Chefwechsel Munich Re braucht Nachfolger für Nikolaus von Bomhard

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re bekommt einen neuen Chef. Nach manager-magazin-Informationen wird Nikolaus von Bomhard seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard
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Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard

Von manager-magazin-Redakteur Dietmar Palan


Nikolaus von Bomhard (59) ist so etwas wie der Edelmann unter den Konzernherren der Dax-Liga. Immer souverän und beherrscht, immer in der gleichen Tonlage, ganz gleich ob die Nummer eins der Munich Re auf dem Höhepunkt der Euro-Krise die Zerschlagung der Großbanken forderte oder den mit Hostessen ausstaffierten Betriebsausflug ausgewählter Vertreter der Konzerntochter Ergo verdammte. Seine Contenance ist dem Chef des weltgrößten Rückversicherers in der Öffentlichkeit jedenfalls nie abhandengekommen.

Das wird sich jetzt auch nicht ändern. Am 29. Juli wird der Mann 60 und erreicht damit die konzerninterne Altersgrenze, ab der Vorstandsverträge nur noch auf Jahresbasis verlängert werden. Tatsächlich aber wird er anschließend nur noch 155 Tage im Amt sein und pünktlich zum Jahreswechsel an seinen Nachfolger übergeben.

Der heißt vermutlich Thomas Blunk (50). Der einstige Roland-Berger-Consultant sitzt bereits seit knapp zehn Jahren im Vorstand und war bislang für das Geschäft mit Spezial- und Finanzrisiken zuständig. Er erfüllt vor allem ein Kriterium, das bei der Besetzung des CEO-Postens in der Königinstraße immer sehr wichtig ist: Er ist jung genug, um noch für eine mögliche zweite Amtsperiode zur Verfügung zu stehen. Der einzige andere Vorstand, für den dieses Kriterium ebenso gilt, ist Joachim Wenning (50), zuständig für Personal und das Lebensrückversicherungsgeschäft.

Das Unternehmen wollte zu dem möglichen Wechsel an der Spitze keine Stellungnahme abgeben. Über die Bomhard-Nachfolge will der Aufsichtsrat der Munich Re am Dienstag in der kommenden Woche entscheiden (15.3.).

Die Rochade ist der Nachfolgeplanung an der Spitze des Aufsichtsrats geschuldet. Der gegenwärtige Chef des Kontrollgremiums, der einstige BMW- und VW-Lenker Bernd Pischetsrieder (68), ist bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2019 gewählt. Eine weitere Periode kommt aus Altersgründen nicht mehr infrage. Zu diesem Zeitpunkt hat von Bomhard die gesetzlich vorgeschriebene Cooling-off-Periode abgesessen und kann sich, so wie es die meisten seiner Vorgänger auch gehalten haben, zum Aufsichtsratschef wählen lassen.

Rein nach der Papierform ist von Bomhard auch der logische Kandidat, da das Gremium auf der Kapitalseite gegenwärtig ohne ausgewiesene Versicherungskompetenz auskommen muss.

Baustelle Ergo: Jetzt muss Markus Rieß liefern

Ob er am Ende tatsächlich zum Zug kommt, hängt allerdings entscheidend von der Performance von Markus Rieß (49) ab. Die einstige Nummer eins der Allianz Deutschland und heutiger Chef des Düsseldorfer Ergo-Konzerns muss innerhalb der kommenden drei Jahre schaffen, was unter von Bomhards Ägide trotz aller Anstrengungen nur Stückwerk blieb: Das Retailgeschäft der Munich Re zu sanieren und den Lebens-, Kranken-, Sach- und Rechtsschutzeinheiten eine dauerhafte Wachstumsperspektive zu verschaffen.

Von Bomhard hatte sich stets geweigert, den Forderungen seiner Aktionäre nachzugeben und die Aktivitäten der Ergo zu verkaufen. Aber statt die Einzelteile des Konzerns, der Ende der Neunzigerjahre aus den Traditionsadressen Victoria, Hamburg Mannheimer, DAS und DKV entstanden war, mit harter Hand zu integrieren, verfolgte er eine Politik der langsamen Schritte und scheiterte krachend. Nach zehn Jahren voller Integrations- und Restrukturierungsprogramme sind die Kosten noch immer zu hoch, verliert die Ergo noch immer Kunden und Marktanteile. Trendwende? Fehlanzeige.

Im Frühjahr vergangenen Jahres lotste von Bomhard Rieß als Sanierer von München nach Düsseldorf, verschaffte ihm anders als seinen Vorgängern einen Sitz im Vorstand der Konzernmutter und stattete ihn mit einer Carte blanche für seinen Sanierungsauftrag aus.

Denn eines ist klar: Wenn Rieß nicht liefert, dann gibt es auch für die Ergo keine Zukunft mehr unter dem Dach der Munich Re. Und für diesen Fall werden auch die Aktionäre die Ära des heutigen Vorstandsvorsitzenden anders beleuchten - vor allem, wenn der erzielbare Preis für die Ergo-Anteile deutlich hinter den Werten zurückbleiben sollte, der derzeit in den Bilanzen steht.

Dass Riess einmal selbst von Bomhards Nachfolger als Munich-Re-Chef werden könnte, stand angesichts dieser Begleitumstände nie zur Debatte. Von Bomhard braucht Rieß viel zu sehr in Düsseldorf, um in München Aufsichtsratsvorsitzender werden zu können.



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