Nach Händlerskandal: UBS-Chef Grübel gibt auf
Der Druck auf Oswald Grübel war zu groß: Der Chef der Schweizer Großbank UBS ist zurückgetreten. Laut Verwaltungsrat sah er es als "Pflicht", die Verantwortung für den Milliardenverlust eines Händlers zu übernehmen. Das klang vor wenigen Tagen jedoch noch anders.
Zürich - Der Chef der Schweizer Großbank UBS, Oswald Grübel, ist zurückgetreten. Das teilte die Schweizer Großbank am Samstag in Zürich mit. Der Verwaltungsrat habe Grübels Rücktrittsgesuch angenommen, hieß es in einer Mitteilung.
Die UBS
hatte
vergangene Woche bekanntgegeben, dass ihr Londoner Händler
Kweku Adoboli durch illegale Geschäfte einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar (1,7 Milliarden Euro) verursacht habe. Adoboli wurde festgenommen und wegen Betrugs angeklagt.
Grübel habe es als seine "Pflicht" gesehen, "für den kürzlichen Vorfall im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel die Verantwortung zu übernehmen", hieß es am Samstag in einer Stellungnahme des Präsidenten des Verwaltungsrats, Kaspar Villiger. Bis zur Ernennung eines neuen Vorstandsvorsitzenden werde Europa-Chef Sergio P. Ermotti die Bank kommissarisch leiten.
Oswald Grübel hatte Rücktrittsforderungen noch vor wenigen Tagen zurückgewiesen. "Ich habe die Verantwortung für alles, was in der Bank passiert - ich fühle mich aber nicht schuldig", sagte er. Rücktrittsforderungen von Politikern seien "rein politisch" motiviert. Er denke nicht über einen Rückzug nach, letztlich liege die Entscheidung aber beim UBS-Verwaltungsrat.
Der Schweizer "Tages-Anzeiger" hatte berichtet, Grübel wolle die Sitzung des Verwaltungsrats zu einer Vertrauensabstimmung über seine Position und den künftigen Kurs der Bank machen. Zugleich wollte er dem Bericht zufolge eine Verkleinerung der umstrittenen Investmentbanking-Sparte vorschlagen. Stelle sich der Verwaltungsrat nicht eindeutig hinter ihn, werde er wohl abtreten.
Der UBS-Skandal hatte eine neue Diskussion über die Anfälligkeit des Finanzsystems für Betrug ausgelöst. Kritiker sehen Adobolis Geschäfte als Belege dafür, dass Börsenhändler auch nach der Finanzkrise noch mit Milliarden jonglieren können.
Immer wieder haben einzelne Händler ihren Banken riesige Verluste beschert (siehe Fotostrecke). Der letzte große Händlerskandal ereignete sich bei der französischen Société Générale
, wo der Börsenhändler
Jérôme Kerviel knapp fünf Milliarden Euro verzockt haben soll.
dab/dpa/dapd/AFP
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