Teure Kapseln: Nespresso-Nachahmer dürfen mit Marke werben

Rückschlag für den Nespresso-Hersteller: Zwei Schweizer Firmen dürfen weiter ohne Lizenz günstigere Kaffekapseln vertreiben - und aktiv mit der Marke werben. Die erfinderische Leistung spiegele sich nicht im Aufbau der Kapseln wider, urteilten die Richter.

Nachgeahmte Kaffeekapseln neben denen von Nespresso: Kopien dürfen mit Marke werben Zur Großansicht
dapd

Nachgeahmte Kaffeekapseln neben denen von Nespresso: Kopien dürfen mit Marke werben

Düsseldorf - Billige Konkurrenzprodukte von Nespresso-Kaffeekapseln dürfen weiterhin mit dem Hinweis angepriesen werden, dass sie für Nespresso-Maschinen geeignet sind. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wies am Donnerstag den Antrag der Schweizer Firma Nestec zurück, gegen dieses Vorgehen eine einstweilige Verfügung zu erlassen. Nestec gehört zum weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestlé.

Beklagte waren zwei Schweizer Firmen, die ohne Lizenz billigere Kaffeekapseln für die Nespresso-Maschinen vertreiben: Sie bieten die Kapseln zum Preis von 29 Cent pro Stück an und sind damit sechs bis zehn Cent billiger als das Original. Zuvor hatte schon das Düsseldorfer Landgericht in einem Eilverfahren keine Patentverletzung gesehen. Die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

In der Verhandlung ging es am Donnerstag darum, wie unabhängig die Kapseln vom Patent zu sehen sind. Während die Nestec-Vertreter das ausgefeilte Zusammenwirken von Apparat und kleinem Becher herausstellten, meinte die Seite der konkurrierenden Produzenten: "Die Kapsel ist ein passives Objekt." Im Patent werde die Kapsel auch nur beiläufig erwähnt.

"Die Kapsel gehorcht nur"

Die Richter urteilten schließlich, die Verwendung von Fremdkapseln sei vom Patentschutz nicht betroffen. Die erfinderische Leistung spiegele sich in der Technik der Kaffeemaschinen wider, nicht aber im Aufbau der Kapseln. "Die Kapsel gehorcht nur", fasste Thomas Kühnen, der Vorsitzende des Senats zusammen. Nespresso reagierte enttäuscht und setzt nun auf das Hauptverfahren, das ebenfalls in Düsseldorf stattfindet.

Denn der Markt für Portionskaffee ist sehr lukrativ und heiß umkämpft, obwohl die Kapseln wesentlich teurer sind als loser Kaffee und viel Müll hinterlassen. Seit kurzem etwa mischt der Discounter Lidl auch mit. In den 3300 Läden in Deutschland werden seit Anfang Februar Kaffeekapseln einer Eigenmarke angeboten.

Die Firma Ethical Coffee Company, gegen die Nestlé jetzt vor Gericht unterlag, wirbt mit Kapseln, die sich im Abfall selbst zersetzen. Pikant: Ihr Chef ist Jean-Paul Gaillard, der zuvor zehn Jahre lang bei Nestlé gearbeitet hat und auch als einer der Väter des Erfolgs von Nespresso gilt.

stk/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Mal schauen wenn die ersten Kapseln mit (RFID-)Chip kommen
gucky2009 21.02.2013
Bei Druckpatronen hält man ja auch mit dieser "Verbesserung" die Konkurrenz vom Hals.
2. Auslaufmodell
LorenzSTR 21.02.2013
Wann kommt der erste Hersteller auf die logische Idee, eine "Kapselmaschine" zur Selbstbefüllung mit Espresso-/Kaffeemehl anzubieten? Technisch sollte das kein Problem sein - und die Kunden versuchen sich schon jetzt erfolgreich an der Wiederbefüllung diverser Kapselsysteme. Schon aus ökologischen Gründen eigentlich alternativlos.
3. Unsinn
marvin_megabrain 21.02.2013
Zitat von sysopdapdRückschlag für den Nespresso-Hersteller: Zwei Schweizer Firmen dürfen weiter ohne Lizenz günstigere Kaffekapseln vertreiben - und aktiv mit der Marke werben. Die erfinderische Leistung spiegele sich nicht im Aufbau der Kapseln wider, urteilten die Richter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nachahmer-von-nespresso-kapseln-duerfen-mit-marke-werben-a-884798.html
Die Kapseln sind kein Abfall, das verwendete Aluminium wird in den relevanten Märkten fast vollständig zurückgewonnen. Mit dem Argument kann man auch Konservendosen verteufeln.
4. Ah... Satire!
ramuz 21.02.2013
Zitat von LorenzSTRWann kommt der erste Hersteller auf die logische Idee, eine "Kapselmaschine" zur Selbstbefüllung mit Espresso-/Kaffeemehl anzubieten? Technisch sollte das kein Problem sein - und die Kunden versuchen sich schon jetzt erfolgreich an der Wiederbefüllung diverser Kapselsysteme. Schon aus ökologischen Gründen eigentlich alternativlos.
.. die einzige in jeder Hinsicht sinnvolle Alternative ist Pulver+Wasser+Kanne + Hitze. Oder Pulver+ Wasser+Maschine. Wozu Kapseln? Kann das jemand als sinnvoll darstellen - ausser für Nestle natürlich?
5. Wozu überhaupt Kapseln
wulffleinwegdich 21.02.2013
Zitat von LorenzSTRWann kommt der erste Hersteller auf die logische Idee, eine "Kapselmaschine" zur Selbstbefüllung mit Espresso-/Kaffeemehl anzubieten? Technisch sollte das kein Problem sein - und die Kunden versuchen sich schon jetzt erfolgreich an der Wiederbefüllung diverser Kapselsysteme. Schon aus ökologischen Gründen eigentlich alternativlos.
Die logischste Idee gibt es bereits seit ewigen Zeiten: Kaffeebohnen u. die selber mahlen. Das ist nicht nur viel besser und viel billiger als Nespresso Kapseln sondern auch 100x weniger Müll. Nespresso Kapseln dürfte einer der teuersten Kaffees der Welt sein. Ich hab mal nachgewogen, in so einer Nespresso Kapsel sind netto ziemlich genau 6 gr. drin . Das kommt bei den Nespresso Kapselpreisen auf umgerechnet gut ca. 60€/kg und mehr. Man braucht überhaupt KEINE Kapseln um erstklassigen, frischen Kaffee zu trinken, im Gegenteil! Exzellente Espresso Kaffeebohnen kosten ca. 15-20€ / kg. Selbst wenn Sie sagen wir mal 1000€ in eine anständige Kaffemühle u. eine gute Espressomaschine investieren, hat sich diese Anschaffung gegenüber der Verwendung von Nespressokaspeln in relativ überschaubarem Zeitraum vollständig amortisiert (je nachdem natürlich wieviel Kaffee man trinkt). Und bitte...... erzähl mir keiner der Nespresso Kaffee wär ja sooo gut. Das mag jemanden der noch nie richtigen Kaffee getrunken hat so vorkommen aber gegen das was aus meiner Siebträgermaschine rauskommt ist Nespresso billige Plörre.....
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