Muslimische Modeschöpfer: "Es gibt Leute, die uns die Hölle prophezeien"

Von Lars Geiges, Witten an der Ruhr

"Terror hat keine Religion", "Gebete sind die Waffen eines Gläubigen": Zwei junge Muslime machen Mode mit religiösen Botschaften. Weil die Klamotten reißenden Absatz finden, verdienen die Firmengründer gutes Geld. Sie ernten aber auch Hass - nicht nur von Rechtsradikalen.

Mode: Zwischen Islam und Streetwear Fotos
Koray Sen / Styleislam

Die Resonanz hat Melih Kesmen überwältigt. Schließlich trug er nur ein einfaches T-Shirt. Doch nie zuvor hatten ihn so viele Menschen auf seine Kleidung angesprochen. Nie kam er schneller mit Leuten ins Gespräch. In der Bahn, im Café, bei der Arbeit. Das T-Shirt war nur ein Massenprodukt, das Besondere war der Aufdruck - der in Großbuchstaben eine klare Botschaft verkündete: "I Love My Prophet" hatte sich Kesmen, der gläubige Muslim, aufs T-Shirt geschrieben.

Damals arbeitete er für eine Londoner Werbeagentur. Fünf Jahre ist das jetzt her. Heute sitzt der 35-Jährige in einem schicken Agenturbüro im nicht ganz so schicken Witten an der Ruhr, vor ihm ein großer weißer Computerbildschirm, an der Wand hängen Skizzen von neuen Motiven. Und manchmal kann er es noch immer nicht fassen: "Die Reaktionen auf dieses simple T-Shirt waren unfassbar", sagt er. Kesmen sah seine große Chance - und eine Marktlücke.

Aus dem Grafikdesignstudenten wurde ein Unternehmer. Aus dem schlichten T-Shirt des Gründers mit entstand ein ganzes Mode-Label mit inzwischen sieben Mitarbeitern: Styleislam, urbane Kleidung mit muslimischen Botschaften. Wie viel Geld Kesmen mit seiner Firma verdient, will er nicht sagen. Nur so viel verrät er: Seit der Gründung 2008 hat sich der Umsatz verzehnfacht. Was die These belegt, dass ich mit guten Ideen in der Regel auch gutes Geld verdienen lässt.

Die Idee entstand zu einer Zeit des Hasses, im Herbst 2005. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte gerade die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. In muslimischen Ländern gab es gewalttätige Proteste, Botschaften brannten, Menschen starben. Wenige Monate zuvor hatten Kesmen und seine Ehefrau Yeliz miterleben müssen, wie islamistische Selbstmordattentäter Londoner U-Bahnen und einen Doppeldeckerbus in die Luft sprengten. Kesmen wollte da eigentlich nur ein kleines Zeichen setzen. Auch weil er es satt hatte, dass man seine Religion mit Hass und Gewalt verband.

"Aber die Leute hätten mir das Shirt am liebsten vom Leib gerissen", erzählt Kesmen. Das Lob, das Lächeln, das freundliche Nicken fremder Menschen. Und immer wieder die Frage, wo es denn solche T-Shirts zu kaufen gebe: "Da mussten wir einfach mehr draus machen."

Hip-Hop-Mode mit Friedensbotschaften

Zurück in Deutschland entwarfen Kesmen und seine Frau 30 Motive, die sie seitdem auf T-Shirts und Pullover, aber auch auf Armbänder, Taschen und Babystrampler drucken. Dazu gehören Aufschriften wie "Terrorism Has No Religion" (Terrorismus hat keine Religion) oder "Make Çay Not War" (Macht Tee, keinen Krieg). Andere Botschaften richten sich direkt an Muslime. Zum Beispiel: "Du'a - The Weapon Of The Believer" (Bittgebete - die Waffen eines Gläubigen), "Hijab - My Right, My Choice, My Life" (Das Kopftuch - mein Recht, meine Entscheidung, mein Leben) oder "Salah - Always Get Connected" (Das Gebet - verbinde Dich immer).

