Nervöse Finanzbranche Stresstest schürt Zweifel an Landesbanken

Wer kommt durch, wer scheitert? Kurz vor Veröffentlichung des Banken-Stresstests debattiert die Geldbranche über Wackelkandidaten. Dass es für die HRE eng wird, scheint sicher. Doch auch Landesbanken müssen bangen, die bisher keine Staatshilfe brauchen - ihr Verband weist alle Spekulationen zurück.

NordLB-Zentrale: Das Eigenkapital ist niedrig
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NordLB-Zentrale: Das Eigenkapital ist niedrig


Hamburg - Für Europas Banken naht die Stunde der Wahrheit. Am Freitag veröffentlichen Europas Bankenaufseher die Ergebnisse der sogenannten Stresstests. Sie sollen Aufschluss über die Widerstandskraft der Finanzinstitute in der Krise geben.

Nun steigt in der Branche die Nervosität. Aufgeregt wird darüber diskutiert, welche Banken den Stresstest wie gut bestehen - und welche gerade so. Derzeit mit im Mittelpunkt der Spekulationen: die Landesbanken Helaba und Nord LB.

Am Dienstag noch hatte der Präsident des Verbandes öffentlicher Banken, Christian Brand, erklärt, es gebe "überhaupt keine" Anhaltspunkte dafür, dass eines der sieben getesteten Institute in größere Schwierigkeiten komme. Am Mittwoch nun berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Insider, dass es für Landesbanken, die anders als die BayernLB, die Landesbank Baden-Württemberg, die WestLB und die HSH Nordbank in der Krise noch keine Staatshilfe erhielten, doch eng werde.

Helaba und Nord LB unter Druck

Betroffen wären demnach Helaba und NordLB als die beiden größten Institute. Diese Institute könnten so nah an die im Stresstest festgelegte Mindestkapitalgrenze von sechs Prozent kommen, dass die Investoren an den Finanzmärkten eine stärkere Kapitaldecke fordern würden, berichtet die "SZ". "Wenn eine Bank nahe an die Sechs-Prozent-Grenze rutscht, wird das wie ein Scheitern beim Test beurteilt werden", sagte ein hochrangiger Investmentbanker der Zeitung.

Ein anderer Marktteilnehmer, der die Helaba gut kennt, erklärte auf SPIEGEL ONLINE dagegen: "Ich gehe davon aus, dass die Bank nicht an die Grenze von sechs Prozent rutschen wird." Demnach soll das Institut selbst nach dem schlimmsten Szenario noch auf eine Kernkapitalquote von sieben bis acht Prozent kommen. Das sei zumindest "der aktuelle Stand".

Die abschließende Beurteilung der Zahlen übernimmt Europas Bankenaufsichtsbehörde, die CEBS. Die Banken selbst wollten mit Hinweis auf ihre Verschwiegenheitspflicht nicht Stellung zu den Stresstests nehmen. Die Kernkapitalquote der NordLB liegt bei 8,4 Prozent, die der Helaba bei 8,8 Prozent. Die geringe Ausstattung hängt vor allem damit zusammen, dass beide Banken bislang in der Krise keine Staatshilfe in Anspruch nehmen mussten.

HRE wohl durchgefallen

Auch der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate gerät durch den Stresstest erneut in die Schlagzeilen. Mehreren übereinstimmenden Berichten zufolge soll er den Test im Worst-Case-Szenario nicht bestanden haben. Am Mittwoch sagte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ein Scheitern der HRE sei "plausibel". Vertreter der Bank, der Finanzaufsicht BaFin und des Bankenrettungsfonds Soffin wollten sich zum Abschneiden der HRE nicht äußern.

Die Münchener HRE war zuletzt mit 7,8 Milliarden Euro allein in Griechenland engagiert. Auf die Staatsanleihen dieses Landes wird in einem Stress-Szenario der höchste Abschlag vorgenommen.

