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Nacktscanner-Hersteller: Gutes Geschäft mit der Angst

Von , New York

Die USA wollen mindestens 450 neue, umstrittene Nacktscanner an den Flughäfen aufstellen. Davon profitieren zwei Firmen, die die Maschinen exklusiv bauen - und sich achtstellige Umsatzzahlen erhoffen.

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Umstrittener Check am Flughafen: Scannen bis auf die Haut
Michael Chertoff, der ehemalige US-Heimatschutzminister, ist auch heute noch ein gut beschäftigter Mann. Seit der Republikaner sein Amt vor knapp einem Jahr an die Demokratin Janet Napolitano abtrat, arbeitet er als Anwalt, hat eine Consultingfirma gegründet und ist ein viel zitierter "Sicherheitsexperte".

Nach dem missglückten Terroranschlag von Detroit begann Chertoff deshalb durch die US-Medien zu tingeln, um den Einsatz der umstrittenen "Nacktscanner" gegen versteckte Bomben zu propagieren - und wurde überall gehört. In der "New York Times" hieß es: "Wären die benutzt worden, hätten sie so das erkannt." In der "Washington Post": "Wir müssen einen Weg finden, Gegenstände in Körperregionen aufzuspüren, an die man nicht leicht kommt." Auf CNN: "Dies war eine anschauliche Lektion für den Wert dieser Geräte."

Was Chertoff - der als Minister die neue Technologie an US-Flughäfen einführte - aber meist verschweigt: Er hat ein persönliches Interesse am Nacktscanner-Geschäft. Seine neue Firma, die Chertoff Group, berät etliche Sicherheitskonzerne und vermittelt Kontakte in Washington. Darunter etwa das Unternehmen Rapiscan aus Kalifornien - einer von nur zwei lizenzierten Nacktscanner-Herstellern in den USA.

Es geht um ein Millionengeschäft

Chertoff achtet sehr genau darauf, den Namen seiner Klienten nicht zu erwähnen, er trommelt generell für diese Boom-Industrie. "Er würde sich nie dazu hergeben, spezifische Werbung zu machen", sagte ein Brancheninsider, der die Connection Chertoffs zu Rapiscan bestätigte, SPIEGEL ONLINE. Die PR-Methoden seien diskreter.

Das ist verständlich - denn es geht um Millionen. Dank der Hysterie um den Beinah-Bomber von Detroit verspricht sich die Nacktscanner-Sparte massive Profite. Neben Rapiscan, einer Tochter des Technologiekonzerns OSI Systems, buhlt die New Yorker Firma L-3 Communications um diese lukrativen Regierungsaufträge, die bisher wegen Datenschutzbedenken und zäher Tests nur schleppend vergeben wurden.

Doch das hat sich über Nacht geändert.

Derzeit sind 40 Körperscanner an 19 US-Airports im Einsatz. Bereits vor dem Detroit-Vorfall hatte die US-Transportbehörde TSA 150 weitere bestellt, später legte sie noch mal 300 drauf. Der Auftrag für die ersten 150 Stück wurden an Rapiscan vergeben, wer die restlichen liefern soll, ist offen. Klar ist nur: "Mindestens 450 Geräte" sollen binnen zwölf Monaten im Einsatz sein, sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano an diesem Donnerstag.

Die Anschaffung von 450 neuen Geräten in den USA brächte den Herstellern geschätzt fast 68 Millionen Dollar Umsatz. Hinzu kommt der Weltmarkt. Dort hat L-3 schon jetzt 200 "SafeView"- Scanner verkauft. 15 stehen im Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Börsenkurse steigen rasant

Und das ist erst der Anfang. "Angesichts dessen, was an Weihnachten passiert ist, gehe ich davon aus, dass die TSA den Einsatz dieser Scanner beschleunigt", sagte die Investment-Analystin Josephine Millward der "Los Angeles Times". Ihr Kollege Michael Kim schätzt, dass die Firmen bis zu 300 Millionen Dollar Umsatz erwarten können, sollten an jedem Flughafen-Gate der USA Nacktscanner aufgestellt werden.

