über umgerechnet 6,7 Milliarden Euro auflegen. Dieses Programm soll in diesem Jahr beginnen und über zwei Jahre laufen. Es löst das bisherige 25 Milliarden Franken schwere Rückkaufprogramm ab. Analysten hatten darauf spekuliert, Nestlé würde einen Teil des Verkaufserlöses für eigene Übernahmen nutzen.

mik/dpa-AFX/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Novartis
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
  • Zur Startseite