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25. April 2018, 16:44 Uhr

Prozess um Kultmarke

Richterin hält Klage gegen Naketano für schlüssig - und schlägt Vergleich vor

Aus Essen berichtet

Ein Ex-Investor hat die Gründer des Modelabels Naketano wegen arglistiger Täuschung verklagt. Er habe beim Verkauf der Anteile zu wenig Geld erhalten. Das Gericht will die Gegner zu einem Vergleich bewegen.

Sascha Peljhan meidet die Öffentlichkeit. Am Mittwoch aber tauchte der scheue Unternehmer vor dem Landgericht Essen auf. Anfang des Jahres hatten der Naketano-Mitbegründer und sein Geschäftspartner Jozo Lonac in einer schriftlichen Mitteilung das Aus für das Erfolgslabel angekündigt. Die 2018er-Kollektion werde die letzte sein, hieß es. Seither rätselt die Szene, warum das erfolgreiche Mode-Label aufgegeben werden soll. Sichtbares Erkennungsmerkmal von Naketano sind dicke Kordeln und Kapuzenpullover. Zudem haben die Kleidungsstücke teils anzügliche Namen.

Um das Label tobt ein heftiger Streit. Ein ehemaliger Miteigentümer aus Hamburg wirft den zwei Gründern vor, sie hätten ihn beim Verkauf seiner Anteile im Jahr 2013 unter Wert ausbezahlt und hat Klage eingereicht. Der Ex-Geschäftspartner sieht sich arglistig getäuscht und fordert seine Gesellschafteranteile zurück. Nun hat die Handelskammer des Landgerichts Essen den Fall verhandelt.

Peljhan erschien in grauer Naketano-Jacke, blauem Pulli, Jeans und Umhängetasche. Mit Brille, kurz geschorenen Haaren und akkurat getrimmten Bart wirkt er nicht wie ein Fashion-König, dessen Mode deutsche Fußgängerzonen prägt. Fotos im Gericht verbat Peljhan sich. Auch wollten weder er noch sein Anwalt sich äußern. Sein Kontrahent, der Kläger, war zu dem Gerichtstermin gar nicht erst erschienen.

Richterin spricht von "schlüssiger Klage"

Der frühere Investor, ein Geschäftsmann aus Hamburg, hatte im Jahr 2013 beim Verkauf seiner Naketano-Anteile etwa 1,3 Millionen Euro und einen Beratervertrag in Höhe von 160.000 Euro erhalten. Drei Jahre später stellte er fest, dass die Geschäfte bei Naketano schon 2013 wesentlich besser liefen, als er damals wusste. Der Ex-Geschäftspartner sieht sich von Peljhan und Lonac getäuscht und mit einer zu niedrigen Summe abgespeist. (Lesen Sie hier die Hintergründe zum Streit um Naketano)

Die Vorsitzende Richterin sprach von einer "schlüssigen Klage". Sie schlug den beiden Parteien am Mittwoch einen Vergleich vor: Die Naketano-Gründer Peljhan und Lonac sollen dem ehemaligen Mitgesellschafter etwa 200.000 Euro nachzahlen. Beide Seiten zogen sich zunächst zur Beratung zurück. Doch eine schnelle Einigung kam nicht zustande. Die Anwälte wollen den Vorschlag nun weiter beraten.

Würde kein Vergleich zustande kommen, will das Gericht einen Sachverständigen berufen. Er soll klären, ob den Naketano-Gründern zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen im September 2013 bewusst war, dass der Gewinn höher ausfallen würde als von ihnen dargelegt. Wenn das der Fall wäre, hält das Gericht auch eine arglistige Täuschung für möglich. Hätte die Klage Erfolg, müsste der Verkaufsvertrag rückabgewickelt werden - ein enorm aufwendiges und kostspieliges Verfahren für die Gründer.

Das Modelabel hatte mit seinem angekündigten Aus zu Jahresbeginn für Schlagzeilen gesorgt. Auch Händler zeigten sich völlig überrascht, da das Label in der umkämpften Modebranche außergewöhnliche Erfolge erzielt hat und sich bis zuletzt gut verkaufte. Der Anwalt der Naketano-Gründer betonte vor Gericht erneut, dass die Geschäfte der Firma nicht fortgeführt würden.

Die Gründe für das Aus bleiben unklar. Sascha Peljhan verließ nach Ende der Verhandlung ohne Kommentar und schnellen Schrittes das Gericht.

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