Mutmaßlicher Betrüger Ceglia: Der Mann, der Mark Zuckerberg linken wollte

Die Hälfte der Facebook-Anteile - die reklamierte Paul Ceglia für sich. Der frühere Holzpellet-Händler legte einen Vertrag mit Mark Zuckerberg vor und klagte. Top-Anwälte glaubten ihm. Doch alles deutet darauf hin, dass das Dokument gefälscht ist. Jetzt sitzt der 39-Jährige in Haft.

Facebook-Logo: Zeichenabstände der Vertragsseiten stimmen nicht überein Zur Großansicht
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Facebook-Logo: Zeichenabstände der Vertragsseiten stimmen nicht überein

New York - Paul Ceglia ist ein Mann mit großer Ausdauer. Sein langer Atem kommt aber wohl nicht von ausgiebigem Konditionstraining, sondern von der Gier nach einem Milliardenvermögen.

Der frühere Holzpellet-Händler hatte 2003 einmal mit Mark Zuckerberg zusammengearbeitet. Jahre später fand Ceglia den Vertrag mit dem späteren Facebook-Gründer wieder - und witterte das Geschäft seines Lebens.

2010 reichte Ceglia Klage gegen Facebook Chart zeigen ein, die er ein Jahr später erneuerte: Er behauptete, ihm stünde die Hälfte des Anteils am sozialen Netzwerk zu. Nun wurde der 39-Jährige wegen Betrugs verhaftet. Ceglia hatte offenbar etliche Dokumente gefälscht, darunter den zweiseitigen Vertrag, der beweisen sollte, dass ihm ein großer Teil des Unternehmens zusteht. Der Mann untermauerte seine Geschichte zusätzlich mit mehreren E-Mails - auch diese allem Anschein nach Fälschungen. Der Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara, sagte, Ceglia hätte es auf einen "schnellen Zahltag" abgesehen und dabei "massiven Betrug" begangen.

Eigentlich hatte der damalige Student Zuckerberg vor neun Jahren für Ceglias Unternehmen StreetFax nur eine Online-Datenbank programmieren sollen. In seiner Klage gab Ceglia jedoch an, dass er damals auch rund tausend Dollar in Zuckerbergs Projekt "The Face Book" investiert habe. Danach hätte ihn Zuckerberg ausgebootet und Facebook alleine auf die Beine gestellt. Zunächst wollte Ceglia als Wiedergutmachung sogar gut 80 Prozent der Anteile haben, später senkte er seine Forderung auf 50 Prozent.

Top-Anwälte lassen sich täuschen

Für seine Klage heuerte Ceglia Staranwälte an. Die renommierte Anwaltskanzlei DLA Piper vertrat ihn vor Gericht. Damit setzte er gleich ein deutliches Signal an Facebook: Ohne eine reelle Erfolgschance würden die Spitzenjuristen wohl kaum mitziehen.

DLA Piper fiel auf Ceglia herein: Vertreter der Kanzlei berichteten dem "Business Insider" 2011, man habe Ceglias Vorwürfe und Belege wochenlang sorgfältig geprüft, bevor man das Mandat annahm. Man habe auch den von Ceglia vorgelegten Vertrag mit Zuckerbergs Unterschrift analysieren lassen und sei sicher, dass das Dokument nicht nachträglich verändert wurde. Später gab DLA Piper den Fall ab, Ceglias Anwälte wechselten in der Folge häufig.

Facebook bezeichnete Ceglia von Beginn an als bekannten Trickbetrüger. Laut "New York Times" hatte er sich 1997 des Besitzes von halluzinogenen Pilzen für schuldig bekannt. 2010 war er zudem wegen Betrugs festgenommen worden. Sein damaliges Unternehmen hatte auf Anweisung des damaligen Staatsanwalts von New York schließen müssen. Zudem stellt sich die Frage, warum er erst sechs Jahre nach dem Start von Facebook Klage einreichte. Ceglia selbst gab an, sich erst dann wieder an den Vertrag erinnert zu haben.

Ceglia hielt an seinen Forderungen auch fest, als im August 2011 der Vorwurf der Dokumentenfälschung konkreter wurde. Damals war auf seinem Computer ein Vertrag für die StreetFax-Arbeiten gefunden worden. Laut Facebook das Original, auf dessen Grundlage Ceglia den gefälschten Vertrag fabriziert hatte. Ceglia blieb standhaft und behauptete, das Unternehmen habe die Datei nachträglich eingeschleust.

