Nach Ackermann: Betriebsrat kritisiert Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank

Die künftigen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, wollen den Vorstand mit Getreuen besetzen. Konzernbetriebsratschef Alfred Herling, der auch im Aufsichtsrat sitzt, fordert nun Aufklärung über Personal und Strategie.

Einer der beiden Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: Erst 2007 gekauft Zur Großansicht
dapd

Einer der beiden Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: Erst 2007 gekauft

Frankfurt/Main - Die Pläne für einen umfangreichen Umbau in der Führungsetage der Deutschen Bank stoßen einem Zeitungsbericht zufolge auf Kritik beim Betriebsrat. Konzernbetriebsratschef Alfred Herling, der auch Mitglied im vierköpfigen Präsidium des Aufsichtsrats der Bank ist, fordert noch vor der für den 16. März anberaumten Sitzung des Kontrollgremiums Aufklärung vom künftigen Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Das schreibt die Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" mit Bezug auf Aufsichtsratskreise.

Von der Deutschen Bank kam dazu kein Kommentar. "Wir nehmen zu Marktgerüchten grundsätzlich keine Stellung", sagte ein Banksprecher am Sonntag. Nach Informationen des SPIEGEL fällt beim geplanten Ausstieg von Risikovorstand Hugo Bänziger und Personal- und IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti je eine Abfindung im hohen einstelligen Millionenbereich an.

"Wir gehen davon aus, dass es noch im Vorfeld der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums zu Gesprächen mit den Verantwortlichen kommt, sonst werden wir in eine schwierige Situation kommen", zitierte "Euro am Sonntag" aus den Kreisen. Die Kritik beziehe sich unter anderem auf den Plan, die Position des Arbeitsdirektors mit dem Investmentbanker Stephan Leithner zu besetzen.

Man habe nicht damit gerechnet, dass sich das Personalkarussell in einer solchen Weise drehen werde und sei von den Plänen völlig überrascht worden, zitierte das Blatt weiter. Nun wolle man wissen, inwieweit der künftige Co-Chef Jain mit den Plänen seine eigenen Vorstellungen durchgesetzt habe und ob das vom bisherigen Bankchef Josef Ackermann eingeschlagene Konzept einer Balance zwischen der Investmentbanking-Sparte und dem klassischen Bankgeschäft weiter fortgeführt werde.

Jüngeres und internationaleres Führungsteam

Jain übernimmt Ende Mai zusammen mit Jürgen Fitschen das Ruder beim größten deutschen Geldhaus. Die beiden basteln gerade ihr Führungsteam, das jünger und internationaler wird. Kürzlich waren nach einer Präsidiumssitzung Personalien durchgesickert. Danach soll Risikovorstand Bänziger - der als ein Kandidat für die Ackermann-Nachfolge galt - angeblich ebenso gehen wie Personal- und IT-Vorstand Lamberti.

Im Gegenzug stehen drei Manager auf dem Sprung in den Vorstand, die dem Vernehmen nach dem künftigen Führungsduo nahe stehen: Für Personal, Recht und das Europageschäft soll der Investmentbanker Leithner zuständig sein, als Nachfolger Lambertis ist angeblich der Jain-Vertraute Henry Ritchotte vorgesehen, neuer Risikochef soll der Amerikaner William Broeksmit (Spitzname "Dr. No") werden.

Zum erweiterten Vorstand, dem 17 statt 12 Manager angehören sollen, gehört künftig nach Informationen des SPIEGEL auch der 45-jährige Christian Ricken. Er soll neben Vorstandsmitglied Rainer Neske das Privatkundengeschäft vertreten. Ricken, der seit 1996 bei der Bank sei, gelte als Neskes rechte Hand und solle vor allem die Integration der Postbank vorantreiben.