Im Vorgriff darauf sind die Börsenkurse der beiden Produzenten spürbar gestiegen. OSI notiert mit 31 Dollar, satte 181 Prozent über dem Vorjahrestief, L-3 mit rund 88 Dollar, immerhin ein Plus von 54 Prozent.

Das 1997 gegründete L-3 ist der größere der zwei Konzerne, mit fast 15 Milliarden Dollar Jahresumsatz (2008) und mehr als 66.000 Mitarbeitern. Das Nacktscanner-Geschäft macht nach Angaben aus Firmenkreisen dabei nur rund drei Prozent aus, den Großteil verdient L-3 mit Kommunikations-, Überwachungs- und Informationstechnologie.

Rapiscan dagegen konzentriert sich ausschließlich auf Scanner, Metalldetektoren und andere Sicherheitssysteme. Mutterkonzern OSI machte 2008 rund 623 Millionen Dollar Umsatz, 36 Prozent davon (224 Millionen Dollar) kamen von den Rapiscan-Produkten. Ein Scanner-Boom könnte diesen Wert vervielfachen.

Kein Wunder also, dass die Konzerne nichts dem Zufall überlassen. Sie haben Lobbyisten angeheuert, die in Washington für diese Regierungsaufträge kämpfen. "Der Kongress ist überall mit dabei", heißt es aus Unternehmenskreisen. "Wir müssen seine Kenntnis in der Sache erhöhen. Wenn wir es nicht tun, tut es die Konkurrenz."

Früherer CIA-Chef trommelt für Nacktscanner

So gab L-3 schon im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aus. 270.00 Dollar davon gingen an American Defense International (ADI), dessen Chef Van Hipp ein alter Pentagon-Hase ist. Einer anderen Firma, der Großkanzlei Baker Donelson, zahlte L-3 190.000 Dollar. Deren Motto: "Den Klienten helfen, die Welt nach 9/11 zu navigieren."

Dagegen erscheinen die Ausgaben von Rapiscan mit gerade mal 321.000 Dollar geradezu lächerlich. Dafür kann die Chertoff Group einflussreiche Akteure mobilisieren: Neben Chertoff selbst trommelt dort auch der frühere CIA-Chef Michael Hayden für die Nacktscanner. "Jeder muss ja nach dem Regierungsdienst irgendwie seinen Lebensunterhalt bestreiten", sagte eine alte Vertraute Chertoffs zu SPIEGEL ONLINE.

Trotzdem ist das Verfahren für die Firmen mühsam. Bevor ihre Apparate zum Einsatz kommen, müssen sie ein langwieriges Testverfahren durchlaufen, erst im Labor, dann in Pilotprojekten an den Flughäfen. Die "Abnahme" der Geräte kann zwei Jahre dauern - obwohl schon die 9/11-Kommission Mitte 2004 zur Eile trieb. Das liegt auch am bürokratischen Dickicht der TSA: "Das Beschaffungspersonal hat nicht gerade einen Sinn für Dringlichkeit", sagt eine frühere TSA-Mitarbeiterin zu SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube aber, dass sich das jetzt beschleunigen dürfte."

Schon wittern Kritiker Unlauteres. "Die TSA ist bekannt dafür, dass sie Privatunternehmen mit gescheiterten Technologien bereichert", schreibt der investigative Reporter James Ridgeway im Enthüllungsmagazin "Mother Jones". Die Nacktscanner-"Wundermaschinen" könnten da nur der jüngste "Schwindel" sein.

In der Tat lässt einen das letzte TSA-Experiment stutzen: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kaufte die Behörde 300 "Puffer"-Kabinen für Flughäfen, für je rund 160.000 Dollar. Diese Maschinen sollten explosives Material durch scharfe Luftstöße offenlegen. Doch die Technologie erwies sich als mangelhaft und fehleranfällig.

