Frankfurt am Main - Nach mehr als fünf Jahrzehnten verschwindet der Versandhändler Neckermann wohl vom Markt. Zwar fänden "noch Gespräche mit einem interessierten Investor statt", teilte Neckermann am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Die Hoffnung auf eine Einigung scheint jedoch gering. Aus insolvenzrechtlichen Gründen habe die Geschäftsleitung entschieden, Neckermann abzuwickeln.
Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung wollte aber noch nicht das endgültige Aus für Neckermann verkünden. Die Erklärung der Geschäftsführung sei aus formalen insolvenzrechtlichen Gründen notwendig gewesen, sagte er. Parallel liefen weiterhin Verhandlungen mit einem letzten verbliebenen Investor, der möglicherweise einen Teil des Unternehmens übernehmen will.
"Die Abwicklung musste begonnen werden, damit sie rechtzeitig bei den Ämtern ankommt. Damit werden negative Folgen für die Beschäftigten etwa beim Arbeitslosengeld vermieden", sagte der Sprecher. Zum 1. Oktober läuft das von der Arbeitsagentur über drei Monate gezahlte Insolvenzgeld aus. Aus eigener Kraft kann Neckermann die Löhne und Gehälter der Beschäftigten nicht mehr zahlen.
Scheitern die Verhandlungen mit dem letzten Interessenten endgültig, verlieren rund 2400 Beschäftigte des traditionsreichen Unternehmens in der kommenden Woche ihren Job. "Nach monatelangen Gesprächen mit potentiellen Investoren konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Investor gefunden werden", teilte Neckermann mit. Deswegen würden "die meisten Mitarbeiter" zum 1. Oktober freigestellt. Über eine interne Jobbörse sei bereits "eine große Anzahl" an Beschäftigten an andere Unternehmen vermittelt worden. Die Insolvenzverwaltung habe die Belegschaft am Morgen über die Situation informiert.
Firmen werben bereits um Neckermann-Mitarbeiter
Neckermann hatte im Juli Insolvenz angemeldet, weil der US-Investor Sun Capital Partners als Eigentümer einen Sanierungsplan für das Unternehmen nicht mittragen und für die Sanierung kein Geld geben wollte. Der Geschäftsbetrieb wurde in den vergangenen Wochen jedoch fortgesetzt. Bereits Mitte des Monats erklärte die Insolvenzverwaltung, dass die Aussichten auf eine Rettung des Traditionsunternehmens schwinden.
Die Abwicklung betrifft den Angaben zufolge die Unternehmensteile Neckermann.de, die Logistiksparte und das Neckermann-Logistikzentrum im sächsischen Heideloh. Die Neckermann-Versandtochter Happy Size wird an den Konkurrenten Klingel verkauft. Der künftige Eigentümer versprach, möglichst viele der rund 80 Arbeitsplätze bei dem Spezialversand für Übergrößen zu erhalten.
Die Bemühungen um neue Jobs für die verbliebenen Neckermann-Mitarbeiter sind bereits angelaufen. Am Dienstag hatten sich 18 Firmen im Neckermann-Gebäude als potentielle Arbeitgeber vorgestellt. Darunter waren große Logistikunternehmen wie die Deutsche Post, die Paket- und Briefzusteller sucht. Auch die Fraport-Tochter für Gebäudereinigung GCS warb um die Mitarbeiter.
fdi/mmq/dpa/AFP
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