Nach Stellwerk-Chaos in Mainz: Bahn findet Nachfolger für Netz-Vorstand

Die Deutsche Bahn hat einen Nachfolger für den im Zuge des Mainzer Stellwerk-Chaos geschassten Manager Hansjörg Hess gefunden. Neuer Produktionschef der Netzsparte wird der aktuelle Finanzchef der DB Netz AG, Roland Bosch. Dessen Qualifikation für den Posten ist zweifelhaft.

Mainzer Bahnhof: Vorstandserneuerung der Netz-Sparte abgeschlossen Zur Großansicht
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Mainzer Bahnhof: Vorstandserneuerung der Netz-Sparte abgeschlossen

Hamburg - Die Nachfolge für Hansjörg Hess, der im Zuge der Stellwerk-Debatte als Produktionsvorstand der DB Netz AG geschasst worden war, ist entschieden. Wie manager magazin online aus verschiedenen konzernnahen Quellen erfuhr, wird der aktuelle Vorstand Finanzen und Controlling der DB Netz AG, Roland Bosch, die Aufgabe übernehmen.

Die offizielle Entscheidung soll in einer für Mitte September anberaumten Aufsichtsratssitzung fallen. Ein Bahnsprecher wollte die Personalie gegenüber manager magazin online nicht kommentieren.

Die Entscheidung für den 42-Jährigen Bosch als Nachfolger von Hess gilt als Verlegenheitslösung, nachdem Konzernkreisen zufolge andere interne Kandidaten abgewunken hatten. Bosch kann zwar ein Physikstudium, ansonsten aber wenig Berufserfahrung im bahnspezifischen Infrastrukturgeschäft vorweisen.

Physik studierte Bosch einst in Oxford, darüber hinaus Betriebswirtschaftslehre in Tübingen, wo er im Jahr 2000 zum Thema "Netzwerke multinationaler Banken" promovierte. Parallel hatte er seine Laufbahn im Jahr 1997 bereits bei der Boston Consulting Group begonnen. 2002 wechselte er als Leiter "Strategische Planung, Regionalstrategien und Wettbewerbsanalyse" zu DaimlerChrysler nach Stuttgart. Für den Autobauer war er seit 2005 Finanzchef in Nordostasien. Im Oktober 2010 wechselte er schließlich als Finanzer und Controller zur Deutschen Bahn.

Vorstandserneuerung abgeschlossen

Warum Boschs Vorgänger Hess abgelöst wurde, darüber herrscht in Branchenkreisen weiter Unklarheit. Gilt der 52-Jährige Schweizer doch als Experte auf seinem Gebiet. Vor seinem Wechsel zur Deutschen Bahn leitete der Elektroingenieur und Ex-Siemens-Manager unter anderem den Infrastrukturbereich der SBB AG und war Mitglied der Geschäftsleitung. Unter seiner Führung nahmen die Schweizerischen Bundesbahnen als Vorreiter im Jahre 2006 das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS in Betrieb. Die SBB AG gilt in der Branche heute als Referenz in Sachen Infrastruktur.

Dass Hess, dessen Demission laut "Stuttgarter Zeitung" wohl schon länger geplant gewesen war, dennoch im Zuge der Debatte um die Stellwerk-Probleme in Mainz gehen musste, hat wohl vor allem den Grund, dass er seit Mai 2011 als einziger operativ mitverantwortlicher Vorstand der Sparte noch im Amt war.

Personalchefin Ute Plambeck stieg erst Mitte Juni in die Führungsriege auf. Und der Vorstandsvorsitzende der DB Netz AG, Frank Sennhenn, ist erst seit Ende April zur DB Netz AG gestoßen. Er löste im Frühjahr Oliver Kraft ab, der zuvor über Jahre hinweg mehrere Tausend Stellen eingespart, die Investitionen in moderne vollelektronische Stellwerke aufgeschoben und die Sparte auf Rendite getrimmt hatte.

Im vergangenen Jahr war die Sparte mit rund 900 Millionen Euro Betriebsgewinn erstmals die lukrativste der Deutschen Bahn AG. Mit Roland Bosch wird sich nun ein Finanzexperte wieder verstärkt den Investitionen in die Stellwerke des rund 34.000-Kilometer langen Schienennetzes des Staatskonzerns widmen müssen.

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