Versandhändler Neckermann-Insolvenzverwalter verklagen offenbar frühere Chefs

Der Versandhändler Neckermann musste vor sechs Jahren Insolvenz anmelden. Jetzt fordern die Insolvenzverwalter von ehemaligen Verantwortlichen laut Medienberichten rund 20 Millionen Euro zurück.

Neckermann-Karton (Archiv)
DPA

Neckermann-Karton (Archiv)


Die Insolvenzverwalter von Neckermann haben Medienberichten zufolge ehemalige Geschäftsführer und Aufsichtsräte des einstigen Versandhandelskonzerns verklagt. Sie fordern demnach 19,1 Millionen Euro zurück. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und der WDR.

Die Insolvenzverwalter werfen der vierköpfigen Geschäftsführung vor, "ohne unmittelbare und gleichwertige Gegenleistung" Millionensummen ausgegeben zu haben, obwohl die Pleite längst eingetreten gewesen sei. Die Aufsichtsräte hätten ihre Überwachungspflichten verletzt. Die Klage sei beim Landgericht Frankfurt anhängig.

Neckermann war lange Zeit einer der größten Versandhändler Europas und hatte das Kataloggeschäft in Deutschland entscheidend geprägt. Die Marke Neckermann gehört inzwischen als Onlinehändler zur Hamburger Otto-Gruppe. Verkaufsverhandlungen der Insolvenzverwalter mit potenziellen Investoren waren im September 2012 endgültig gescheitert.

Jahrelanges Verfahren erwartet

Gegenstand des aktuellen Streits ist die existenzielle Krise von Neckermann vor sechs Jahren. Der damalige Eigentümer, der Finanzinvestor Sun Capital, hatte weitere Finanzhilfen an strenge Bedingungen geknüpft, etwa Entlassungen ohne Abfindungen. Im Frühjahr 2012 zeichnete sich erstmals ab, dass diese Bedingungen kaum zu erfüllen waren.

Dem Bericht zufolge hätten nach Ansicht der Insolvenzverwalter die Beteiligten spätestens Ende Mai 2012 Insolvenzantrag stellen müssen, was aber erst im Juli geschah. In der Zwischenzeit seien reihenweise verbotswidrige Zahlungen geflossen. Dieses Geld fordern die Insolvenzanwälte jetzt zurück. Die Gegenseite streitet die Anschuldigungen in Stellungnahmen für das Gericht ab, berichteten "SZ" und WDR weiter. Den Parteien stehe ein jahrelanges Verfahren bevor.

Die Verfahrensbeteiligten wollten sich auf Anfrage der beiden Medien nicht weiter äußern. Die Insolvenzverwalter Michael Frage und Joachim Kühne bestätigten demnach lediglich, dass sie die früheren Verantwortlichen verklagt hätten.

brt/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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joG 26.04.2018
1. Wie auch immer der Prozess....
....ausgeht, ist das ein guter Anfang mehr Verantwortung und Gesetzestreue bei deutschen Firmen zu erreichen. Wollen wir hoffen, das das zur Regel wird und auch auf Behörden und ggf Gerichte angewendet wird mit der Zeit.
ernstmoritzarndt 26.04.2018
2. Endlich ......
.... geht es auch einmal jenen Großkopfeten an den Kragen, die sonst meistens ungeschoren davon gekommen sind, nachdem sie sich ordentlich die Taschen gefüllt hatten. Bei Otto Meyers Kartoffelgroßhandels - GmbH gehört es inzwischen zum guten Ton bei Insolvenzverwaltern, den Geschäftsführer Otto Meyer sen. wegen unerlaubter Zahlungen in der Phase vor der Insolvenz vor den Kadi zu ziehen. Bleibt abzuwarten, was da am Schluß herauskommt. Das muß auch nicht jahrelang dauern, denn es geht lediglich um die Frage, ab wann die Insolvenzantragspflicht bestand. Das kann man sich meistens an den fünf Fingern abzählen.
tathanhmai 27.04.2018
3. Bereits 2011 war bei Neckermann intern ab AL-Ebene bekannt,.......
....... das es zu einer Insolvenz Anfang 2012 kommt, und zwar in der Verwaltung, Einkauf, Marketing, Vertrieb, etc., ab Abteilungsleiter-Ebene. Die Führungskräfte wurden aber zum Stillschweigen verpflichtet und es wurde damit gedroht, keine Abfindungen zu zahlen, falls vorher etwas rauskommt!! Es sollten m. E. alle Führungskräfte verhört und Erkennungsdienstlich erfasst werden. Denn, alle einfachen Arbeiter und Angestellte haben faktisch keine Abfindung erhalten!
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