Damit seien in der erweiterten Führung nur noch zwei Posten offen. Als Kandidaten für das Asien-Geschäft gelten nach SPIEGEL-Informationen der Inder Ashok Aram und Boon-Chye Loh aus Singapur. Die Suche nach einem Amerika-Chef werde voraussichtlich noch einige Wochen dauern.

ore/dpa/Reuters

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1. Vorstandumbau Deutsche Bank
eulenspiegel_neu 11.03.2012
Zitat von sysopdapdDie künftigen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, wollen den Vorstand mit Getreuen besetzen. Konzernbetriebsratschef Alfred Herling, der auch im Aufsichtsrat sitzt, fordert nun Aufklärung über Personal und Strategie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820651,00.html
Je mehr Investmentbank in Spitzenführungspositionen der Bank durch den Inder Jain gebracht, um so mehr wandelt sich die Bank in Zockerinstitut, für das der deutsche Steuerzahler im wworst-case gerade stehen muß. Was an der Bank dann noch Deutsche Bank steht in den Sternen. Schlimmstenfalls muß ihr der Namen genommen werden ...
2. Ein Stamm der Getreuen
localpatriot 11.03.2012
Zitat von eulenspiegel_neuJe mehr Investmentbank in Spitzenführungspositionen der Bank durch den Inder Jain gebracht, um so mehr wandelt sich die Bank in Zockerinstitut, für das der deutsche Steuerzahler im wworst-case gerade stehen muß. Was an der Bank dann noch Deutsche Bank steht in den Sternen. Schlimmstenfalls muß ihr der Namen genommen werden ...
Diese Art des Management geht auf die alte Getreuengesellschaft zurueck in der sich der Schaarfuehrer seine Mannen aussucht und mit denen ins Gefecht zieht. Solange die Richtung stimmt und alles laeuft kann man auf diese Art viel erreichen. Deutschland hat zwei gute Beispiele fuer dieses System: Adolf und die Nazis bauten in Null komma Nichts zig KM an Autobahnen, schafften die Arbeitslosigkeit ab und hatte eine Olympiade. Ulbricht und Grothewohl hatten aehnliche Erfolge, trotz der oppressiven Unterdrueckung und Ausbeutung durch Stalin bauten sie doch etwas auf. Aber wehe wenn das alles schief laeuft. Dann bleibt kein Stein auf dem anderen mehr ..... und der Grund ist offensichtlich. Eine derartige Gruppe arbeitet in erster Linie an den eigenen Interessen. Das Land, die Buerger oder die Firma sind das Gefaehrt fuer den Selbstzweck. Und noch etwas fuer die anderen im Klub: Wer nicht fuer uns ist - ist gegen uns. Seltsam, das habe ich doch schon einmal frueher irgendwo gehoert.
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Zur Person
dpa
Josef Ackermann, Jahrgang 1948, kam als Sohn eines Schweizer Arztes zur Welt und wuchs in dem kleinen Städtchen Mels auf. Sein Studium absolvierte er an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen, 1977 promovierte er zum Dr. oec. Nach beruflichen Stationen bei der Schweizer Kreditanstalt und der Credit Suisse kam Ackermann 1996 zur Deutschen Bank, zunächst als Vorstand für den Geschäftsbereich Kreditrisiken.
Im Mai 2002 übernahm Ackermann die Führung des angeschlagenen Finanzinstituts, das er mit einem harten Sanierungskurs wieder in die Spitzengruppe der globalen Geldhäuser brachte. Ackermann ist einer der umstrittensten Manager des Landes - unter anderem, weil er auch in der Finanzkrise stur am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent festhielt.

Kritiker werfen ihm vor, dabei zu sehr auf das Investmentbanking zu setzen und den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Ackermanns Lebensmittelpunkt ist in Zürich. Der Opernfan ist verheiratet und hat eine Tochter.


Zahlen und Fakten
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands und beschreibt sich selbst als "eine führende globale Investmentbank" mit starkem Privatkundengeschäft. Mehr als 80.000 Mitarbeiter gehören weltweit zu dem Konzern, der in 72 Ländern tätig ist. Die Bank, an deren Spitze Josef Ackermann steht, verdiente im Jahr 2010 nach Steuern 2,3 Milliarden Euro. Der bisherige Rekord lag im Geschäftsjahr 2007, als am Ende 6,5 Milliarden Euro unterm Strich standen.