Naturkosmetik Dr. Hauschka Heile, heile, pflegen

Mit Naturkosmetik hat Dr. Hauschka den internationalen Markt erobert. Dahinter steht ein schwäbisches Unternehmen, das ungewöhnliche Ziele verfolgt: nicht der schnelle Profit, sondern zufriedene Mitarbeiter und Kunden - und das Wohl der Gesellschaft.

Von Daniela Schröder

Rosen aus Afghanistan: Bis zur ersten Lieferung werden wohl Jahre vergehen
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Drei Tage pro Jahr packen die Chefs mit an. Sie stehen dann in der Produktion, an den Abfüllmaschinen, im Versand. Oder sie knien im firmeneigenen Heilpflanzengarten, ernten Blütenblätter, zupfen Unkraut oder graben Kompost unter die Beete. Abends schmerzen Rücken und Knie. Trotzdem ist der Einsatz selbstverständlich bei Wala. Denn die Führungsriege will wissen, was die Kollegen tagtäglich leisten, damit der Laden läuft.

Der Laden um den es geht, besteht unter anderem aus einem idyllischen Garten am Rande der Schwäbischen Alb. Hier in Eckwälden, im Kreis Göppingen, liegt die Keimzelle der Wala Heilmittel GmbH. Mit den Pflanzen, die hier angebaut werden, stellt das kleine Unternehmen seit fast 80 Jahren homöopathische Arzneipräparate her. Vor allem aber seine Naturkosmetik, die den großen, sogar weltweiten Durchbruch gebracht hat. Der kleine Laden steckt hinter den Cremes und Salben, auf die angeblich selbst Hollywood-Stars wie Julia Roberts und Brad Pitt schwören: Dr. Hauschka.

Die Kosmetik wird seit mehr als 50 Jahren nach den Leitsätzen der anthroposophischen Medizin entwickelt, die Essenzen für die Kosmetika werden in Handarbeit hergestellt. Zudem scheint das Geschäftsmodell viele Kunden anzusprechen: Menschen in aller Welt, die genervt sind vom absoluten Gewinnmaximierungsdenken, von verantwortungslosem Wirtschaften, die auf Nachhaltigkeit Wert legen.

Ethisches Wirtschaften ist plötzlich gefragt

Die anhaltende Finanzkrise hat die Schwächen und Risiken des üblichen Wirtschaftsdenkens aufgedeckt, und immer mehr Menschen suchen nach Alternativen. Plötzlich ist ethisches Wirtschaften gefragt, der Begriff "Corporate Social Responsibility" wird nicht länger nur in Expertenzirkeln diskutiert, sondern auch in den Chefetagen der Konzerne.

Für Firmen wie Wala bedeutet das Verantwortungsbewusstsein für Mensch und Gesellschaft keine neue Strategie - es macht ihren Gen-Code aus. Im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns stehen hier seit jeher Kunden und Mitarbeiter. "Nicht die Menschen sind für die Wirtschaft da", sagt Geschäftsführer Johannes Stellmann, "sondern die Wirtschaft muss den Menschen dienen."

Mit dieser Philosophie zählt sein Unternehmen in der auf Gewinn fixierten Wirtschaftswelt zu den Ausnahmen. Von naivem Gutmenschentum aber ist der Wala-Chef weit entfernt. "Wir lieben Gewinn", versichert Stellmann, ein ehemaliger Konzern-Manager und Absolvent der Wirtschaftsuniversität St. Gallen. "Gewinn ist für uns Zukunftsfähigkeit, Entwicklungsfähigkeit und Freiheit, wir sind da sehr konservativ." Die entscheidende Frage sei aber, wo der Gewinn hinfließe, so Stellmann. Kommt er Kunden und Mitarbeitern zugute? "Oder geht er an Menschen, die den Gewinn gar nicht erwirtschaftet haben?"

Wala schüttet den Überschuss nicht an Investoren aus, sondern steckt das Geld wieder ins Unternehmen. Ein Teil geht in die Forschung und Entwicklung, die Investitionsquote lag in den vergangenen Jahren bei zwölf Prozent. Außerdem stellt Wala gut 900 Arzneimittel her, von denen sich viele kaum verkaufen, geschweige denn Gewinn einbringen. Doch was betriebswirtschaftlich unsinnig scheint, hängt mit der Versorgermentalität des Unternehmens zusammen, wichtig, so die Philosophie der Firma, ist der Dienst am Menschen.

