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Mysteriöser Kurssturz im Mai: Einzelner Händler löste Wall-Street-Crash aus

Das Rätsel um den dramatischen Kursverlust an der Wall Street im Mai ist gelöst. Laut US-Börsenaufsicht war eine einzelne Brokerfirma mit computergesteuerten Blitzverkäufen für den sogenannten "Flash Crash" verantwortlich.

Aktienhändler (am 6. Mai in New York): Entsetzen über rasante Kursverluste Zur Großansicht
AFP

Aktienhändler (am 6. Mai in New York): Entsetzen über rasante Kursverluste

New York/Washington - Es war in Punkten gemessen der stärkste Kurssturz in der Geschichte der Wall Street. Am 6. Mai hatte der Dow-Jones-Index binnen Minuten um fast tausend Punkte nachgegeben und kurzzeitig für Panik an der Börse gesorgt. Nun hat die US-Regulierungsbehörde die Umstände des dramatischen Kurseinbruchs nach eigenen Angaben aufgeklärt. Ein einzelner großer Handelsteilnehmer habe den sogenannten "Flash Crash" verursacht, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Abschlussbericht der US-Börsenaufsichten SEC und CFTC.

Laut dem Papier tätigte das Unternehmen vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise Absicherungsgeschäfte. Der "Flash Crash" sei ausgelöst worden, als die Firma ein computergesteuertes Verkaufsprogramm in einem ohnehin angespannten Markt in Gang setzte und rund 75.000 sogenannter E-Mini-Kontrakte zu jedem Preis verkaufte.

Die komplette Transaktion hatte dem Bericht zufolge keine 20 Minuten gedauert. Normalerweise würden vergleichbare Geschäfte über einen Zeitraum von bis zu fünf Stunden abgewickelt.

Der E-Mini ist ein vor allem bei Hedgefonds beliebter Terminkontrakt, bei dem auf die Entwicklung des Aktienindex S&P 500 spekuliert wird. Dieser umfasst die 500 größten US-Unternehmen mit Börsennotierung.

Der Verkauf mit einem Volumen von 4,1 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) habe laut Börsenaufsicht eine Kettenreaktion ausgelöst. Marktteilnehmer hätten ihr Geld blitzartig von der Börse abgezogen. Binnen kurzer Zeit war nach Schätzungen fast eine Billion Dollar Marktkapital vernichtet worden.

Einer der ältesten Broker der USA verantwortlich für den Crash?

Ein Name wird in dem Dokument der Börsenaufsicht nicht genannt. Aber Indizien deuten daraufhin, dass der Investmentfonds Waddell & Reed Financial für den Crash verantwortlich sein soll - eine der ältesten, konservativsten US-Broker- und -Fondsfirmen mit einem Portfolio von 70 Milliarden Dollar. Vier Millionen Kunden haben ihr Vermögen in Waddell-Fonds angelegt, welche die Rezession relativ glimpflich überstanden haben.

Aus dem Unternehmen hieß es nach Informationen des "Wall Street Journal", man sei nicht daran interessiert, auf den Märkten für Unruhe zu sorgen.

Schon kurz nach den Tumulten an der Wall Street waren die E-Mini-Kontrakte in den Fokus der CFTC-Fahnder geraten. Der massenhafte und vor allem blitzschnelle Verkauf durch einzelne Unternehmen, darunter offenbar auch Waddell & Reed, sei aber weder Fahrlässigkeit noch ein Fehler gewesen, sondern offenbar Bestandteil einer legitimen "Hedging"-Strategie, um sich gegen Verluste abzusichern.

