ETF-Anlagen Finanztest bewertet nachhaltige Index-Fonds als gut

Fürs gute Gewissen stecken viele Anleger ihr Vermögen in nachhaltige Geldanlagen. Etablierte derartige Indexfonds gibt es dabei erst wenige - die Stiftung Warentest empfiehlt sie.

Börsenmitarbeiter
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Das eigene Geld gewinnbringend anlegen und dabei auch noch etwas Gutes tun - das wünschen sich immer mehr Anleger. Dementsprechend wächst der Markt für ethische und ökologische Finanzprodukte rasant: 171 Milliarden Euro hatten Anleger in Deutschland laut dem Forum nachhaltige Geldanlagen 2017 bereits in so eingeordnete Produkte investiert. Außer auf Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit achten diese auch auf ökologische und soziale Aspekte.

Wie schwierig dieses Geschäft mit dem guten Gewissen jedoch mitunter ist, zeigt nun ein Test der Stiftung Warentest. In der Dezember-Ausgabe von Finanztest hat die Redaktion nachhaltige, börsengehandelte Fonds (ETF) untersucht. Diese Fonds bilden einen Aktienindex ab, auch dessen Schwankungen lassen sich bei ihnen ablesen. Anders als bei gemanagten Fonds werden die Aktienanteile jedoch nicht aktiv ausgewählt.

Grünes Geld aus schwarzem Gold?

Da die Tester sich nur Börsenfonds angesehen haben, die älter als fünf Jahre sind, konnten sie bei ihrem Test auf gerade einmal zwei nachhaltige Indexfonds zurückgreifen: den "iShares Dow Jones Global Sustain. Screend Ucits ETF" sowie den "UBS MSCI World Socially Responsible Ucits ETF USD A-dis".

Das Ergebnis: Beide ETFs bieten über die Jahre betrachtet eine in Zeiten niedriger Zinsen vergleichsweise gute Rendite. In den vergangenen fünf Jahren waren laut Finanztest sechs Prozent pro Jahr möglich. Waffenproduzenten werden bei ihnen beispielsweise aussortiert.

Doch trotz des nachhaltigen Anspruchs: Angesichts der Abbildung von 400 beziehungsweise 500 Unternehmen können laut Finanztest auch in den beiden nachhaltigen ETFs etwa Firmen-Beteiligungen stecken, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen. In einem der beiden Produkte sind demnach auch Atomkraft und die Verletzung von Menschenrechten kein Ausschlusskriterium.

Die Tester empfehlen die Fonds frei nach dem Motto lieber ein bisschen Nachhaltigkeit als gar keine Nachhaltigkeit dennoch - als Renditebaustein in ihrer "Pantoffel-Portfolio" genannten Anlagestrategie. Die Finanztester verliehen ihnen jeweils vier von fünf möglichen Punkten. Zur Sicherheit sollte dieser Teil der Anlage ihnen zufolge aber mit einer Tagesgeldanlage bei ethischen Banken kombiniert werden, auch wenn es dafür kaum Zinsen gibt. In der Kombination ergibt sich laut den Testern eine bequeme nachhaltige Anlage, daher der Name "Pantoffel-Portfolio".

Am günstigsten ist ein nachhaltiger ETF-UBS-Sparplan dabei laut Finanztest bei Postbank, Comdirect, DKB und bei SBroker sogar kostenlos zu haben. Der iShares Dow Jones Global Sustainability Screend ist demnach bei Onvista kostenlos - oder zumindest für geringe Kosten bei Wüstenrot, Comdirect und DKB einzurichten.

Einheitliches Gütesiegel gefordert

Das grundlegende Problem der Definition nachhaltiger Geldanlagen bleibt jedoch. Um Geldanlagen voranzubringen, bei denen Anleger ein reines Gewissen haben können, hatte Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber Anfang 2018 ein einheitliches Gütesiegel gefordert. "Nachhaltige Investments wird man nur mit globalen Standards richtig vorantreiben können", sagte der heutige Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS.

Hinweise darauf, wie nachhaltige Finanzwirtschaft in Zukunft aussehen könnte, hat die 2016 eingesetzte Hochrangige Expertengruppe für nachhaltige Finanzen der EU-Kommission in ihrem Abschlussbericht diesen Sommer formuliert. Die Mitglieder aus Wissenschaft, Finanzbranche und Zivilgesellschaft schlagen unter anderem einheitlichere Definitionen für die Nachhaltigkeit von Fonds sowie striktere Regeln für Investoren vor.

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