Nervöse Finanzbranche Stress-Show für Europas Geldgiganten

Der Countdown läuft. In Kürze veröffentlichen Europas Finanzkonzerne die Ergebnisse des ersten Banken-Stresstests auf dem gesamten Kontinent. Die Zweifel am Verfahren wachsen - die Präsentation gerät zur Show für die Stabilität der Branche. SPIEGEL ONLINE analysiert, was die Aktion wirklich bringt.

Von , Frankfurt am Main

Bankplatz Frankfurt: Stürmische Zeiten für Europas Finanzindustrie
ddp

Bankplatz Frankfurt: Stürmische Zeiten für Europas Finanzindustrie


Nach außen hin wird eisern geschwiegen. Es gilt das Motto: Ruhe ist die erste Bankerpflicht. Doch hinter den Fassaden von Europas Finanzkonzernen und Aufsichtsbehörden für die Branche geht es angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung der Stresstests am Freitag weniger souverän zu. Zwischen Geldinstituten, nationalen Kontrolleuren und dem gemeinsamen Ausschuss der europäischen Bankenaufseher CEBS laufen hektische Abstimmungen. Was wann genau kommuniziert wird, wollen die zuständigen EU-Minister erst am Donnerstag in einer Telefonkonferenz klären.

Wie nervös die Beteiligten sind, zeigte sich am Morgen vor der Abstimmungsrunde. Da wackelte plötzlich noch einmal der Zeitplan, der eigentlich seit Wochen festzustehen schien. Nach Börsenschluss am Freitag um 18 Uhr sollten die Ergebnisse eigentlich veröffentlicht werden. Die Banken sollten Zeit haben, im Notfall am Wochenende noch Hilfsmaßnahmen zu organisieren.

Dann plötzlich schien alles anders zu kommen. Gerüchte machten die Runde, es könne schon am Freitagmorgen zur Veröffentlichung kommen - man wolle den amerikanischen Börsen nicht die Deutungshoheit über die Ergebnisse überlassen. Am Mittag erklärte dann ein Sprecher der EU-Kommission, es bleibe bei Freitag 18 Uhr.

So herrscht bis zuletzt Chaos in der Branche - dabei sollten die Stresstests doch eigentlich für mehr Sicherheit sorgen. Die Initiative, die Belastungsprobe der Finanzinstitute erstmals detailliert zu veröffentlichen, ging von Spanien aus. Viele Banken des Landes bekommen kaum noch auf dem regulären Weg an Geld, da die Investoren an ihrer Bonität zweifeln. Entsprechend sind die Banken von den Mitteln der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängig. Die spanische Regierung wollte deshalb die Unsicherheit mit einer Transparenzoffensive beenden.

Doch nun droht der Stresstest zur aufwendigen Show-Veranstaltung zu werden. Der schwierige Abstimmungsprozess hat ein Ergebnis hervorgebracht, das Experten als weichgespült und wenig aussagekräftig kritisieren. Die Manager der sonst so verschwiegenen Branche wiederum fürchten nicht nur die unangenehmen Wahrheiten, die das Datenmaterial möglicherweise hervorbringt - sondern auch mögliche Wettbewerbsnachteile. Allein schon, weil Zahlen verglichen werden müssen, die eigentlich nicht vergleichbar sind.

Wie aber funktioniert der Stresstest überhaupt? Was bringt er? Und welche Auswirkungen könnte die Veröffentlichung der Ergebnisse haben? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.



Forum - Stresstest - und nun?
insgesamt 253 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
urban_grandier 16.07.2010
1. bravo!
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Also ich find's super, dass, im Zuge des Stresstests, jetzt auch die Großbanken vom 750-mrd-Fonds profitieren können. Sollte irgendein Staat bei der Stützung angeschlagener Finanzinstitute seine nationalen Fonds ausgereizt haben, könne er auf die finanzielle Rückendeckung der EU setzen, sagte Rehn am Montag. (http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE66500L20100706) Ist ja auch egal - ob man es nun erst umständlich den Griechen (oder so) gibt und die es dann den Banken geben ... kann man's den Banken auch einfach direkt überweisen, dann können die damit schneller wieder gegen die Griechen (oder sonstwen) wetten. Das nenn ich mal Synergieeffekte nutzen.
rolli 17.07.2010
2.
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Wann ist je die ganze Wahrheit im Zusammenhang mit Banken und Bankenkrise ans Licht gekommen? Haben die Banken überhaupt die richtigen Zahlen an die Tester übermittelt? Und wie kann eine Postbank, die nie im Investmentbanking tätig war plötzlich illiquide sein? Sicher hat die Deutsche Bank die Postbank als bad bank benutzt. Ein Stresstest, dessen Kriterien nicht öffentlich ist, sondern nur die Ergebnisse, ist wertlos, und möglicherweise schädlich. http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Was-ist-Europas-BankenStresstest-wert-/story/17223174 rolli
sponfeind 17.07.2010
3.
Ach, das wird doch das selbe Spiel wie in den USA. Als ob die 'offiziellen Ergebnisse' nicht schon vor Beginn des Test feststehen. Am Ende steht natürlich das nächste Rettungspaket... Adieu stabile Währung.
atzigen 18.07.2010
4. Anlegerberuhigung
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Das ganze dient doch lediglich der Anlegerberuhigung. Das ganze dient vorrangig der Stressminderung bei den Verantwortlichen. Und was geschieht jetzt mit Banken die den Test nicht bestehen??? Natürlich nichts! Resp.Sie wird unauffällig mit Liquidität versorgt,sofern es nicht eine Hinterhofsparkasse ist und somit nicht Systemrelevant. Denn jede die den Test nicht besteht,währe sofort Pleite,oder ein Sanierungsfall. Wie schon in anderen Beiträgen dargelegt. Das System lebt von einer stetig wachsenden ÜBERLYQOIDITÄT. Wird diese reduziert bricht das System zusammen. Der eingeschlagene Spar-Lyqoiditätsenzug-Weg wird unfermeidlich zu schweren Verwerfungen an der Sozialfront führen. Fehler darf man fiele machen. Es gibt aber ein paar wenige fundamentale,die dürften niemals gemacht werden,denn die sind schwer,oder ab einem nicht genau definierbaren Punkt Irreparabel. Offen ist nur noch eine Frage,wie lange kann das System damit am Leben bleiben. Genisse die schönen Tage solange sie noch schön,sind den auf Sonnenschen volgen Gewitter und Regentage.
japan10 19.07.2010
5.
Zitat von sysopEuropas Banken müssen sich einem Stresstest unterziehen. Überprüft wird, wie stabil sie im Fall neuer Schocks oder Krisen sind. Wie beurteilen Sie das Verfahren? Kommt nun die ganze Wahrheit über die Finanzbranche ans Licht?
Bei neuen Krisen wären die Banken fertig. Doch dies wird nicht geschehen, die Staaten werden soviel Geld drucken, bis es wieder reicht. Die Wahrheit will doch keiner hören, dann würde man, wie bei Honecker sagen: der letzte macht das Licht aus. Das Leben hat sich geändert und es wird wahrscheinlich noch schärfer. Wenn Mathematikfreaks die Macht übernehmen, dann kann es nicht gut ausgehen. Es ist einfach nur Schade, dass die Politik so in die Knie gegangen ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.