Der Absturz des Dow hatte die Börsenexperten zunächst vor ein Rätsel gestellt. Alle denkbaren Ursachen waren diskutiert worden: Sabotage, defekte Computer oder sogar ein sogenannter "fat finger trade", also der Tippfehler eines gestressten Händlers.

jok/Reuters/dpa/APD

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. Pfui deibel!
Michael KaiRo 02.10.2010
Zitat von sysopDas Rätsel um den dramatischen Kursverlust an der Wall Street im Mai ist gelöst. Laut US-Börsenaufsicht war eine einzelne Brokerfirma mit computergesteuerten Blitzverkäufen für den sogenannten "Flash Crash" verantwortlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,720838,00.html
Die computergesteuerten Börsenkontrakte hat doch niemand mehr im Griff. Schlimm genug, dass auch persönliche Leiden darin verknüpft sind. Warum nicht Computerkontrakte komplett verbieten? Genau, weil der Profit über allem steht. Pfui, wie erbämlich wir doch alle sind.
2. Und die Zukunft ?
rkinfo 02.10.2010
Zitat von sysopDas Rätsel um den dramatischen Kursverlust an der Wall Street im Mai ist gelöst. Laut US-Börsenaufsicht war eine einzelne Brokerfirma mit computergesteuerten Blitzverkäufen für den sogenannten "Flash Crash" verantwortlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,720838,00.html
Anno 2015 fällt irgendwo ein Speicherchip aus und der DOW fällt auf 666 Punkte. Soll man die Börsen der Welt etwa wie AKWs mit Beton umgeben ? Tschernobyl kam ja auch gut Ohne aus ... Es ist aber zu einfach nur den bösen Computer zu beschuldigen. Zukünftig kann durchaus eine reale kritische Nachricht menschliche Börsen-Gurus zum Herdentrieb in Richtung 'neuer schwarze Freitag' treiben. Die Weltbösen sind vollgepumpt mit schnellen Geld der immer mehr Reichen die heute leben und nicht an morgen denken. Und so ein Hebelprodukt wie jener 'E-Mini-Kontrakt' kann eben gewaltige Hebewirkung entfachen. UND: "Der Verkauf mit einem Volumen von 4,1 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro)" Einmal in 20 min fast den Wert von Stuttgart21 verkauft - an einem Schreibtisch und einem Computer ... die Amis sind eben sehr schnell.
3. Schade
JürgenWerner 02.10.2010
dass es keine europäische Firma war - die hätten jetzt ein Riesentheater wegen Vorsatz und Absicht am Hals und jede Menge Klagen am Hals.
4. Wirtschaft
slowboarder 02.10.2010
Zitat von sysopDas Rätsel um den dramatischen Kursverlust an der Wall Street im Mai ist gelöst. Laut US-Börsenaufsicht war eine einzelne Brokerfirma mit computergesteuerten Blitzverkäufen für den sogenannten "Flash Crash" verantwortlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,720838,00.html
Das zeigt nur wieder mal, wie pervers das System ist. wir sollen uns schleunigst von der Herrschaft des Kapitals befreien und das Kapital wieder in den Dienst der Menschen stellen. Gruß, Slowboarder
5. Unkenntnis
Revan 02.10.2010
Der Artikel ist am Thema vorbei. Ich weiss nicht ob es an der auch bei Redakteuren weit verbreiteten Unkenntnis von Finanzthemen liegt, oder an mangelnder Übersetzung. Aber die Darstellung ist völlig verdreht und entspicht nicht dem Inhalt des SEC Berichtes. AUSLÖSER des Flash Crash war der besagte Hedge Fund. Aber nicht VERANTWORTLICH. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge ! Ein einzelner kleiner Stein kann eine Steinlawine AUSLÖSEN, Ursache der Lawine ist aber ein massive Instabilität des Hanges. Der kleine Stein hat keinerlei "Schuld" an der Lawine und hat jedes Recht mal runter zu fallen. Aber über den Hang sollte man sich mal Gedanken machen. So auch hier. Die URSACHE und VERANTWORTUNG liegt bei einer strukturellen Verzerrung der Börsenlandschaft, primär durch die Dominanz der automatischen Programme (Algos). Verbunden mit eine Fehlen von automatisierten Schutzmechanismen (Circuit-Breaker) hat es die Lawine ermöglicht. Welcher Stein sie ausgelöst hat ist so unwichtig wie das berühmte Fahrrad in China. So und nicht anders steht es in dem SEC Bericht ! Man muss ihn nur lesen und verstehen ! Was der Spiegel bzw die Nachrichtenagenturen aber daraus machen, ist bestes Schlagzeilen-Niveau in der Tradition der Bild. Nur leider völlig am Thema vorbei.
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