Dass Kesmen jahrelang in der Hip-Hop-Szene des Ruhrgebiets unterwegs war, sieht man seiner Mode an. Die T-Shirts sind bunt und lässig geschnitten. Es gibt weite Pullover mit großen Kapuzen. Schriftzüge und Zeichnungen sind oft im Graffiti-Stil. Seit kurzem verkauft das Label auch sogenannte Q-Bla-Bags. Umhängetaschen, an denen echte Gebetsteppiche mit Klettverschlüssen befestigt sind. Q-Bla (lang: Qibla) steht dabei für die Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka. "Die kann man aber auch gerne zum Picknicken verwenden", sagt Melih Kesmen und lächelt.

Ost und West, Abendland und Morgenland, Glaube und Streetwear: Es ist der Gegensatz, der den Reiz ausmacht. Und scheinbar den Zeitgeist trifft. Das Lebensgefühl einer jungen muslimischen Generation zwischen den Kulturen. Kesman verkauft seine Produkte auf der ganzen Welt. Allein in der vergangenen Woche habe er Bestellungen aus Russland, Brasilien, Australien und den USA erhalten, sagt er. Auch an Mormonen und konservative Christen habe er schon geliefert. Ein Viertel der Kunden sei nicht muslimischen Glaubens.

Die ersten Läden des Mode-Labels stehen aber in der islamischen Welt. In Istanbul, Riad und Medina. Aber in Dortmund oder Duisburg soll schon bald das erste deutsche Geschäft eröffnet werden.

"Jesus was a Muslim" aus dem Programm genommen

An der Schnittstelle der Kulturkreise hat Kesmen seine Nische gefunden. Eine lukrative noch dazu. Nach einer Studie der French Fashion University "Esmod" in Dubai werden allein mit islamischer Mode weltweit jährlich mehr als 96 Milliarden Dollar umgesetzt.

Doch mit seiner Mode eckt er auch an. Das T-Shirt mit der Aufschrift "Jesus Was A Muslim" hat die Firma nach Protesten aus Bayern freiwillig aus dem Programm genommen. Und gegen die Verwendung der Aufschrift "Juma" (Freitagsgebet) hatte der Sportartikelhersteller Puma geklagt. Man einigte sich außergerichtlich. Hinzu kommt die Wut-Post, regelmäßige Schmähbriefe aus dem rechtsradikalen Milieu. Aber auch zornige Muslime schreiben ihm Hass-Mails. Kesmen nutze die Religion aus, "um abzucashen", sprich sich schamlos zu bereichern. "Da waren schon Leute dabei, die uns die Hölle prophezeit haben", sagt er.

Das alles sei aber absoluter Quatsch, findet Kesmen. Und auf einmal redet er sich in Rage: "Es bringt doch nichts, wenn ich als Moslem 1000-und-eine-Nacht-Karneval spiele, aussehe wie ein Beduine und meine, das macht mein Moslem-Sein aus", sagt er. Beim Glauben gehe es um innere Werte, um das Herz und die Beziehung zum Schöpfer. Dass viele Muslime denken würden, sie müssten mit dem Islam auch die orientalische Kultur annehmen, sei "eine beschränkte Vorstellung", so Kesmen. "Klamotten sind Teil unserer Identität als europäische Moslems". Für ihn gibt es nur zwei Dinge, die er niemals auf ein T-Shirt drucken würde: Koranverse und den Namen Gottes. Das wäre für Muslime respektlos.

Auch weil Kesmen seine Meinung selbstbewusst vertritt, ist er ein gefragter Gesprächspartner. Er sieht sich als sozialen Unternehmer, der das Zusammenleben fördert. Aber natürlich will er auch Geld verdienen. Und - auch wenn es pathetisch klingt - zeigen, dass sich weltlicher Erfolg und Spiritualität nicht ausschließen. Deutsch-Sein und Moslem-Sein gehen zusammen.

Man müsse sich dafür nicht aufgeben und keine Werte über Bord werfen, sagt Kesmen. Schließlich kenne er als Kind des Ruhrpotts mit türkischen Eltern die Situation nur allzu gut. Er nennt es "multiple Identität". Ein Teil seiner jungen Kunden lebe dieses neue Selbstverständnis vor. Sie könnten Vorbilder werden, hofft er.