Das Ergebnis des Stresstests hat für die Bank allerdings in der Praxis kaum Relevanz. Die Hypo Real Estate ist ohnehin dabei, toxische Wertpapiere und ganze Unternehmensbereiche im Volumen von bis zu 210 Milliarden Euro in eine große "Bad Bank" auszugliedern und sich damit von diesen Risiken zu trennen. Die Abwicklungsanstalt mit dem Namen "FMS Wertmanagement" ist zwar schon gegründet, die Übertragung der faulen Papiere ist erst für das zweite Halbjahr geplant.

Frankreich will Ergebnisse früher offenlegen

Nach der Ausgliederung will der Bankenrettungsfonds Soffin entscheiden, wie viele Milliarden an zusätzlichem Eigenkapital vom Staat der Immobilienfinanzierer noch braucht. Bisher hat sie 103,5 Milliarden Euro an Garantien und 7,7 Milliarden Euro an Eigenkapital bekommen.

Der Fahrplan zur Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse könnte derweil ins Wanken geraten. Frankreich dringe auf ein Vorziehen des bisher für Freitag um 18 Uhr angepeilten Termins, sagten mehrere Personen aus dem Umfeld europäischer Regulierungsbehörden der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einer früheren Bekanntgabe könnten die europäischen Börsen noch auf die Ergebnisse reagieren. "In Frankreich fürchtet man, dass sonst die US-Märkte die Deutungshoheit über die Zahlen haben", sagte ein Insider. Bislang stehe das Land mit seiner Forderung aber allein da.

ssu/ase



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insgesamt 4 Beiträge
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Baikal 21.07.2010
1. Merkelmurks
Zitat von sysopWer kommt durch, wer scheitert? Kurz vor Veröffentlichung des Banken-Stresstests debattiert die Geldbranche über Wackelkandidaten. Dass es für die HRE eng wird, scheint sicher. Doch auch Landesbanken müssen bangen, die bisher keine Staatshilfe brauchen - ihr Verband weist alle Spekulationen zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,707716,00.html
Das Ergebnis ist doch irrelevant - es geht doch allein darum, das "Vertrauen der Märkte" zu erhalten: d.h. anzukündigen deren Wünsche und Bitten untertänigst erfüllen zu wollen.
bateaubus 21.07.2010
2. ist es nicht so?
Ist es nicht so dass die Banken das Recht haben, als Privatleute, Geld herzustellen und zu leihen. Die FED ist doch privat. Also kommt das Geld als SCHULD in Umlauf. President Kennedy wollte das ändern, dass die Regierung diejenige wäre, die Geld herstellte. Er wurde leider erschossen. Nun sollen die Einwohner Islands für die Schulden der Privatbanken aufkommen ??? Und sollen die Einwohner Griechenlands für die Anleihen der Banken geradestehen? Ja, Kinder, woher denn?
SmarterAlsDu 22.07.2010
3. Nette PR-Aktion
Nach dem Euro-Kursverlust zu Beginn des Jahres hat die Politik realisiert, dass der Euro mit wirtschaftspolitischen Mitteln kaum zu retten ist, da es hierzu an wirksamen Disziplinarmassnahmen mangelt. Man steht also dem Schreckensszenario "Euro = Ramsch-Währung" ohne konkrete Steuerungsmittel gegenüber und ist auf das Vertrauen der Finanzmärkte (bzw. die Abwesenheit von entsprechenden Gegen-Spekulanten) angewiesen. Nur so kann man verstehen, dass man im Moment bei jeder Gelegenheit die Werbetrommel für das Thema Währungsstabilität rührt. Ich glaube daher nicht, dass dies ein ehrlicher Test ist, um einen wahren Handlungsbedarf bei einzelnen Banken zu erkennen und entsprechend zu reagieren (wie damals in den USA), sondern lediglich eine PR-Aktion, damit China, die Scheichs und Co. weiter schön an den Euro glauben.
antonhimbert 23.07.2010
4. Ist doch in Wirklichkeit...
eh egal wie es ausgeht: Der dumme deutsche Michel zahlt immer! Achso: Ackermann ist Banker des Jahres geworden....
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