Umstrittene Finanzgeschäfte Drei von vier Deutschen wollen Ende der Nahrungsmittelspekulationen

78 Prozent der Deutschen wollen einer Forsa-Umfrage zufolge, dass Banken die Spekulationen mit Nahrungsmitteln beenden. Unter Agrarökonomen ist umstritten, ob die Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Einige große Banken bleiben stur.

Weizenfeld: Lebensmittelspekulationen auf Kosten der Armen
DPA

Weizenfeld: Lebensmittelspekulationen auf Kosten der Armen


Drei von vier Deutschen wollen, dass Banken ihre spekulativen Finanzgeschäfte mit Agrarrohstoffen und Lebensmitteln beenden. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Hilfsorganisation Oxfam ergeben. Demnach wünschen sich zudem 65 Prozent der Befragten, dass die neue Bundesregierung in Zukunft solche Geschäfte regulieren soll.

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam kämpft weltweit gegen Hunger und Armut. Das Forsa-Institut hat in ihrem Auftrag 1001 zufällig ausgewählte Personen ab 18 Jahren vom 26. bis 30. Juli 2013 telefonisch befragt. Die erste der drei Fragen lautete: "Sollten die Banker Ihrer Meinung nach aus den spekulativen Finanzgeschäften mit Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen aussteigen?" Bei den 30- bis 49-Jährigen antworteten sogar 83 Prozent mit Ja, bei allen Befragten waren es 78 Prozent, die dieser Meinung waren.

"Die Menschen billigen solche Geschäfte nicht"

"Das ist ein deutliches Zeichen für die Banken, dass die Menschen solche Geschäfte nicht billigen", sagt David Hachfeld, Wirtschaftsreferent bei Oxfam Deutschland. "Banken und Versicherer wie die Allianz und Deutsche Bank sollten dieses Votum ernst nehmen und diese Anlagen endlich stoppen."

Bei der zweiten Frage sollten die Teilnehmer beantworten, ob es für die eigene Geldanlage eine Rolle spiele, ob sich das Geldinstitut an Lebensmittelspekulationen beteilige. 51 Prozent der Befragten antworteten mit Ja, 42 mit Nein, der Rest machte keine Angaben oder war sich nicht sicher. Die dritte Frage bezog sich auf die Rolle der zukünftigen Bundesregierung. Während etwas mehr als jeder zweite der 18- bis 29-Jährigen sich künftig eine regulierende Rolle der Bundesregierung wünscht, waren es bei den 30- bis 44-Jährigen immerhin drei von vier.

Kritiker warnen immer wieder davor, dass die Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben und Hunger und Elend in Entwicklungsländern schüren. Die Banken wehren sich gegen diese Vorwürfe mit dem Argument, für die Kritikpunkte gebe es keine eindeutigen Belege.

Oxfams Recherchen zufolge sind die Allianz mit 6,7 und die Deutsche Bank mit 3,79 Milliarden Euro die größten deutschen Akteure bei der Spekulation mit Nahrungsmitteln. Während Banken wie die Deka, die Landesbank Baden-Württemberg und die Commerzbank nicht mehr auf die Entwicklung der Preise von Mais, Weizen und Reis setzen, bleiben Allianz und Deutsche Bank bei ihren Geschäften.

Wirken Spekulationen negativ oder preisglättend?

Oxfam hatte Banken und Versicherungen bereits mehrfach aufgefordert, die Geschäfte zu beenden. Allianz und Deutsche Bank teilen die Auffassung der Nothilfeorganisation nicht. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagte ein Allianz-Sprecher im Mai 2013: "Unserer Ansicht nach haben die Fonds keine negativen Folgen, sondern wirken sogar preisglättend."