Fairness und Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber

Auch in der Eigentumsfrage tickt Wala anders als andere Unternehmen. Bereits 1986 entschieden sich die damaligen Gesellschafter, auf Profite zu verzichten und den Betrieb in eine Stiftung umzuwandeln. Von persönlichen Interessen losgelöst sollte das Unternehmen frei und unabhängig wirtschaften können. Dank der besonderen Rechtsform müssen die heutigen Geschäftsführer weder Eigentümerinteressen bedienen, noch Aktionäre zufrieden stellen, noch Verkauf oder Übernahme fürchten.

Vom Stiftungsmodell profitieren auch die gut 800 Mitarbeiter: Alle erhalten gleich berechnete Boni und eine Betriebsrente, individuelle Leistungsprämien gibt es nicht. Genauso wenig wie abgehobene Spitzengehälter: Maximal das Zehnfache des niedrigsten Gehalts lässt sich bei Wala verdienen, doch so viel bekommt laut Stellmann niemand.

Vor wenigen Jahren noch schreckte diese Aussicht ab, heute stapeln sich die Bewerbungen. Gemeinsam für eine bessere Welt arbeiten, dieses Unternehmensmodell lockt längst nicht mehr nur überzeugte Anthroposophen in die schwäbische Provinz.

Weil Wala nicht auf schnellen Profit getrimmt ist, nimmt sich der Hersteller durchaus mal Zeit. Manchmal tüfteln die Entwickler Jahrzehnte an einem neuen Produkt. Weil die Mitarbeiter in erster Linie für die Sache arbeiten sollen und nicht fürs Geld, überweist das Unternehmen 80 Prozent des Gehalts bereits am Monatsanfang. Außerdem bietet es Müttern und Vätern flexible Arbeitszeiten, übernimmt einen Teil der Kindergarten- und Schulgebühren, zahlt Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. Die sozialen Extras sind für die Geringverdiener gedacht, mit steigendem Gehalt nehmen die Zuschüsse ab.



