Verluste an Europas Börsen: Die Angst kehrt zurück auf die Märkte

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Protest vor Portugals Parlament: Krise in Südeuropa und Ägypten

Portugal durchleidet eine Regierungskrise, Griechenland hält Sparvorgaben nicht ein, in Ägypten droht ein Militärputsch, in China eine Kreditklemme: Negativnachrichten aus aller Welt lassen Europas Börsen tief ins Minus rutschen. Die Ölpreise und Risikoprämien für Staatsanleihen steigen.

Hamburg - Die Angst vor einer Wirtschaftskrise ist mit Wucht zurückgekehrt. Hiobsbotschaften aus Europa, Asien und Nordafrika bringen die Börsen sowie die Rohstoff- und Anleihenmärkte gleichermaßen unter Druck.

Portugal versinkt in einer Regierungskrise. Zwei Minister sind binnen zwei Tagen zurückgetreten, darunter Vítor Gaspar, seines Zeichens Vizeregierungschef, Finanzminister und Architekt des portugiesischen Spar- und Reformprogramms, mit dem das hochverschuldete Land aus der Krise gerettet werden soll. Nun wollen offenbar auch Landwirtschaftsministerin Assunção Cristas und Sozialminister Pedro Mota Soares ihre Ämter niederlegen. Die Regierung droht zu scheitern. Sollten Neuwahlen nötig werden, wirft das Fragen auf, ob das Land am Sparkurs festhalten und wie geplant Mitte des kommenden Jahres den Rettungsschirm verlassen kann.

Die Euro-Retter sorgen sich außerdem, dass Griechenland seine Sparvorgaben nicht einhalten könnte. Es werde der Regierung nicht gelingen, zeitnah die vereinbarte Menge an Stellen im staatlichen Sektor abzubauen, sagte ein Vertreter des Finanzministeriums am Mittwoch. Es gibt Berichte, laut denen das Land bis Freitag eine Lösung präsentieren muss - sonst könnte die nächste Tranche des Rettungspakets zurückgehalten werden.

In Ägypten droht möglicherweise ein Militärputsch. Anleger fürchten, dass die Staatskrise den gesamten Nahen Osten destabilisieren könnte, was den Ölnachschub gefährden könnte. Hinzu kommen Sorgen über eine Kreditklemme in China. Pekings Zentralbank will die schnell steigende Verschuldung der Provinzen und Staatsunternehmen bremsen - was das Wachstum verlangsamen dürfte. Die jüngsten Konjunkturdaten waren entsprechend schlecht.

Prämien für Staatsschulden steigen

Die Märkte sind durch diese Entwicklungen gleich in mehrerer Hinsicht belastet: An den europäischen Anleihemärkten stieg die Risikoprämie für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen in der Spitze um auf bis zu 8,2 Prozent, am Vortag hatte der Kurs noch bei 6,5 Prozent gelegen. Experten der Commerzbank sprachen von "Chaos".

Nach ihrer Einschätzung zeigt der rasante Anstieg der Zinssätze die größte Schwäche des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Mitte 2012 hatte die EZB mit dem sogenannten OMT-Programm die Panik an den Anleihemärkten eindämmen können. Es folgte ein starker Rückgang der Renditen. Doch damit OTM funktioniert, müssen die Regierungen der Krisenstaaten mitspielen. Die EZB knüpft ihr Programm an Reformen und Ausgabendisziplin - und damit letztlich an stabile politische Verhältnisse.

Es gibt sogar erste Anzeichen für Ansteckungseffekte bei spanischen und italienischen Anleihen. Die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Titel stiegen von 4,408 auf 4,539 Prozent beziehungsweise von 4,567 auf 4,707 Prozent.

Europas Börsen auf Talfahrt, Ölpreis auf 14-Monats-Hoch

Die Furcht der Anleger vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise belastet zudem die europäischen Börsen. Der portugiesische Aktienmarkt verbuchte einen der größten Tagesverluste seiner Geschichte. Der portugiesische Leitindex brach um bis zu 7,1 Prozent ein und lag mit 5136 Punkten so niedrig wie zuletzt im November 2012.

Auch andere europäische Börsen sind teils tief im Minus. Der Dax Chart zeigen lag am Mittag bis zu 1,7 Prozent im Minus, der EuroStoxx 50 Chart zeigen fast 2 Prozent. Unter besonderen Verkaufsdruck gerieten Finanzwerte, die üblicherweise sensibel auf Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren. Der Branchenindex für die Banken der Euro-Zone gab um 3,4 Prozent nach. Der Euro Chart zeigen indes hielt sich vorerst stabil bei knapp 1,30 Dollar.

Am Rohöl-Markt trieben die Unruhen in Ägypten die Preise in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete gegen Mittag fast 105 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,45 Dollar auf 101,05 Dollar. Zeitweise erreichte der US-Ölpreis bei 102,18 Dollar den höchsten Stand seit 14 Monaten.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gab derweil der Deutschen Bank Chart zeigen, der Credit Suisse Chart zeigen und dem Institut Barclays schlechtere Noten. Die Bonitätswächter begründeten ihren Schritt mit schärferen regulatorische Anforderungen und unsicheren Aussichten für das wichtige Kapitalmarktgeschäft. Das drücke auf die Rentabilität der Institute. Die langfristige Bewertung der drei Geldhäuser liegt nun bei A und nicht mehr bei A+, der Rating-Ausblick ist stabil.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 99 Beiträge
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1. Angst an der Börse!
rolandjulius 03.07.2013
Bei der heutigen Sachlage, der Intrigen,Lügen und Industriespionage, wer wird es sich nicht überlegen, wo sein Geld etwas sicherer ist? Vielleicht sogar unterm Kopfkissen? Denn Banken Daten sind auch kein Geheimnis. Frage: Wo führt das hin?
2. Hoffentlich...
fatherted98 03.07.2013
...platzt jetzt mal die Blase...ein Sinkflug auf 3-4000 Punkte könnte dem Dax mal richtig gut tun...
3. Portugal
Liberalitärer 03.07.2013
Zitat von sysopAPPortugal durchleidet eine Regierungskrise, Griechenland hält Sparvorgaben nicht ein, in Ägypten droht ein Militärputsch, in China eine Kreditklemme: Negativnachrichten aus aller Welt lassen Europas Börsen tief ins Minus rutschen. Die Ölpreise und Risikoprämien für Staatsanleihen steigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/nervoese-boersen-krise-in-portugal-griechenland-aegypten-china-a-909185.html
Schön, dass die sich abzeichnende Portugalkrise nun auch hier zur Kenntnis genommen wird. Die Krise ist mitnichten vorbei.
4.
muellerthomas 03.07.2013
Zitat von fatherted98...platzt jetzt mal die Blase...ein Sinkflug auf 3-4000 Punkte könnte dem Dax mal richtig gut tun...
Woran erkennen Sie die vermeintliche Blase denn? Und inwiefern würde ein Rückgang dem DAX gut tun? Würde der kleine Kerl sich dann besser fühlen als jetzt?
5. Short?
Liberalitärer 03.07.2013
Zitat von fatherted98...platzt jetzt mal die Blase...ein Sinkflug auf 3-4000 Punkte könnte dem Dax mal richtig gut tun...
Wenn Sie short sind, dann können Sie es heute krachen lassen.
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