Die Deutsche Bank teilte mit, eine internationale Arbeitsgruppe habe die Vorwürfe "von Ende 2011 bis Anfang 2013 sorgfältig und umfangreich geprüft". Man habe die im März 2012 getroffene Entscheidung umgesetzt, 2012 keine neuen börsengehandelten Agrarprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln aufzulegen. Bei den von Oxfam aufgeführten Fonds handle es sich um "Rohstoff-Fonds mit einem breiten Anlagespektrum", Investments in Agrarprodukte auf der Basis von Grundnahrungsmitteln nähmen "jeweils nur einen geringen Anteil ein".

hei

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Seite 1
sponnerd 25.08.2013
1.
Zitat von sysopDPA78 Prozent der Deutschen wollen einer Forsa-Umfrage zufolge, dass Banken die Spekulationen mit Nahrungsmitteln beenden. Unter Agrarökonomen ist umstritten, ob die Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Einige große Banken bleiben stur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nahrungsmittelspekulationen-78-prozent-der-deutsche-wollen-ausstieg-a-918462.html
9 von 10 Zahnärzten empfehlen ihrer Familie Colgate und Katzen würden Whiskas kaufen! 10 von 10 Biertrinkern bevorzugen Freibier! Welcome to the real world!
ash26e 25.08.2013
2. Mein Gott, die Gutdeppen kamen wieder zu Wort.
Spekulation mit Lebensmitteln hat´s doch schon immer gegeben!Seit hunderten von Jahren wurde das Korn auf dem Halm verkauft! Oder denken Sie an den Hopfen!!! Warum soll etwas ökonomisch sinnvolles und bewährtes plötzlich des Teufels sein?? Wohl doch nicht aus moralischer Einsicht sondern dem schlichten Nichtwissen geschuldet.
RioTokio 25.08.2013
3.
Zitat von sponnerd9 von 10 Zahnärzten empfehlen ihrer Familie Colgate und Katzen würden Whiskas kaufen! 10 von 10 Biertrinkern bevorzugen Freibier! Welcome to the real world!
Wenn Landwirte Ihre Ernte im voraus verkaufen ist das auch schon Spekulation mit Rohstoffen. Ist das auch schlecht? Nahrungsmittel sind ein Handelsgut. Das ist seit tausenden Jahren so. Es wird auch so bleiben. Befragte mögen das ablehnen. Die Leute lehnen auch CO2 Emissionen ab und fliegen dennoch in den Urlaub. Die Leute wollen keine Ausbeutung und niedrige Löhne in Entwicklungsländern und kaufen dennoch billige Klamotten bei KIK. Letztlich ist es egal was die Leute sich hier so vorstellen. Das Zeug wird gehandelt.
Ben Major 25.08.2013
4.
Zitat von sysopDPA78 Prozent der Deutschen wollen einer Forsa-Umfrage zufolge, dass Banken die Spekulationen mit Nahrungsmitteln beenden. Unter Agrarökonomen ist umstritten, ob die Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Einige große Banken bleiben stur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nahrungsmittelspekulationen-78-prozent-der-deutsche-wollen-ausstieg-a-918462.html
99 von 100 deutschen haben keine Ahnung warum Waren- Terminkontrakte für die Produzenten von Vorteil sind. Etwas mehr haben vielleicht verstanden, das Biosprit und Biogas, die wir uns in unserer verschwenderischen Bio- Großmanssucht leisten, weltweit die Lebensmittel Preise in die höhe treiben. Waren werden immer zu den höchstmöglichen Preisen verkauft werden, ob auf dem "Markt", oder an der"Börse", wer das Spekulation nennen will, sollte vielleicht mal selber irgend Lebens produzieren und dann möchte ich mal sehen, ob er es billiger verkauft als alle Anderen.
magellan11 25.08.2013
5. Gewissensfrage
Zitat von sysopDPA78 Prozent der Deutschen wollen einer Forsa-Umfrage zufolge, dass Banken die Spekulationen mit Nahrungsmitteln beenden. Unter Agrarökonomen ist umstritten, ob die Spekulationen die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Einige große Banken bleiben stur. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nahrungsmittelspekulationen-78-prozent-der-deutsche-wollen-ausstieg-a-918462.html
100% aller Menschen wollen keine einseitigen, manipulativen Artikel lesen. Jeder Journalist sollte sich entscheiden, ob er Journalist oder Propagandist sein will.
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