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AKI CHIBA 11.12.2011
1. Ein schier unglaublicher Report!
Wenn die Produkte tatsächlich helfen sollten - PRINZIP KOPIEREN.
grimjaur 11.12.2011
2. In der Tat unglaublich!
"Zudem scheint das Geschäftsmodell viele Kunden anzusprechen: Menschen in aller Welt, die genervt sind vom absoluten Gewinnmaximierungsdenken, von verantwortungslosem Wirtschaften, die auf Nachhaltigkeit Wert legen." Das kommt mir beim Lesen wirklich die saure Galle hoch. Wie blauäugig ist die Autorin bzw. die Konsumenten dieser Produkte? Zumindest der Teilbereich, der auf anthroposophische bzw. homöopathische Art hergestellt werden, entspricht eben genau jenem "Gewinnmaximierungsdenken", d.h. zielt exakt auf Profit aus, mehr nicht. Denn es ist schon lange erwiesen, dass diese Mittel keinerlei über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit haben. Wie oft muss man das noch sagen? Aber dieses Saubermann-Image "alternativer" Hersteller ist nicht tot zu kriegen. Ein Hersteller, der Millionen mit "Naturprodukten" macht und das den - leider doofen - Käufern so verkauft, ist eine Schande..
MitKohlensäure 11.12.2011
3. Der Geist, der stets vermischt...
Zitat von grimjaur"Zudem scheint das Geschäftsmodell viele Kunden anzusprechen: Menschen in aller Welt, die genervt sind vom absoluten Gewinnmaximierungsdenken, von verantwortungslosem Wirtschaften, die auf Nachhaltigkeit Wert legen." Das kommt mir beim Lesen wirklich die saure Galle hoch. Wie blauäugig ist die Autorin bzw. die Konsumenten dieser Produkte? Zumindest der Teilbereich, der auf anthroposophische bzw. homöopathische Art hergestellt werden, entspricht eben genau jenem "Gewinnmaximierungsdenken", d.h. zielt exakt auf Profit aus, mehr nicht. Denn es ist schon lange erwiesen, dass diese Mittel keinerlei über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit haben. Wie oft muss man das noch sagen? Aber dieses Saubermann-Image "alternativer" Hersteller ist nicht tot zu kriegen. Ein Hersteller, der Millionen mit "Naturprodukten" macht und das den - leider doofen - Käufern so verkauft, ist eine Schande..
Wenn Sie wüssten, dass Anthroposophie und Homöopathie nicht nur zwei paar Schuhe, sondern eher Schuhe und Unterwäsche sind, dann würde Sie auch verstehen, dass Sie hier nix verstehen! :) (sorry, ist kein Angriff...aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun) 1.) Anthroposophie: Schicken Sie mir doch bitte mal einen Link zu Studien, die sich mit antroposophisch hergestellten Lebensmitteln beschäftigt haben. Und darüber hinaus: Sagen Sie mir doch bitte einfach mal in eigenen Worten, weshalb eine antroposophische Anbauart von zB GEmüse NICHT gut sein sollte oder NICHT besser sein sollte als industriell?! Ist Ihnen auch wurschd, ob Sie Bio-Zeug kaufen oder Billigprodukte? Wenn Sie wert auf Bio legen: Glauben Sie lieber Marken wie Demeter. Ich versichere Ihnen: DAS ist das, was Sie eigentlich kaufen wollen. 2.) Homöopathie: Da gebe ich Ihnen teilweise durchaus recht, die homöopathische "Heilkunde" hat wie kaum eine andere Schiene mit erheblichen Problemen bezüglich scharlatanischen Tätigkeiten zu kämpfen. etwa 95% der homöopathischen Mittel sind reiner nonsense und nichts weiter als Geldmachererei. Wenn Sie jedoch selbst schon nach erfolglosen Behandlungen durch die normale Medizin (und nein, ich verteufle hier gar nichts!) plötzlich Erfolg mit Homöopathischen Mittelchen hatten oder gesehen haben, wie Leute im Bekanntenkreis bei schweren Erkrankungen durchaus eine Genesung erlebt haben, würden Sie evtl. wenigstens einräumen, dass da einiges vielleicht einfach noch keine Erklärung gefunden hat, jedoch durchaus irgendwie eine Daseinsberechtigung hat. Schon mal in Südamerika gewesen? Dort finden Sie etwa gleichviele Homöopathische "Apotheken" wie normale Pharmacien. Und das nicht ohne Grund.
MitKohlensäure 11.12.2011
4. ...und nochwas..
...haben Sie denn den Rest des Artikels ebenfalls gelesen? "Fairness und bla...?!". Ich bin sicherlich kein VollblutMüsli/Öko oder was auch immer. Aber das hier geschilderte kann ich doch nur unterstützen.
wortgewalt87 11.12.2011
5.
Zitat von grimjaur"Zudem scheint das Geschäftsmodell viele Kunden anzusprechen: Menschen in aller Welt, die genervt sind vom absoluten Gewinnmaximierungsdenken, von verantwortungslosem Wirtschaften, die auf Nachhaltigkeit Wert legen." Das kommt mir beim Lesen wirklich die saure Galle hoch. Wie blauäugig ist die Autorin bzw. die Konsumenten dieser Produkte? Zumindest der Teilbereich, der auf anthroposophische bzw. homöopathische Art hergestellt werden, entspricht eben genau jenem "Gewinnmaximierungsdenken", d.h. zielt exakt auf Profit aus, mehr nicht. Denn es ist schon lange erwiesen, dass diese Mittel keinerlei über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit haben. Wie oft muss man das noch sagen? Aber dieses Saubermann-Image "alternativer" Hersteller ist nicht tot zu kriegen. Ein Hersteller, der Millionen mit "Naturprodukten" macht und das den - leider doofen - Käufern so verkauft, ist eine Schande..
Ganz richtig ist das nicht, aber nun denn. SChön, dass Sie den Mitteln zumindest einen (bei jedem Medikament vorhandenen) Placebo-Effekt zugestehen. Beweisen Sie diesen bitte. Na, merken Sie was? Die Antwort mein Freund ...
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