Selbst merke er immer am besten, wohin er gehört, wenn er in das Geburtsland seiner Eltern reist. Erst kürzlich war Kesmen in der Türkei, um mit einem Fußballprofi eine Fotokampagne für sein Label zu vereinbaren. "Wenn ich dort bin", sagt Kesmen, "dauert es aber höchstens zwei Wochen und ich will wieder nach Hause."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 198 Beiträge
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1. Sensationelle Idee...
Chris-Gardner 23.04.2011
Auf den Pfaden des Sohnemann von Boris Becker gelingt auch diesen aufgeklärten Migranten ein Geniestreich: der Verkauf von T-Shirts! Ok, was Toleranz angeht sind sie vielleicht noch ein wenig in ihren natürlichen Denkmustern verhaftet ("Jesus was a Muslim"... die missionarische Komponente insb. dieser Religion kann nicht einfach so überwunden werden...), aber immerhin leben sie von ihrer Hände arbeit.
2. Peinliche Anbiederei
Dr. Strangelove 23.04.2011
Der Philoislamismus in den deutschen Medien nimmt immer üblere Züge an. Jetzt hat man also jemanden gefunden, der Islam-Sprüche auf T-Shirts druckt. Na toll. Gehts auch mal etwas kritischer? Welche Auswirkungen hat es für die Gesellschaft, wenn jeder seine Überzeugung derart zu Markte trägt. Bei den rechten Thor Steinar-Trägern soll von Übel sein, was hier bewundert wird. Jetzt können noch die radikalen Christen nachziehen und schließlich die Jünger von Richard Dawkins. Sowas kann nur eine Separation fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Broder hat es richtig ausgedrückt. Religion sollte zu Hause oder in geschlossenen Räumen stattfinden. In der Öffentlichkeit hat sie nichts zu suchen. Bei all den Verbrechen, die im Namen von Christentum und Islam bereits stattgefunden haben, können deren Anhänger froh sein, dass man beide nicht bereits zu verbrecherischen Organisationen erklärt hat.
3. Weiter denken! Sie haben es fast geschafft!
UnitedEurope 23.04.2011
Zitat von Dr. StrangeloveDer Philoislamismus in den deutschen Medien nimmt immer üblere Züge an. Jetzt hat man also jemanden gefunden, der Islam-Sprüche auf T-Shirts druckt. Na toll. Gehts auch mal etwas kritischer? Welche Auswirkungen hat es für die Gesellschaft, wenn jeder seine Überzeugung derart zu Markte trägt. Bei den rechten Thor Steinar-Trägern soll von Übel sein, was hier bewundert wird. Jetzt können noch die radikalen Christen nachziehen und schließlich die Jünger von Richard Dawkins. Sowas kann nur eine Separation fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Broder hat es richtig ausgedrückt. Religion sollte zu Hause oder in geschlossenen Räumen stattfinden. In der Öffentlichkeit hat sie nichts zu suchen. Bei all den Verbrechen, die im Namen von Christentum und Islam bereits stattgefunden haben, können deren Anhänger froh sein, dass man beide nicht bereits zu verbrecherischen Organisationen erklärt hat.
Ihr Kommentar wäre so weit nicht zu beanstanden, wenn sie ihn zu Ende denken würden: Wieso stören Sie sich denn dann nicht auch an Kreuz-Ketten, Kirchen, Nonnen oder Feiertagen, die auf einer Religion basieren ? Zudem muss man anerkennen, dass Muslime inwzischen so in Verruf geraten sind, dass solche Botschaften wie "Jesus&Mohammed, Brüder im Glauben" durchaus eine aufklärende Wirkung haben können und als eine Art Bekenntnis zu deuten sind, dass man selbst zwar überzeugter Moslem ist, jedoch Jesus oder sonst wen genau so respektiert. Daran kann ich per se nichts schlimmes erkennen. Wenn Sie sich an öffentlich zur Schau getragenen Religion stören, dann doch bitte an jeder Religion. Egal ob jetzt das alte Argument kommt, Europa sei "christlich" gepräft.
4. Sie müssen ein sehr verbitterter Mann sein
bernardmarx 23.04.2011
Zitat von Chris-GardnerAuf den Pfaden des Sohnemann von Boris Becker gelingt auch diesen aufgeklärten Migranten ein Geniestreich: der Verkauf von T-Shirts! Ok, was Toleranz angeht sind sie vielleicht noch ein wenig in ihren natürlichen Denkmustern verhaftet ("Jesus was a Muslim"... die missionarische Komponente insb. dieser Religion kann nicht einfach so überwunden werden...), aber immerhin leben sie von ihrer Hände arbeit.
