Infografik der Woche Bitte, nehmt meinen Strom! Ich zahl auch dafür!

Strom verbrauchen und dabei reich werden? In Deutschland geht das immer besser: Seit 2011 hat sich die Zahl der Tage, an denen die Preise für Elektrizität ins Minus drehten, mehr als vervierfacht.

Von , und


Wenn Sie die Grafik mobil schauen, drehen Sie Ihr Smartphone bitte quer.

Negative Strompreise
SPIEGEL ONLINE

Negative Strompreise

Märkte folgen ihren eigenen Gesetzen. Während die meisten Menschen sich über sonnige Tage mit kühlender Brise freuen, schrillen an der Strombörse bei entsprechenden Bedingungen immer öfter die Alarmglocken.

Denn wenn gleichzeitig die Sonne scheint und der Wind weht, produzieren Deutschlands Ökostromanlagen massig Strom. Und da die großen Versorger in solchen Phasen ihre Kohlekraftwerke meist weiterlaufen lassen, entsteht ein Überangebot - und die Strompreise rutschen ins Minus.

Heißt konkret: Wer Elektrizität verkauft, muss seinen Abnehmern dann Geld zahlen. Der Markt steht kopf.

Zuletzt so geschehen an der Leipziger Börse am 8. Mai. Im jüngsten Fall lag der Tiefstand, wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, gegen 14 Uhr bei rund minus 130 Euro pro Megawattstunde.

Streitthema bei der EEG-Reform

Der 8. Mai ist nur ein Beispiel für einen immer stärkeren Trend: Die Zahl der Tage mit negativen Strombörsenpreisen hat sich seit 2011 mehr als vervierfacht. Während der Preis 2011 lediglich sechs Mal ins Negative abdriftete, war dies im vergangenen Jahr bereits 25 Mal der Fall. Je mehr Windräder sich in Deutschland drehen und je mehr Solaranlagen Strom ins Netz speisen, desto öfter stürzen die Preise ab.

Börsenpanik stellt sich deshalb noch nicht ein. "Negative Strompreise sind ein natürliches Phänomen des kurzfristigen Stromhandels", sagt ein Sprecher des European Power Exchange (EEX). Sie seien Bestandteil eines freien Markts.

Die privaten Stromverbraucher profitieren von den kurzfristigen Einbrüchen an der EEX allerdings nicht. Sie zahlen für die Kilowattstunde ja einen fixen Tarif. Die ohnehin angeschlagenen Energieversorger indes erleiden durch die Preisstürze zusätzliche Verluste.

In der Regierung sorgt die wachsende Negativwelt derweil für Streit. Am Donnerstag forderte die Unionsfraktion in einem Brief an das Wirtschaftsministerium, man dürfe neu gebauten Wind- und Solaranlagen bei negativen Strompreisen keine Vergütung zahlen. Die Regierung arbeitet derzeit am Umbau des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das den Ausbau der Ökostromanlagen in Deutschland regelt.

Speicher und Lastmanagement sollen Strommarkt stabilisieren

Ob die Regierung die Negativpreise eingrenzen kann, ist allerdings ungewiss. Zwar sollen in den kommenden Jahrzehnten immer mehr alte Kohlemeiler vom Netz gehen; und es sollen neue Speicheranlagen gebaut werden, die überschüssigen Strom so lange bunkern können, bis die Nachfrage wieder steigt.

Moderne Technologien sollen obendrein dafür sorgen, dass ganze Fabriken, aber auch kleine Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen in stromarmen Zeiten stillstehen und in stromreichen Zeiten verstärkt arbeiten.

Gleichzeitig gehen aber massig neue Ökostromanlagen ans Netz. Manch Ökonom sieht bereits eine Zeit anbrechen, in der es Strom zum Nulltarif geben könnte - ähnlich wie die Flatrate beim Telefonieren. Sollte es so kommen, würde man beim Stromverkauf nicht mehr draufzahlen. Man würde einfach gar kein Geld mehr verdienen.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

Mehr zum Thema


insgesamt 148 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tommit 13.05.2016
1. Und wieder zu kurz gesprungen
Die privaten Stromverbrauchern profitieren von den kurzfristigen Einbrüchen an der EEX allerdings nicht. Sie zahlen für die Kilowattstunde ja einen fixen Tarif. Die ohnehin angeschlagenen Energieversorger indes erleiden durch die Preisstürze zusätzliche Verluste. Nein sie zahlen für eine zeitlang einen fixen Tarif und dann zahlen sie garantiert den tarif und die Verluste aus denm EEX Handel, weil die Stromversorger Firmen in der freien WIrtschaft sind... Ich könnt gähnen vor Verkürzung.... einfach ein Parameter aus der Bilanz weglassen und schon hat man sein ARgument zurechtgetrimmt. Entweder die verbraucher zahlen dann sogar mehr oder die Aktionäre bekommen weniger.. und ich glaube jeder weiss wie dies ausgeht...
acroflyer 13.05.2016
2.
aber bis zum Verbraucher schlagen die Preise nicht durch... im Gegenteil, die Stromrechnungen im Haushalt werden jedes Jahr um 10 % teurer! Damit muß jetzt Schluß sein!
GerhardFeder 13.05.2016
3. Subventionitis
Dass der Staat mit seier Subverntionitis immer nur massiven Schaden anrichtet - bekannt und lange bewiesen. EEG-Umlage ist ein gutes der zahllosen Beispiele, die E-Auto-Förderung das bisher letzte.
helmut.alt 13.05.2016
4.
Daran sieht man doch wie "hirnlos" eine Stromautobahn nach Bayern wäre.
Steve111 13.05.2016
5. Ein Argument mehr für Elektroautos !
Wären wir bei der Verbreitung von Elektroautos nicht so rückständig, könnte man den Fahrzeugbestand in Deutschland prima dazu nutzen, bei Überangebot die Stromabnahme gezielt zu steuern. Ein separater , smarter Zähler im Haushalt , der nur für Elektrofahrzeuge gedacht ist, und wo der Ladestrom dann zu diesen Spitzenzeiten für Null angeboten wird.Das wäre eine absolute WIN WIN Situation.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.