Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Nach außen hin wird eisern geschwiegen. Es gilt das Motto: Ruhe ist die erste Bankerpflicht. Doch hinter den Fassaden von Europas Finanzkonzernen und Aufsichtsbehörden für die Branche geht es angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung der Stresstests am Freitag weniger souverän zu. Zwischen Geldinstituten, nationalen Kontrolleuren und dem gemeinsamen Ausschuss der europäischen Bankenaufseher CEBS laufen hektische Abstimmungen. Was wann genau kommuniziert wird, wollen die zuständigen EU-Minister erst am Donnerstag in einer Telefonkonferenz klären.
Wie nervös die Beteiligten sind, zeigte sich am Morgen vor der Abstimmungsrunde. Da wackelte plötzlich noch einmal der Zeitplan, der eigentlich seit Wochen festzustehen schien. Nach Börsenschluss am Freitag um 18 Uhr sollten die Ergebnisse eigentlich veröffentlicht werden. Die Banken sollten Zeit haben, im Notfall am Wochenende noch Hilfsmaßnahmen zu organisieren.
Dann plötzlich schien alles anders zu kommen. Gerüchte machten die Runde, es könne schon am Freitagmorgen zur Veröffentlichung kommen - man wolle den amerikanischen Börsen nicht die Deutungshoheit über die Ergebnisse überlassen. Am Mittag erklärte dann ein Sprecher der EU-Kommission, es bleibe bei Freitag 18 Uhr.
So herrscht bis zuletzt Chaos in der Branche - dabei sollten die Stresstests doch eigentlich für mehr Sicherheit sorgen. Die Initiative, die Belastungsprobe der Finanzinstitute erstmals detailliert zu veröffentlichen, ging von Spanien aus. Viele Banken des Landes bekommen kaum noch auf dem regulären Weg an Geld, da die Investoren an ihrer Bonität zweifeln. Entsprechend sind die Banken von den Mitteln der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängig. Die spanische Regierung wollte deshalb die Unsicherheit mit einer Transparenzoffensive beenden.
Doch nun droht der Stresstest zur aufwendigen Show-Veranstaltung zu werden. Der schwierige Abstimmungsprozess hat ein Ergebnis hervorgebracht, das Experten als weichgespült und wenig aussagekräftig kritisieren. Die Manager der sonst so verschwiegenen Branche wiederum fürchten nicht nur die unangenehmen Wahrheiten, die das Datenmaterial möglicherweise hervorbringt - sondern auch mögliche Wettbewerbsnachteile. Allein schon, weil Zahlen verglichen werden müssen, die eigentlich nicht vergleichbar sind.
Wie aber funktioniert der Stresstest überhaupt? Was bringt er? Und welche Auswirkungen könnte die Veröffentlichung der Ergebnisse haben? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.
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