Nach dem EU-Gipfel Investoren misstrauen Euro-Rettern

Die Euphorie währte nur kurz. Wenige Tage nach dem EU-Gipfel in Brüssel zweifeln die Investoren schon wieder an den Beschlüssen. Die Aktienkurse stürzen ab, der Euro verliert, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen. Grund ist auch der negative Kommentar einer Rating-Agentur.

Börsianer in Frankfurt: Märkte strafen Rettungspläne ab
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Börsianer in Frankfurt: Märkte strafen Rettungspläne ab


Frankfurt am Main - An den europäischen Finanzmärkten hat die Erleichterung über die Ergebnisse des EU-Gipfels nicht lange gehalten. Nachdem die Beschlüsse zur Verschärfung der Haushaltsdisziplin noch Freitag an den Börsen gefeiert wurden, gaben die Aktienmärkte am Montag deutlich nach. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen verlor 3,4 Prozent auf 5785 Punkte, der EuroStoxx 50 Chart zeigen sank um 3,1 Prozent auf 2269 Punkte. Die US-Börsen eröffneten ebenfalls im Minus.

Auch der Kurs des Euro Chart zeigen geriet stark unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel auf 1,3251 Dollar - am Freitag hatte ein Euro noch fast 1,34 Dollar gekostet.

Grund für den neuen Pessimismus war eine erneute Warnung der US-Rating-Agentur Moody's. Die Bonitätswächter sind unzufrieden mit den Ergebnissen des EU-Krisengipfels: Nur wenige der angekündigten Krisenmaßnahmen seien neu, viele ähnelten früheren Erklärungen. Entscheidungen zur kurzfristigen Stabilisierung der Kreditmärkte fehlten. Nun werde Moody's die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterziehen.

Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen steigen

Die Devisenexperten der Commerzbank Chart zeigen äußerten sich ähnlich wie die Rating-Agentur: "Der EU-Gipfel bringt keine Lösung der Schuldenkrise." Notenbankkredite an den IWF, wie sie beispielsweise die Bundesbank erwägt, könnten laut Commerzbank Investoren eher abschrecken.

Auch an den Anleihenmärkten für Italien und Spanien haben die Beschlüsse von Brüssel keine positive Wirkung entfaltet. Zwar verlief eine Auktion italienischer Schuldpapiere mit einer Laufzeit von einem Jahr am Morgen relativ erfolgreich - die drittgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums besorgte sich sieben Milliarden Euro zu niedrigeren Zinsen als bei einer Auktion im November.

Auf dem Sekundärmarkt, auf dem bestehende Anleihen gehandelt werden, verschärfte sich die Lage jedoch. Die Rendite der richtungsweisenden Zehnjahresanleihe stieg bis zum Mittag um rund 0,4 Punkte auf 6,75 Prozent. Nach dem Rücktritt Silvio Berlusconis als Regierungschef waren die Zinsen von ihrem Höchststand von 7,2 Prozent Ende November auf ein Niveau von zuletzt klar weniger als sechs Prozent gefallen. Die Renditen für zehnjährige Anleihen Spaniens stiegen ähnlich stark wie die der italienischen - bis zum Mittag kletterten sie um rund 0,3 Prozent auf knapp sechs Prozent.

stk/fdi/Reuters/dapd/dpa-AFX

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
cemi 12.12.2011
1. Wer hat etwas anderes erwartet?
Zitat von sysopDie Euphorie währte nur kurz: Wenige Tage nach dem EU-Gipfel in Brüssel zweifeln die Investoren schon wieder an den Beschlüssen. Die Aktienkurse zeigen nach unten, und die Risikoaufschläge der Staatsanleihen steigen. Grund ist auch der negative Kommentar einer Rating-Agentur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803206,00.html
Was haben denn die sog. "Euro-Retter anderes erwartet. Wer angeschlagenen Volkswirtschaften härteste Sparprogramme aufdrückt, verschärft deren Krise anstatt sie zu lösen. Und diesen Quatsch jetzt auch noch in (vermutlich rechtswidrige) EU-Gesetze zu gießen, soll das Vertrauen der "Märkte" zurückgewinnen? Merke: Die sind zwar recht skrupellos, aber sicher nicht blöd. Politik schaftt sich ab.
mattotaupa 12.12.2011
2. Lametta
Zitat von sysopDie Euphorie währte nur kurz: Wenige Tage nach dem EU-Gipfel in Brüssel zweifeln die Investoren schon wieder an den Beschlüssen. Die Aktienkurse zeigen nach unten, und die Risikoaufschläge der Staatsanleihen steigen. Grund ist auch der negative Kommentar einer Rating-Agentur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803206,00.html
Hatte jemand etwas anderes erwartet ?
nixkapital 12.12.2011
3. Im Westen nichts Neues...
Zitat von sysopDie Euphorie währte nur kurz: Wenige Tage nach dem EU-Gipfel in Brüssel zweifeln die Investoren schon wieder an den Beschlüssen. Die Aktienkurse zeigen nach unten, und die Risikoaufschläge der Staatsanleihen steigen. Grund ist auch der negative Kommentar einer Rating-Agentur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803206,00.html
...wer hätte das gedacht: Die "Märkte" reagieren verschnupft. Also Ihr Sarkozys, Merkels, Etceteras nachsitzen und so lange herummurksen, bis Ratingagenturen und "Märkte" nicht mehr maulen. Verprellt doch nicht Eure Herren...
bengel771 12.12.2011
4.
Soso, am Freitag freuten sich alle Börsenteilnehmer ob der Beschlüsse, dann kommt am Wochenende ein Spielverderber und sagt "Nö da ist nix neues" und am Montag sind alle wieder verschnupft. Bei dem Unsinn muß gefragt werden, haben Börsenteilnehmer kein Hirn zum denken und kommen vielleicht zu einem eigenen Ergebnis?
cumulant35 12.12.2011
5. Das Ganze...
nennt sich Wahnsinn mit Methode u.das tolle daran ist, es funktioniert.
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