Was gibt es an der Aussage "Jesus was a Muslim" auszusetzen? Rund eineinhalb Milliarden Menschen glauben das. Es gibt zwar gut über zwei Milliarde Menschen, die denken, dass er ein Christ war. Aber immerhin ist es über 3 Milliarden Menschen vollkommen Wurst, was vor 2000 Jahren in einer entfernten Provinz des römischen Reiches passierte. Der Spruch hat genauso seine Berechtigung wie die Tatsache, dass die Wahrheit über Gott die folgende ist: Sie ist schwarz!
5. Ein gutes Geschaeftsmodell !!
Georgius 23.04.2011
Das gefaellt mir wirklich. !! Wer es mag, seine Religion Islam so zu praesentieren, mag es moegen. Es schadet Niemandem. Jedoch fatal waere es, die politische Ideologie Islam dort einzubeziehen und zu praesentieren, i.e. der Kopftuchspruch, der keine religioese Bindung hat, sondern nur auf soziale Abgrenzung = Desintegration zielt. Das koennte fuer das sonst gute Geschaeftsmodell boese Folgen haben. !! Oster-Gruss aus Saigon George
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Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.
Islam , Christentum und Judentum eint vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.
Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ). Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten , fast alle übrigen Sunniten .
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.
Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch göttlichen Ursprungs gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.
Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.
Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten , auf denselben Text.
Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.
Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mekka
Mekka ist als Geburtsort des Propheten Mohammed die heiligste Stadt und der wichtigste Wallfahrtsort des Islam . Mittelpunkt Mekkas ist die Kaaba im Hof der Hauptmoschee. Jeder Moslem muss einmal im Leben dieses Heiligtum im Westen von Saudi-Arabien besuchen - vorausgesetzt, seine Gesundheit und finanziellen Mittel lassen die Reise zu. Nicht-Moslems dürfen die nähere Umgebung der Stadt nicht betreten.
In der ganzen Welt richten sich die Gebetsnischen der Moscheen nach Mekka und zeigen damit den Betenden die Richtung an, in die sie sich niederzuwerfen haben.
Mekka ist ein reines Kult- und Kulturzentrum ohne Industrie oder Landwirtschaft.
Kaaba
Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka , das heute von einer riesigen Moschee umbaut ist. Sie ist das Zentrum der islamischen Religion, zu ihr wenden sich alle Muslime beim Ritualgebet, zu ihr pilgern alljährlich Millionen Gläubige. Sie umkreisen den Bau und versuchen, den in die Ostecke eingelassenen schwarzen Stein (möglicherweise ein Meteorit) zu küssen.
Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba ein bedeutendes Heiligtum. Nach islamischer Vorstellung ist sie "das erste Haus Gottes auf Erden" (Sure 3, Vers 96), erbaut vom Propheten Abraham. Jedes Jahr zum Ende des Hadsch wird die Kaaba mit einem Überzug aus schwarzem Brokat neu eingekleidet.
Hadsch
Hadsch , die Pilgerfahrt nach Mekka im heutigen Saudi-Arabien ist eine der fünf Säulen des Islam . Sie findet im letzten Monat des islamischen Mondjahres statt. Fast drei Millionen Gläubige nehmen an den Riten teil, zu denen außer dem Umkreisen der Kaaba auch der Aufenthalt am Berg Arafat und eine symbolische Steinigung des Satans gehören. Nach dem Opferfest und der Rückkehr nach Mekka mit erneuter Umrundung der Kaaba endet der Weihezustand (arab. "Ihram"), in dem sich die Pilger befinden, und sie legen das Pilgergewand ab. Fortan dürfen die Männer den Ehrentitel Hadsch bzw. Hadschi führen, Frauen werden Hadscha genannt.
Bilderfeindlichkeit
Der Koran kennt kein Verbot der bildlichen Darstellung. Allerdings bezeichnet eine Vielzahl von Prophetenworten (Hadith) die Nachbildung von Mensch und Tier als blasphemisch und daher als verboten: Gott allein dürfe Lebewesen erschaffen. Daher vertraten sunnitische wie schiitische Rechtsgelehrte seit dem 8. Jahrhundert eine bilderfeindliche Haltung.
Trotzdem entwickelte sich in der islamischen Welt eine reiche Maltradition, die im 12. Jahrhundert in der Buchkunst ihren Ausgang nahm. Im 14. Jahrhundert entstanden sogar Illustrationen, die Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigen. Nur der Koran wurde nie bildlich verziert.