Ex-Mitschüler: "Er konnte wirklich gute Geschichten erzählen"

Im März dieses Jahres beantragte Facebook, die Klage abzuweisen. Das Online-Netzwerk legte weitere Beweise gegen Ceglia vor: Das Sicherheitsunternehmen Stroz Friedberg hatte festgestellt, dass der Originalvertrag bereits 2004 auf den Computern von Ceglias Rechtsberater gespeichert wurde. Zudem kam Stroz Friedberg zu dem Schluss, dass Ceglia die Uhr seines Computers zurückgesetzt habe, um E-Mails aus den Jahren 2003 und 2004 zu fälschen. Dabei habe er jedoch zum Teil den Übergang von Sommer- und Winterzeit vergessen und Zuckerberg auch zu früh zum Start von Facebook gratuliert.

Außerdem fand Facebook E-Mails auf den Servern von Zuckerbergs Uni Harvard, die ein ganz anderes Bild der Zusammenarbeit zeichnen: Demnach soll Zuckerberg von Ceglia nur die Hälfte der vereinbarten 18.000 Dollar für die Arbeit an StreetFax bekommen haben.

Nun droht dem 39-Jährigen wegen Post- und Überweisungsbetrugs eine Haftstrafe von mehr als 20 Jahren. Die Anklageschrift gegen den mutmaßlichen Betrüger ist 13 Seiten lang. Die Reisepässe von ihm und seiner Familie sollen einbehalten werden.

Die Zeitung "Buffalo News" hat schon im November 2011 über Ceglia und seine Vergangenheit berichtet. "Er tat alles für leicht verdientes Geld", sagte damals ein ehemaliger Mitschüler: "Er konnte wirklich gute Geschichten erzählen, am Ende waren sie jedoch nichts als ein Witz."

max/dpa/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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1. ...
janne2109 27.10.2012
nu ja,, kann schon mal passieren, dass Anwälte blind werden vor Raffgier. In den USA wird sehr oft nach Erfolg bezahlt, da beschlägt schon mal die Pupille und der Verstand verrutscht.
2. ...
Newspeak 27.10.2012
DLA Piper fiel auf Ceglia herein: Vertreter der Kanzlei berichteten dem "Business Insider" 2011, man habe Ceglias Vorwürfe und Belege wochenlang sorgfältig geprüft, bevor man das Mandat annahm. Klar, glaubt man sofort. Wie hoch ist der Streitwert? Und selbst wenn man nicht gewinnt, eine Klage gegen Facebook ist doch sicher Werbung genug. Juristen sind so durchschaubar gierig und opportunistisch.
3.
inx_1 27.10.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Hälfte der Facebook-Anteile - die reklamierte Paul Ceglia für sich. Der frühere Holzpellet-Händler legte einen Vertrag mit Mark Zuckerberg vor und klagte. Top-Anwälte glaubten ihm. Doch alles deutet darauf hin, dass das Dokument gefälscht ist. Jetzt sitzt der 39-Jährige in Haft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mutmasslicher-betrueger-wollte-die-haelfte-von-facebook-a-863731.html
Hast Du Geld, hast Du Recht. Zuckerberg=Geld, Ceglia=kein Geld. Glaube nicht das das alles mit rechten Dingen zugeht.
4. Und Zuckerberg ?
truthful 27.10.2012
Aber Zuckerberg hat nie jemand betrogen stimmts? Mit Ramsch Aktien, mit denen er 20 Milliarden gemacht hat an einem Tag. Der andre hat nur einen gefälschten Wisch produziert. Selbst wenn der echt gewesen wäre, Zuckerberg hätte eh nie bezahlt
5.
cs01 27.10.2012
Zitat von NewspeakDLA Piper fiel auf Ceglia herein: Vertreter der Kanzlei berichteten dem "Business Insider" 2011, man habe Ceglias Vorwürfe und Belege wochenlang sorgfältig geprüft, bevor man das Mandat annahm. Klar, glaubt man sofort. Wie hoch ist der Streitwert? Und selbst wenn man nicht gewinnt, eine Klage gegen Facebook ist doch sicher Werbung genug. Juristen sind so durchschaubar gierig und opportunistisch.
In den USA werden Erfolgshonorare gezahlt. Keine Erfolg = kein Geld für den Anwalt. Also werden die genau geprüft haben, ob es sich lohnt, Arbeit in den Fall zu stecken. Und haben sich eben geirrt.
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