Halbjahresbilanz Schäden durch Naturkatastrophen auf 13-Jahres-Tief

Trotz schwerer Stürme wie "Friederike" fällt die Bilanz der Naturkatastrophen im ersten Halbjahr weltweit glimpflich aus. Die volkswirtschaftlichen Schäden waren so niedrig wie seit 2005 nicht mehr.

Trümmer nach Sturmtief "Friederike"
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Trümmer nach Sturmtief "Friederike"


Weltweit gab es im ersten Halbjahr weniger Schäden durch schwere Naturkatastrophen. Von Anfang Januar bis Ende Juni verzeichnete der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück rund um den Globus volkswirtschaftliche Schäden von 33 Milliarden Dollar. Weniger waren es zuletzt im ersten Halbjahr 2005, als die Schäden inflationsbereinigt 29 Milliarden Dollar betrugen.

Mussten Versicherer und Rückversicherer im ersten Halbjahr 2017 noch 25,5 Milliarden Dollar für Naturkatastrophen-Schäden auszahlen, waren es von Januar bis Juni 2018 mit 17 Milliarden Dollar deutlich weniger. Vor allem in Industriestaaten sind mehr Unternehmen und Privatleute gegen Naturgefahren versichert als früher.

Schwerster Sturm in diesem Jahr war mit einem volkswirtschaftlichen Schaden von 2,7 Milliarden Dollar "Friederike", der im Januar über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland gezogen war. Die Versicherer mussten davon 1,7 Milliarden tragen. Etwa zwei Drittel der Schäden entfielen der Münchener Rück zufolge auf Deutschland.

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Orkantief "Friederike": Kaputte Häuser, entwurzelte Bäume

Insgesamt zählte die Münchener Rück im ersten Halbjahr 430 Naturkatastrophen, mehr als von Januar bis Juni 2017. Damals wurden 380 registriert. Mit 3000 Todesopfern forderten sie aber weit weniger Menschenleben als 2017. Damals starben 5540 Menschen.

Schwere Hurrikans erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet

Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek zeigte sich nach der verheerenden Bilanz des Jahres 2017 erleichtert: "Es ist gut, dass nach extremen Katastrophen mit Rekordschäden wieder eine Phase mit geringen Schäden zu verzeichnen war."

Allerdings war auch die erste Hälfte des vergangenen Jahres für die Branche ruhig verlaufen, ehe eine Serie von Wirbelstürmen und Erdbeben vielen Versicherern und Rückversicherern die Bilanz verhagelte.

"Es ist typisch, dass die Schäden in der ersten Jahreshälfte geringer ausfallen, da die schweren tropischen Stürme wetterbedingt erst in der zweiten Jahreshälfte auftreten", sagte Ernst Rauch, Unwetter-Experte der Münchener Rück.

"Hurrikans und andere tropische Stürme bilden sich erst, wenn die Wassertemperatur 26 bis 27 Grad erreicht. Da kann es Einzelereignisse geben, die Schäden von über 100 Milliarden Dollar verursachen können." Teuerster Sturm der Geschichte weltweit war der Münchener Rück zufolge bisher der Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005, der einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 125 Milliarden Dollar verursachte.

Kompletter Ernteausfall möglich

Im Frühsommer prägten im Südwesten Europas schwere Gewitter mit Sturzfluten das Wetter, im Nordosten kam es zu Hitzewellen und Dürren. Teilweise sei ein kompletter Ausfall der Ernten zu erwarten.

"Auf den Klimawandel können solche einzelnen Ereignisse nicht zurückgeführt werden", sagte Ernst. Sie passten aber in das Bild von häufigeren Hitze- und Trockenperioden sowie extrem starken Niederschlägen, das Klimamodelle für die Zukunft zeichneten.

Auch die Schäden durch schwere Gewitter in Deutschland und Mitteleuropa nehmen in der Langfristbetrachtung zu. Im Mai und Juni verursachten sehr langsam ziehende Gewitter in Deutschland und Frankreich vielerorts Sturzfluten.

brt/Reuters/dpa

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