"Im Labor funktionierten die prima", berichtet die frühere TSA-Mitarbeiterin. "Aber an den Flughäfen verstopften sie sofort." 100 "Puffer" konnte die TSA noch stornieren, 100 stellte sie auf. Die restlichen verstauben in Lagerhäusern.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. persönliches Interesse
iRusse 21.01.2010
Zitat von sysopDie USA wollen mindestens 450 neue, umstrittene Nacktscanner an den Flughäfen aufstellen. Davon profitieren zwei Firmen, die die Maschinen exklusiv bauen - und sich achtstellige Umsatzzahlen erhoffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,671652,00.html
......und da sieht man es mal wieder, dass das ganze Geschrei nach mehr Sicherheit künstlich verursacht wurde, um die Interessen bestimmter Politiker der USA zu vertreten. Bei Donald Rumsfeld hat man das im nachhinein mit dem H1N1-Impfstoff festgestellt, und wen wundert es noch dass wieder ein ehemaliger Minister als Berater für gerade das Unternehmen tätig ist, das ein Hauptinteresse daran hat Nacktscanner überall einzusetzen. Al Gore vertritt die Umweltlobby, g. Bush die Waffenlobby,..etc. Mal gucken, welches Untergangsszenario demnächst propagiert wird, und wer dann wessen Interesse vertritt. eigentlich ist es ganz schön peinlich für Europa und den Rest der Welt, dass wir uns so auf der Nase tanzen lassen. Denken hilft.
2. na so ein zufall
ph0en1xs 21.01.2010
kan man das eigentlich alles noch ernst nehmen? erst wird den nacktscannern keine zulassung erteilt. ganz passend dazu will kurze zeit später jemand ein flugzeug sprengen. geht natürlich schief..man will ja keine unschuldigen verletzen. aber die angst ist wiedermal geschürt irgend ein strohman sitzt im kahn und achtstellige aufträge gehen an zwei firmen. weil deren supermaschinen diesen passenden anschlag ja hätten verhindern können. so langsam fühle ich mich für dumm verkauft. nacktscanner...das sowas unverschämtes wirklich noch wegen so einer hanebüchnen story zugelassen wird ist wirklich das letzte.
3. Und wenn würde es noch wundern..
ausWiesbaden 21.01.2010
.. wenn der verhinderte Weihnachts-Attentäter oder seine Familie eine großzügige Spende eines amerikanischen Technologiekonzerns erhalten hätte, gut getarnt natürlich und in kleinen gebrauchten Scheinen. Alles ist für Geld zu haben, kommt immmer auf die Relation an. Aber das wollen wir jetzt ja noch nicht wissen, dann gibts auch in ein paar Jahren noch Enthüllungsstories zu lesen..
4. Andersrum wird es bestimmt was!
threadneedle 21.01.2010
Mich wundert mittlerweile garnix mehr. Kann man dem Mann nicht einfach ein paar Milliarden geben und er macht dann Propaganda das es gar keine Terroristen gibt?
5. Forum > Parallelwelten
lb3 21.01.2010
Zitat von sysopDie USA wollen mindestens 450 neue, umstrittene Nacktscanner an den Flughäfen aufstellen. Davon profitieren zwei Firmen, die die Maschinen exklusiv bauen - und sich achtstellige Umsatzzahlen erhoffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,671652,00.html
Interessant, dass Ihnen das auch schon aufgefallen ist. Ebenso interessant, dass in verschiedenen Foren genau der Artikelinhalt bereits vor Tagen und Wochen recherchiert wurde. Recherchieren Sie selber bei Erstadressen, z.B. hinsichtlich der Firma L3, oder überlassen Sie das Privatleuten, die das aus purer Passion in ihrer Freizeit tun und das dann in Foren posten, damit Sie es mehr oder weniger abschreiben können?
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Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.

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