Manipulationsskandal: Bankenverband will Kontrolle über Libor abgeben

Im Skandal um manipulierte Zinssätze ist der britische Bankenverband zu weitgehenden Konsequenzen bereit. Sollte die Aufsicht dies vorschlagen, werde man die Kontrolle über die Berechnung des Libor-Satzes aufgeben, teilte der Verband mit.

Grafikstrecke: So funktioniert die Zinsmanipulation Fotos
SPIEGEL ONLINE

London - Der britische Bankenverband BBA ist bereit, die Verantwortung für die Kontrolle des Interbanken-Zinssatzes Libor abzugeben. Sollte die britische Bankenaufsicht diese Woche auch Änderungen an der Überwachung vorschlagen, werde sich die BBA dem nicht verweigern, erklärte der Verband am Dienstag. Die Aufsichtsbehörde will ihre Vorschläge zur Reform des Libor am Freitag vorlegen.

Wegen Manipulationen am Zinssatz war die britische Bank Barclays im Juni in den USA mit einer Geldbuße von umgerechnet 200 Millionen Euro bestraft worden. Gegen mehr als ein Dutzend weiterer Banken laufen weltweit Ermittlungen, darunter auch gegen die Deutsche Bank.

Der Libor gilt als zentraler Zinssatz im Finanzsystem. Er zeigt an, zu welchem Preis sich Banken untereinander Geld leihen - und bildet damit die Basis für zahlreiche Finanzgeschäfte im Volumen von vielen hundert Billionen Dollar.

Die Sätze werden jeden Tag neu ermittelt: Dazu melden Banken die Zinsen, zu denen sie Refinanzierungsgeschäfte mit der Konkurrenz tätigen würden, an den Bankenverband BBA. Der zieht die höchsten und niedrigsten Werte ab und veröffentlicht dann den Durchschnitt der restlichen Meldungen. Seit der Skandal bekannt wurde, wird über eine Reform des Libor-Systems diskutiert - bisher ohne Ergebnisse.

stk/Reuters

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