Multimillionen-Deal Vattenfall verkauft Stromnetz an belgische Elia

Der Deal ist perfekt: Nach monatelangen Verhandlungen hat Vattenfall den Verkauf seiner deutschen Stromleitungen besiegelt. Das knapp 10.000 Kilometer lange Netz geht an das belgische Unternehmen Elia und den australischen Fonds IFM. Kaufpreis: 810 Millionen Euro.

Vattenfall-Netz: Stromfernleitungen verkauft
ddp

Vattenfall-Netz: Stromfernleitungen verkauft


Brüssel/Berlin - Das rund 9.700 Kilometer lange Hochspannungsnetz im Osten und Norden Deutschlands kommt in neue Hände. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall verkauft die Stromautobahnen - Rückgrat der Versorgung von 18 Millionen Menschen - an den belgischen Betreiber Elia und den australischen Investor Industry Funds Management (IFM).

Der Wert wurde mit 810 Millionen Euro beziffert, wie die deutsche Vattenfall Europe AG am Freitag mitteilte. Die künftigen Eigentümer übernehmen auch zugesagte Investitionen. Es ist bereits der zweite Netzverkauf in kurzer Zeit. Ende Februar hatte schon der größte deutsche Energiekonzern E.on den Verkauf seiner Hochspannungsleitungen an die niederländische Tennet besiegelt.

Die Übernahme muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Sie soll bis Ende Juni abgeschlossen werden. Elia soll dann 60 Prozent am Stromnetz halten, IFM den Rest. Die Tarife für die Kunden würden sich nicht ändern.

Der Einigung waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen, die unter anderem durch die Folgen der Finanzkrise behindert wurden. Vattenfall stand mehrmals kurz vor einem Verkauf, und auch der Aufsichtsrat der deutschen Tochter Vattenfall-Europe hatte einem Verkauf Ende letzten Jahres bereits zugestimmt. Der Verkaufsprozess ging jedoch in eine neue Runde, nachdem der Konkurrent E.on sein kaum größeres Netz für rund eine Milliarde Euro und damit deutlich mehr als die mit Elia damals verhandelte Summe verkaufte.

Løseth ab April Vattenfall-Chef

Vattenfalls Stromautobahnen sichern die Verbindung von Europas größtem Strommarkt nach Dänemark, Polen und Tschechien. Wegen der Nähe zu den nord- und ostdeutschen Windkraftstandorten hat dieses Netz besondere Bedeutung für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Das Netz erstreckt sich über die fünf neuen Bundesländer und Hamburg.

Die Frage der Netze spielt eine wichtige Rolle im politischen Ringen um mehr Wettbewerb und niedrigere Preise auf den europäischen Energiemärkten. E.on hatte mit der EU-Kommission vereinbart, sein Netz abzugeben und sich von Kraftwerkskapazitäten zu trennen. Damit wurde ein lange schwelender Kartellstreit beigelegt. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben, die Netze aller vier großen Strombetreiber in Deutschland in einer unabhängigen "Netz AG" zu verschmelzen.

Auf der Pressekonferenz gab der Energieriese zudem den genauen Termin bekannt, zu dem der Norweger Øystein Løseth den Schweden Lars Josefsson an der Vattenfall-Spitze ablöst: Der Wachwechsel soll am 12. April stattfinden. Løseth war bis Ende vergangenen Jahres Chef bei dem von Vattenfall übernommenen niederländischen Energieversorger Nuon. Josefsson musste nach anhaltender Kritik an dem Energiekonzern zurücktreten.

ssu/dpa/Reuters



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